© Red Bull/GEPA - Marc Coma hat seine Taktik umgesetzt und die Führung zurückerobert

Die Motorradwertung bei der diesjährigen Rallye Dakar bleibt spannend: Auf der zwölften Wertungsprüfung Richtung der berühmten Stadt Nazca zeigte Marc Coma seine Klasse und sichert sich den Tagessieg. Sein KTM-Konkurrent Cyril Despres büßte auf der leicht verkürzten Strecke knapp vier Minuten ein und verlor dadurch seine Führung in der Gesamtwertung. Neuer Spitzenreiter ist zwei Etappen vor dem Ziel in Lima Coma mit einem Vorsprung von 1:35 Minuten. Zweiter wurde heute Joan Barreda Bort (Husqvarna.) Helder Rodrigues (Yamaha) verteidigte Platz drei in der Gesamtwertung.

Da für die Motorräder am gestrigen Abend ein eigenes Biwak aufgebaut worden war, starteten die Zweiradartisten von einem anderen Ort als die Autos in den Tag. Vor ihnen lagen insgesamt 505 Kilometer Richtung Nazca. Dort warteten die berühmten Scharrbilder. Die ältesten dieser Geoglyphen sind bereits 800 v. Chr. entstanden. Zunächst nahmen die verbliebenen 106 Teilnehmer eine Verbindungsstrecke über knapp 260 Kilometer unter die Räder. Es ging entlang des pazifischen Ozeans.

Die Wertungsprüfung führte direkt nach Nazca. Ursprünglich war eine Strecke über 245 Kilometer geplant, doch die Organisatoren mussten kurzfristig eine Anpassung vornehmen. Aufgrund starker Regenfälle wurden die ersten 50 Kilometer gestrichen. Pünktlich um 10:00 Uhr Ortszeit stand Despres als Erster an der Startlinie bei Kilometer 49,7. Ihm folgten Gerard Farres Guell (KTM), Coma und Johnny Aubert (KTM). Da die Distanz auf 195 Kilometer verkürzt war, ging es an der Spitze eng zu.

Das Terrain war geprägt von langen Dünenabschnitten. Beim ersten Wegpunkt hatten die KTM-Fahrer alles unter Kontrolle. Stefan Svitko führte vor Coma und Despres. Das Feld war bei der Zeitwertung sehr eng beisammen, denn die ersten zwölf Fahrer lagen innerhalb einer einzigen Minute. Bei Kilometer 72 änderte sich daran auch nicht viel. Der Slowake Svitko war weiter an der Spitze, gefolgt von Coma, Jordi Viladoms (KTM) und Despres. Erneut lag die Spitze innerhalb einer Minute.

Im weiteren Verlaufe erhöhte Coma das Tempo und baute seinen Vorsprung auf Despres auf 37 Sekunden aus. Das hieß, dass Coma auf der Strecke Despres einholte. Den heutigen Tag hatte der Franzose mit einem Vorsprung von 2:22 Minuten auf Coma begonnen. An das Hinterrad des Spaniers hatte sich Barreda Bort geheftet, der bei der vierten Zweitwertung lediglich sieben Sekunden langsamer war. Es folgte noch der abschließende Teil der Speziale, und dieser sorgte für eine entscheidende Veränderung.

Coma schließt auf Despres auf

Coma verfolgte seine Taktik konsequent. Da Despres an der Spitze des Feldes fuhr, konnte Coma den Spuren folgen und richtig Gas geben. Der Spanier erhöhte das Tempo weiter und fuhr auf Angriff, um seine Chance zu nutzen. Das zahlte sich aus. Der dreifache Dakar-Sieger und Titelverteidiger konnte auf Despres aufschließen und hatte in Nazca die beste Zeit aufgestellt.

Coma nahm seinem Konkurrenten bei der Fahrtzeit von 2:24 Stunden 3:57 Minuten ab und feierte seinen fünften Tagessieg in diesem Jahr. Despres musste sich in der Wertung noch hinter Barreda Bort und Viladoms anstellen und sich mit Platz vier begnügen. Eine herbe Niederlage für den Franzosen, der dadurch auch die Führung der Gesamtwertung einbüßte. Neuer Spitzenreiter ist zwei Etappen vor dem Ziel in Lima Coma. Er hat nun einen Vorsprung von 1:35 Minuten auf Despres.

„Das war ein schwieriger Tag. Ich bin vier Minuten hinter Cyril losgefahren, und es ist mir gelungen, ihn einzuholen“, berichtet Coma. „Im gesamten ersten Abschnitt habe ich mich vor allem auf das Navigieren konzentriert, denn man durfte wirklich keine Fehler machen. Mir war aber klar, dass es im zweiten Teil bessere Angriffsmöglichkeiten gab, und da ist es mir dann auch gelungen, zu Cyril aufzuschließen. Noch ist nichts entschieden, denn morgen steht noch eine große Etappe an.“

Das verheißt weiterhin Spannung für die letzten beiden Tage, denn morgen muss Coma als Erster auf die Strecke gehen, während Despres folgen kann. Hat sich der Franzose für das entscheidende Schachmanöver besser aufgestellt? „Sportlich war mir klar, dass Marc zu mir aufschließt, und dass es kein guter Tag werden würde“, kommentiert der Franzose.“Aber es war grandios. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe auf dem ganzen ersten Teil attackiert.“

„Bei der Dakar muss man etwas wagen, das ist kein Rennen, bei dem man abwartet. Ich führe einen Kampf mit einem sehr großen Motorradpiloten, Marc Coma. Er ist schnell und schlau. Also versuche ich, den richtigen Rhythmus zu finden. Das war eine wunderbare Etappe, eine der schönsten Spezialprüfungen, die ich in den letzten Jahren bei der Dakar bestritten habe. Und anscheinend hat sich jemand zwischen uns gedrängt, was für die Starts morgen eine gute Sache ist.“

Paulo Goncalves (Husqvarna) wurde heute Fünfter, doch in der Gesamtwertung spielt der Portugiese nach seiner sechsstündigen Zeitstrafe keine Rolle mehr. Helder Rodrigues (Yamaha) fuhr eine kontrollierte Etappe und kam hinter Ruben Faria (KTM) als Siebter ins Ziel. Damit behauptet er souverän den dritten Platz in der Gesamtwertung.

Morgen geht es weiter nach Pisco. Auf die Motorradfahrer wartet eine Wertungsprüfung über 275 Kilometer.

Alle Filme der Dakar 2012 auf Gaskrank.TV (in deutsch)

Ergebnis der 12. Etappe (Top 10):
01. Marc Coma (KTM) 2:24:38 Stunden
02. Joan Barreda Bort (Husqvarna) +2:43 Minuten
03. Jordi Viladoms (KTM) +3:10
04. Cyril Despres (KTM) +3:57
05. Paulo Goncalves (Husqvarna) +5:25
06. Ruben Faria (KTM) +7:05
07. Helder Rodrigues (Yamaha) +7:31
08. Dusan Cipka (BMW) +8:07
09. Stefan Svitko (KTM) +9:11
10. Felipe Zanol (KTM) +9:18

Gesamtwertung nach 12 von 14 Etappen (Top 10):

01. Marc Coma (KTM) 39:38:16 Stunden
02. Cyril Despres (KTM) +1:35 Minuten
03. Helder Rodrigues (Yamaha) +1:13:49 Stunden
04. Jordi Viladoms (KTM) +1:40:34
05. Stefan Svitko (KTM) +1:41:45
06. Gerard Farres Guell (KTM) +2:06:36
07. Pal Anders Ullevalseter (KTM) +2:12:14
08. Allesandro Botturi (KTM) +2:56:34
09. Olivier Pain (Yamaha) +3:08:31
10. Felipe Zanol (KTM) +3:16:33

Text von Gerald Dirnbeck

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