© Red Bull/GEPA - Cyril Despres steht nach 2005, 2007 und 2010 vor seinem vierten Dakar-Sieg

Die vorletzte Etappe der Rallye Dakar sorgte für die Entscheidung: Marc Coma hat sich im Dünengebiet knapp vor Pisco verfahren und über zehn Minuten verloren. Sein KTM-Stallkonkurrent Cyril Despres machte dagegen alles richtig und behielt im Schachspiel die Oberhand. Der Franzose machte keine Fehler, fuhr souverän und steht vor seinem insgesamt vierten Dakar-Sieg. In der Gesamtwertung beträgt sein Vorsprung vor dem Finaltag 11:03 Minuten. Der Tagessieg ging heute an Helder Rodrigues (Yamaha), der in der Gesamtwertung als Dritter das Podest vervollständigt.

Bei der vorletzten Etappe von Nazca nach Pisco galt es noch große Herausforderungen zu meistern. Auf dem Programm stand zunächst eine Verbindungsetappe über 96 Kilometer, gefolgt von der 275 Kilometer langen Wertungsprüfung. Es ging am Pazifik entlang, doch im letzten Abschnitt gab es große Dünengürtel zu bewältigen. Fahrerisch war dieses Gebiet sehr anspruchsvoll und auch die Navigation war nicht einfach. Prompt sollten diese Faktoren für die Entscheidung sorgen.

Coma ging nach seinem Sieg gestern als Erster auf die Strecke. Ihm folgten Joan Barreda Bort (Husqvarna), Jordi Viladoms (KTM) und Despres. Der Franzose fuhr also sechs Minuten nach Coma los. In der Gesamtwertung lag Despres vor diesem Tag 1:35 Minuten zurück. Wenn er Coma auf der Strecke einholen würde, dann hätte er die Gesamtführung inne. Bei der ersten Zeitmessung hatte Despres schon 3:40 Minuten auf Coma aufgeholt. Dieser Trend bestätigte sich bei der zweiten Zwischenzeit, wo Coma schon 5:10 Minuten eingebüßt hatte.

Die KTM mit der Startnummer zwei hatte die Nummer eins fast eingeholt. Der Spanier spürte den Druck und erhöhte das Tempo. Bei der dritten Zwischenzeit lag er nur noch 2:53 Minuten hinter Despres, fuhr ihm auf der Strecke also wieder davon. Die Navigation war in den Dünen nicht einfach und Coma führte das Feld an der Spitze an. Es war aber Barreda Bort, der als Erster der Spitzengruppe den falschen Weg einschlug. Bei Kilometer 148 bog der Spanier nicht nach Osten ab, erkannte wenig später aber seinen Fehler und kehrte auf den richtigen Weg zurück.

Kurz darauf fiel die Entscheidung um den Gesamtsieg: Coma musste vorne das Tempo vorgeben, während der Rest des Feldes seinen Spuren folgen konnte. Bei Kilometer 207 machte der Titelverteidiger einen entscheidenden Navigationsfehler. Über zwei Kilometer fuhr er in die falsche Richtung, kehrte aber wieder zurück auf den richtigen Weg, wo die Konkurrenz bereits entschwunden war. Die Zeitmessung bei Kilometer 232 zeigte das Ausmaß des Fehlers. Coma wurde 12:56 Minuten nach Despres gestoppt.

Auf der Strecke lag der Spanier also sieben Minuten hinter Despres. Diesen Rückstand konnte Coma auf den letzten Kilometern nicht mehr wettmachen. Im Ziel hatte er schließlich zwölf Minuten Rückstand auf Despres. In der Gesamtwertung hat dadurch der Franzose die Führung übernommen. Er geht mit einem Vorsprung von 11:03 Minuten in den Finaltag. Da auf dem Weg nach Lima nur noch eine Wertungsprüfung über 29 Kilometer zu absolvieren ist, steht Despres vor seinem vierten Dakar-Sieg.

„Ich bin nicht von dem Schlag, mich über die Schwierigkeiten meiner Teamkollegen zu freuen, und noch weniger, wenn Marc Coma ein Problem hat“, sagt der Franzose. „Ich bin mit dem Messer zwischen den Zähnen losgefahren, und ich wusste, dass er es genau so tun würde. Ich bin keine Risiken eingegangen, sondern habe vielmehr versucht, möglichst geradlinig zu fahren, wenn die anderen Kurven einlegten.“

„Beim Tanken habe ich gesehen, dass ich Marc fünf Minuten abgenommen habe. Danach habe ich mich zwei oder drei Mal verfahren, aber nie schlimm, doch ich musste konzentriert bleiben. Es war heute psychologisch sehr, sehr hart. Ich warte immer bis zum letzten Tag, um es zu genießen. Ich habe schon so viele Dinge bei der Dakar passieren sehen, und auch heute wieder. Ich will ganz ruhig bleiben und es noch ein bisschen genießen.“

Coma hatte technische Probleme

Dennoch sollte am letzten Tag nichts mehr passieren. Coma hatte alles gegeben, aber am Ende verloren. „Ich habe mit sehr hohem Tempo angefangen, so schnell ich nur konnte, denn ich wusste, dass es schwierig werden würde, die Führung in der Rallye zu behalten. Und bei Kilometer 25 hatte ich ein technisches Problem, wegen dem ich das Tempo drosseln musste“, berichtet der Titelverteidiger, der seine Krone abgeben wird.

„Es war ein Getriebeproblem, ich glaubte, nicht weiterfahren zu können. Daher bin ich schon froh, hier zu sein, und das an zweiter Position, das ist schon viel. Ich habe die ganze Rallye über gekämpft, und ich habe in jedem Augenblick alles gegeben, was ich hatte. Das ist so. Die Enttäuschung besteht darin, dass ich nicht bis zum Ende kämpfen konnte.“

Der Tagessieg ging heute an Rodrigues. In der Gesamtwertung ist der Yamaha-Pilot sicherer Dritter und wird in Lima vom Podest jubeln dürfen. „Eine Etappe zu gewinnen ist immer sehr gut, und auf dem Podium des Gesamtklassements zu enden ist auch gut“, freut sich der Portugiese. „Ich hätte bei einigen Etappen wohl noch besser abschließen können, aber ich hatte auch ein paar kleine Probleme, und es war nicht möglich zu gewinnen.“

„Doch heute habe ich Cyril und Marc ein wenig Zeit abnehmen können, ich bin sehr schnell gefahren. Das ist gut. Nächstes Jahr schaffe ich es vielleicht ein bisschen höher. Es ist möglich, wenn wir das ganze Jahr über gute Arbeit mit dem Team leisten. Ich werde vielleicht die neue Maschine nehmen, ich werde sie erst testen, und dann sehen wir weiter.“

Viladoms beendete den heutigen Tag hinter Despres auf dem dritten Platz. In der Gesamtwertung war das aber deutlich zu wenig, um Rodrigues gefährlich zu werden. Ihm fehlt eine halbe Stunde auf das Podest. Barreda Bort kam trotz seines Navigationsfehlers als Vierter ins Ziel und zeigte einmal mehr sein Talent. In der Gesamtwertung ist er allerdings seit Tagen weit abgeschlagen.

Neben Barreda Bort ist auch Stefan Svitko (KTM) eine der positiven Überraschungen der diesjährigen Dakar. Bei seiner dritten Teilnahme belegt der Slowake den fünften Platz in der Gesamtwertung. Für Aufsehen sorgte heute Daniel Schröder. Bei seiner ersten Dakar steigerte sich der Deutsche kontinuierlich und fuhr heute erstmals in die Top 10.

Morgen geht es weiter nach Lima, wo alles für die Siegerzeremonie vorbereitet ist. Insgesamt müssen noch 283 Kilometer bewältigt werden. Die Wertungsprüfung fällt mit 29 Kilometern sehr kurz aus. Es sollte nichts mehr passieren, aber technische Defekte könnten noch für eine Überraschung sorgen.

Alle Filme der Dakar 2012 auf Gaskrank.TV (in deutsch)

Ergebnis der 13. Etappe (Top 10):
01. Helder Rodrigues (Yamaha) 3:21:16 Stunden
02. Cyril Despres (KTM) +47 Sekunden
03. Jordi Viladoms (KTM) +3:00 Minuten
04. Joan Barreda Bort (Husqvarna) +5:13
05. Paulo Goncalves (Husqvarna) +5:46
06. Pal Anders Ullevalseter (KTM) +5:55
07. Alessandro Botturi (KTM) +6:32
08. Frans Verhoeven (KTM) +6:38
09. Ruben Faria (KTM) +7:06
10. Daniel Schröder (KTM) +8:14

Gesamtwertung nach 13 von 14 Etappen (Top 10):
01. Cyril Despres (KTM) 43:01:54 Stunden
02. Marc Coma (KTM) +11:03 Minuten
03. Helder Rodrigues (Yamaha) +1:11:27 Stunden
04. Jordi Viladoms (KTM) +1:42:12
05. Stefan Svitko (KTM) +1:49:36
06. Pal Anders Ullevalseter (KTM) +2:15:47
07. Gerard Farres Guell (KTM) +2:16:12
08. Alessandro Botturi (KTM) +3:00:44
09. Olivier Pain (Yamaha) +3:18:46
10. Felipe Zanol (KTM) +3:24:37

Text von Gerald Dirnbeck

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