© Red Bull/GEPA - Titelverteidiger Marc Coma hat vier der bisherigen sieben Etappen gewonnen

In der Motorradwertung hat die achte Etappe der Rallye Dakar für einen Umschwung gesorgt. Auf der 477 Kilometer langen Spezialprüfung von Copiapo nach Antofagasta blieb Cyril Despres bereits in der Anfangsphase in einem Schlammloch stecken und verlor viel Zeit. Keine Probleme hatte dagegen sein KTM-Stallgefährte Marc Coma. Der Spanier gewann die Etappe souverän und hat die Gesamtführung übernommen. Despres hat nun einen Rückstand von 1:26 Minuten.

Nach dem Ruhetag mussten heute insgesamt 722 Kilometer von Copiapo nach Antofagasta zurückgelegt werden. Für die Motorradfahrer ging es wieder sehr früh los. Die ersten Teilnehmer starteten bereits um 5:42 Uhr (Ortszeit) auf die 137 Kilometer lange Verbindungsstrecke. Um 7:52 Uhr (Ortszeit) nahm Coma als Erster die Wertungsprüfung über 477 Kilometer in Angriff. 122 Motorräder folgten dem Titelverteidiger. Zunächst war das Terrain noch etwas sandig und schlammig. Mit Fortdauer der Speziale wurde der Untergrund steiniger, härter und damit schneller.

Gleich zu Beginn spielten sich Dramen ab, die für die Gesamtwertung entscheidend waren. Nach zehn Kilometern blieb Despres in einem Schlammloch stecken. Er war aber nicht der Einzige, denn auch Paulo Goncalves (Husqvarna) blieb hängen. Coma kam problemlos an dieser Stelle durch. Zur Erinnerung: Despres hatte vor dem Start der Etappe einen Vorsprung von 7:48 Minuten auf Coma in der Gesamtwertung.

Wertvolle Minuten vergingen, während Despres versuchte, seine KTM zu befreien und wieder flott zu bekommen. Der Franzose schaffte es, hatte aber knapp acht Minuten eingebüßt. Die Dakar 2012 war wieder komplett offen. Bei Kilometer 65 folgte der erste Wegpunkt. Coma lag an der Spitze der Zeitliste, aber Despres hatte einen Rückstand von 11:55 Minuten. Da das KTM-Duo auseinandergerissen war, präsentierte sich ein anderes Bild als an den Tagen zuvor.

Coma gab bei den weiteren Wegpunkten konstant das Tempo vor. Heute war seine Chance, den Navigationsfehler der dritten Etappe und den damit bedingten Zeitverlust wettzumachen. Als erste Verfolger. kristallisierten sich Joan Barreda Bort (Husqvarna) und Stefan Svitko (KTM) heraus. Auch Ruben Faria (KTM) mischte im Spitzenfeld mit. Bei Halbzeit der Wertungsprüfung hatte sich Coma bereits einen Vorsprung von über drei Minuten auf die Verfolger herausgefahren. Despres hatte beim fünften Messpunkt einen Rückstand von knapp 15 Minuten. Das Gesamtklassement drehte sich.

Der Franzose konnte im weiteren Verlauf auch keine entscheidende Zeit aufholen und verlor die Gesamtführung an seinen härtesten Konkurrenten. Coma erreichte das Ziel schließlich nach einer Fahrtzeit von 5:03 Stunden. Despres hatte zunächst insgesamt 17:20 Minuten eingebüßt.

Die Rennleitung änderte das Ergebnis nachträglich ab, weil sie die Strecke um das Schlammloch geändert hatte. Dadurch hatte Despres im Ziel nur 9:14 Minuten Rückstand. Dennoch übernahm Coma die Führung in der Gesamtwertung. Der Spanier führt nun mit einem Vorsprung von 1:26 Minuten auf Despres. Nach der Wende bei der dritten Etappe, hat sich die Dakar nun erneut gedreht. Helder Rodrigues (Yamaha) liegt als Dritter bereits 49 Minuten zurück.

Despres sauer auf Veranstalter

„Eine sehr lange Wertungsprüfung“, sagt Coma nach der Zieldurchfahrt. „Ich hatte Glück, dass ich in dem schlammigen Teil nicht so viel Zeit verloren habe. Danach habe ich gesehen, dass ich Boden gutmachen kann, also habe ich angegriffen. Aber im letzten Teil habe ich gemerkt, dass ich Probleme mit meinem Motor hatte, also habe ich die Sache etwas ruhiger angehen lassen, um sicherzugehen, dass ich ins Ziel komme.“

„Das ist mein 20. Etappensieg, eine schöne Zahl“, freut sich der Spanier. „Was zählt, sind aber nicht die Wertungsprüfungen, sondern der Gesamtsieg. Und ich weiß, dass auf dem Weg dahin noch eine lange Woche vor uns liegt.“ Nachdem Despres in den vergangenen Tagen seine Gesamtführung kontrollieren konnte, steht er nach dem heutigen Ergebnis unter Zugzwang. „Zwischen dem Erkundungsfahrzeug, das vor zwei Tagen hier durchgefahren ist, und heute ist eine Schlammlawine runtergekommen.“

„Es war im Aufschrieb nicht verzeichnet“, schildert der Franzose sein Missgeschick. „Ich war der Erste, den es erwischt hat. Ich konnte die Stelle nicht umfahren. Ich werde auf die Entscheidung der Veranstalter warten, denn nach der Durchfahrt von Ullevalseter, Goncalves und einigen anderen wurde die Strecke umgeleitet, denn ansonsten wären 200 Fahrzeuge im Schlamm steckengeblieben. Ich sehe nicht ein, warum wir als einzige die Zeche zahlen sollen. Ich denke nicht, dass hier schon das letzte Wort gesprochen ist.“ Der Protest wurde von den Organisatoren akzeptiert.

Rodrigues sicherte mit dem dritten Platz den Podestplatz in der Gesamtwertung weiter ab. „Alle haben gedacht, dass das ein ruhiger Tag werden würde, aber tatsächlich war die Etappe ziemlich schwierig“, sagt der Yamaha-Pilot. „Man musste viel navigieren, vor allem war da ein Abschnitt, der sehr schlammig war, durch ein Flussbett bei Kilometer elf. Da sind viele Fahrer steckengeblieben, es war unglaublich. Aber ich bin immer noch Dritter in der Gesamtwertung, und das ist gut so.“

Erster Verfolger von Coma war heute Faria, der sieben Minuten hinter dem Spanier ins Ziel kam. Barreda Bort setzte seine starken Leistungen im Husqvarna by Speedbrain-Team fort und klassierte sich auf Platz vier. Auch der Slowake Svitko präsentierte sich wieder in bestechender Form und belegte Rang fünf. Goncalves büßte heute über 34 Minuten ein und fiel dadurch in der Gesamtwertung vom vierten auf den fünften Platz zurück.

Morgen geht es von Antofagasta weiter nach Iquique. Insgesamt müssen die Motorradfahrer eine Wertungsprüfung über 556 Kilometer zurücklegen.

Alle Filme der Dakar 2012 auf Gaskrank.TV (in deutsch)


Ergebnis der 8. Etappe (Top 10):

01. Marc Coma (KTM) 5:03:52 Stunden
02. Ruben Faria (KTM) +7 Minuten
03. Helder Rodrigues (Yamaha) +7:10
04. Joan Barreda Bort (Husqvarna) +8:44
05. Stefan Svitko (KTM) +9:09
06. Cyril Despres (KTM) +9:14
07. Juan Pedrero Garcia (KTM) +10:31
08. David Casteu (Yamaha) +12:02
09. Jordi Viladoms (KTM) +12:35
10. Johnny Aubert (KTM) +13:50

Gesamtwertung nach 8 von 14 Etappen (Top 10):

01. Marc Coma (KTM) 23:24:18 Stunden
02. Cyril Despres (KTM) +1:26 Minuten
03. Helder Rodrigues (Yamaha) +49:01
04. David Casteu (Yamaha) +1:09:52 Stunden
05. Paulo Goncalves (Husqvarna) +1:12:11
06. Jordi Viladoms (KTM) +1:12:27
07. Gerard Farres Guell (KTM +1:15:35
08. Stefan Svitko (KTM) +1:18:40
09. Juan Pedrero Garcia (KTM) +1:26:31
10. Oliver Pain (Yamaha) +1:41:53

Text von Gerald Dirnbeck

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