© IMS - Viele Kurven sind nur noch durch die Randsteine begrenzt

Die Motorrad-WM ist in der abgelaufenen Saison auf drei Rennstrecken (Barcelona, Silverstone, Sepang) gefahren, auf denen auch die Formel 1 gastiert. Für die Königsklasse auf vier Rädern gibt es seit einigen Jahren den Trend, die Auslaufzonen zu asphaltieren.

Aber auch auf vielen anderen Strecken müssen Kiesbette oder Wiese dem Asphalt weichen. In erster Linie ist es für Autos ein Sicherheitsaspekt, der bei den Motorrädern nicht in diesem Maße der Fall ist. Die asphaltierten Auslaufzonen haben auch einen sportlichen Aspekt, denn wenn jemand von der Strecke abkommt, kann er einfach weiterfahren. Früher fiel man entweder weit zurück, oder war komplett draußen.

Man sieht oft, dass die Fahrer, egal ob auf zwei oder vier Rädern, bewusst die Grenzen der Strecken bis ans Limit oder darüber hinaus ausloten. Deshalb wird speziell bei Ausbremsmanövern mehr Risiko genommen, da man im schlimmsten Fall nur von der Linie abkommt und weiterfahren kann. „Wenn man sich die 500er-Rennen der frühen Neunziger Jahre ansieht, dann sind die Fahrer oft Meter von den Randsteinen weggeblieben“, sagt Weltmeister Casey Stoner im Interview mit ‚Motomatters.com‘. „Niemand hat innerhalb einer Runde die weiße Linie berührt.“

„Die Leute haben sich viel mehr Platz gelassen“, findet der Honda-Pilot. „Das war damals das Limit. So weit waren die Leute bereit, zu pushen.“ Das hatte im Vergleich zu heute auch Auswirkungen auf den Rennverlauf. „Sie konnten 30, 40, 50 Meter getrennt voneinander bremsen. Es war kein Problem. Man konnte auf der Bremse drei, vier Leute überholen und die Kurve nehmen. Es gab keine Dramen. Heute kann man das nicht mehr tun.“

Bis vor wenigen Jahren gab es in der Königsklasse auch mehr Überholmanöver. Speziell in der abgelaufenen Saison stand der Zieleinlauf oft nach den ersten ein, zwei Runden fest. „Es ist alles viel präziser geworden“, sagt Stoner. „Die Leute fahren bis ans Limit. In der MotoGP gibt es immer noch den Faktor Risiko. In den kleinen Klassen fahren sie bis aufs Gras.“

„Da es aber keine Wiese gibt, sondern Kunstrasen oder Asphalt, fahren sie einfach darüber hinaus und kehren auf die Strecke zurück.“ Speziell in der Moto2 ist es in den beiden vergangenen Jahren turbulent zugegangen. Einige Spitzenfahrer haben die Aggressivität im Feld schon oft kritisiert. Die Limits werden bis an die Grenzen ausgelotet. „Sie nutzen jeden Millimeter an Asphalt, sie bekommen keine Strafe dafür.“

„Ehrlich gesagt werde ich müde das zu sehen“, hat Stoner eine klare Meinung. „Die Leute nutzen die Strecke und noch viel mehr. Und sie bekommen dafür keine Strafe. Wenn man einen Fehler begeht und von der Strecke abkommt, dann soll man damit umgehen. So sollte es sein. Sollte es neben der Strecke Wiese geben, dann würden die Leute nicht neben die Strecke fahren, weil es rutschig wäre.“

Stoner hat in seinen beiden WM-Jahren 2007 und 2011 viele Rennen vom Start weg dominiert und kontrolliert. Dennoch wünscht sich der Australier mehr Zweikämpfe. Wären die Auslaufzonen nicht asphaltiert, würde es auch die Sicherheit erhöhen, denn „es würde sicher nicht so viele extreme Manöver geben. Ich glaube, die Fahrer würden sich mehr Respekt entgegenbringen.“

Als Beispiel führt der 26-Jährige die Strecke von Misano an. „Bei den letzten beiden Kurven gibt es außen Wiese und keine Auslaufzone. Dort fährt keiner von der Strecke. Wenn jemand von der Strecke abkommt, geht er vom Gas und ordnet sich wieder ein, anstatt mit Vollgas mitten ins Feld zurückzukommen. Das ist ganz anders.“

Text von Gerald Dirnbeck

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