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© Yamaha – Können Honda und Ducati beim zweiten Test zu Yamaha aufschließen?

Zwei Wochen nach dem ersten Wintertest in Malaysia stehen in den kommenden Tagen die nächsten offiziellen MotoGP-Testfahrten in Australien auf dem Programm.

Von Mittwoch bis Freitag drehen die Zweiradasse auf dem malerischen Kurs von Phillip Island ihre Runden. Im Fokus werden erneut die Michelin-Reifen und die neue Einheitselektronik stehen. Vor allem für die Reifen ist Phillip Island eine Herausforderung. Nach der Neuasphaltierung erlebte Bridgestone (und auch Dunlop in der Moto2) im Herbst 2013 ein Desaster. Die Reifen hielten die Renndistanz nicht durch.

1. Michelin-Reifen
Um ähnliche Probleme zu vermeiden, sprach sich Michelin für diesen Wintertest auf Phillip Island aus. Deswegen wird in diesem Jahr nicht mehr zweimal in Sepang getestet. Und Michelin musste sich speziell für diese Strecke vorbereiten, wie Technikdirektor Nicolas Goubert erklärt: „Es gibt hier viele Linkskurven, also müssen die Reifen auf der linken Flanke mehr aushalten. Gleichzeitig muss sich die rechte Flanke rasch genug aufwärmen.“

Vor diesen Herausforderungen stand bereits Bridgestone. Die Reifen aus Japan und Frankreich unterscheiden sich aber wesentlich bei Konstruktion und Mischungen. Viele Augen werden deshalb in den nächsten Tagen auf Michelin gerichtet sein. „Es ist wichtig, dass wir das hinbekommen, denn das Rennen findet im Herbst statt“, so Goubert. „Dann könnte es große Temperaturunterschiede zwischen der linken und rechten Seite des Reifens geben.“ Außerdem wurde am Mittwoch bekannt, dass Michelin als Titelsponsor für den Grand Prix von Australien fungieren wird.

Allerdings könnte das Wetter dem Test einen Strich durch die Rechnung machen, denn für die nächsten Tage sind vereinzelte Regenschauer angesagt. Generell wird der Test wenig Aufschluss über das Kräfteverhältnis im Feld geben, denn Phillip Island ist vom Layout her einzigartig und kaum mit den meisten Rennstrecken im Kalender zu vergleichen. Deswegen ist auch unwahrscheinlich, dass viele Fahrer Rennsimulationen probieren werden.

2. Welches Chassis wählt Yamaha?
In Sepang fuhr Yamaha mit Abstand die schnellsten Rundenzeiten und befindet sich momentan in der Favoritenrolle. Allerdings bevorzugten Jorge Lorenzo und Valentino Rossi das Chassis aus dem Vorjahr. Der Rest des Motorrades ist für die neue Elektronik und Michelin umgebaut. Dazu gibt es das 2016er-Chassis, das den Einfüllstutzen für den Tank hinter der Sitzbank hat. An diesem Merkmal kann man die beiden Motorräder einfach unterscheiden. Nun werden wieder Vergleichstests durchgeführt. Erst dann wird sich Yamaha entscheiden, welches Motorrad nach Katar gebracht wird.

Trotz der Fabelzeiten beim Sepang-Test versucht der Weltmeister die Erwartungen zu dämpfen: „Es ist wichtig, dass wir ruhig und mit den Füßen auf dem Boden bleiben“, sagt Lorenzo. Denn er weiß: „In diesem Sport ist jeder Tag schwierig, die Dinge können sich rasch verändern.“ Offen ist vor allem noch, wie sich die Reifen im Zusammenspiel mit der Elektronik im letzten Renndrittel verhalten werden. Lediglich Bradley Smith (Tech-3-Yamaha) fuhr in Sepang eine Rennsimulation.

Viel Rummel gibt es wie gewohnt um Valentino Rossi, der am Dienstag seinen 37. Geburtstag feierte. Momentan stehen die Zeichen auf eine weitere Verlängerung seines Vertrages, wenn die Performance passt. „Wir müssen uns generell noch verbessern, aber ich bin mit dem Verhalten des Motorrades sehr zufrieden“, lautet sein derzeitiges Urteil. „Unsere Gegner arbeiten hart und schon in Australien kann sich viel verändern. Ich persönlich fühle mich gut. Ich arbeite an meiner körperlichen Vorbereitung. Wir müssen die in Malaysia begonnene Arbeit fortsetzen, das neue Material testen und das Motorrad für die neue Saison verbessern.“

3. Gelingen Honda mit Elektronik und Motor Fortschritte?
Marc Marquez und Dani Pedrosa beurteilten den neuen Honda-Motor in Sepang positiv, aber die Fahrbarkeit ließ noch zu wünschen übrig. Vor allem die Einheitselektronik bereitet den Ingenieuren noch Mühe. Honda ist noch nicht auf dem Level von Yamaha und Ducati. Entscheidend wird, ob die Techniker in den vergangenen beiden Wochen anhand der gesammelten Daten von Sepang weitere Fortschritte erzielt haben. Abgesehen von der Programmierung der Software werden keine neuen Entwicklungen erwartet.

Am vergangenen Wochenende präsentierte Honda in Indonesien die (bekannten) Farben für die kommende Saison. Sehr viele MotoGP-Fans kamen zur Rennstrecke in Sentul und jubelten Marquez und Pedrosa zu. „Ich freue mich darauf, weiter an unserem neuen Motor und unserer neuen Elektronik zu arbeiten“, blickt Marquez auf den Test voraus und will die getätigten Schritte aus dem vergangenen Test in Sepang fortsetzen. „Ich bin zuversichtlich, dass die HRC-Ingenieure und mein Team weitere Verbesserungen bringen werden, während wir uns an die neue Software gewöhnen.“

4. Bestätigt Ducati den Aufwärtstrend?
In Sepang waren die Kundenfahrer Danilo Petrucci und Hector Barbera schnell unterwegs, während das Werksteam erstmals den neuen Prototypen ausprobierte. Auch in Australien wird es Vergleichstests zwischen der GP15 und der neuen GP geben. Im Optimalfall will das Werksteam beim letzten Test in Katar nur noch mit dem neuen Prototypen antreten. Andrea Iannone und Andrea Dovizioso werden in Australien nicht von Testfahrer Casey Stoner unterstützt.

Insgesamt ist die Ducati-Mannschaft mit acht Motorrädern vertreten. Dadurch können deutlich mehr Daten bei der Elektronik und den Reifen gesammelt werden. Apropos Reifen. Als Reaktion auf den Reifenplatzer von Loris Baz soll in Australien ein Kontrollsystem für den Reifendruck vorgestellt werden, das ab Katar vorgeschrieben ist. Für den großgewachsenen Baz veränderten die Avintia-Mechaniker den Sitz, damit er besser Platz hat. Auch Eugene Laverty wird nach seiner Handverletzung in den Testbetrieb eingreifen.

5. Suzuki mit neuem Seamless-Getriebe
Von den Werksteams wird Suzuki die meisten neuen Teile nach Australien bringen, wobei die meisten Entwicklungen schon in Sepang vor Ort waren. Für das Team geht es in erster Linie darum, aus den Komponenten das richtige Paket zusammenzustellen und optimal abzustimmen. Ähnlich wie Honda hatte auch Suzuki noch Schwierigkeiten mit der neuen Einheitselektronik. Außerdem bevorzugten Maverick Vinales und Aleix Espargaro in Sepang das alte Chassis. Ähnlich wie Yamaha ist auch Suzuki gespannt auf die Eindrücke von einer weiteren Strecke.

Außerdem wird in Australien auch das Testteam von Suzuki im Einsatz sein. In erster Linie wird der Testfahrer das neue Seamless-Getriebe ausprobieren, das auch ohne Zugkraftunterbrechung zurückschalten kann. Läuft alles nach Plan, so sollen beim nächsten Test in Katar auch die beiden Werksfahrer mit dieser Getriebe-Version ausgerüstet werden. Schnelle Rundenzeiten zeigte Suzuki bisher nicht. Das Suzuki-Potenzial ist deshalb noch nicht ersichtlich.

6. Die restlichen Teams
Aprilia fehlt in Australien. Testfahrer Mike di Meglio fuhr in Aragon (10. & 11. Februar) den Shakedown mit dem neuen Prototypen. Stefan Bradl und Alvaro Bautista werden die neue RS-GP vom 21. bis 23. Februar in Katar testen. Die restlichen MotoGP-Teams sind geschlossen in Australien. Auch Jack Miller gibt nach seinem Beinbruch ein Comeback. Noch müssen die Honda-Kunden auf neues Material warten. Auch Tech-3-Yamaha ist noch mit dem Vorjahresmaterial unterwegs. Getestet wird von Mittwoch bis Freitag jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr Ortszeit (0:00 – 08:00 Uhr MEZ).

Text von Gerald Dirnbeck

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