© Motorsport-Total.com - Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta

© Motorsport-Total.com - Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta will die Zukunft der MotoGP sichern

Die Motorrad-WM spürt die Rezension. Die wirtschaftliche Situation des Sports hat sich seit der Finanzkrise 2008 nicht merklich verbessert. Große Teams wie Yamaha haben keinen Hauptsponsor, während kleine Teams auf ein Motorrad reduzieren müssen (Beispiel Pramac), ganz aufhören (Suzuki), oder ein Claiming-Rule-Team (Aspar) werden. Im kommenden Jahr sind nur noch zwölf Prototypen am Start, der Rest wird mit CRT-Motorrädern aufgefüllt. Die MotoGP bricht in eine neue Zukunft auf. Wo der Weg hinführen wird, muss sich erst genau zeigen.

Abgesehen von den Teams gibt es noch zwei weitere entscheidende Kriterien. Die MotoGP vergleicht sich gerne mit der Formel 1, doch während die Königsklasse auf vier Rädern neue Märkte in Asien erobert hat, hat die Motorrad-WM diesen Schritt in neue Länder noch nicht vollzogen. Dazu kommt die große Frage was nach der Rossi-Ära passieren wird. Unbestritten hat der Italiener im vergangenen Jahrzehnt der MotoGP weltweit einen Bekanntheitsschub beschert. Auf jeder Rennstrecke rund um den Globus schwenken Fans Valentino Rossi Fahnen mit der berühmten Startnummer 46.

Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta ist sich des Rossi-Faktors durchaus bewusst, „aber ich habe keine Möglichkeit, ihn zu messen“, wird der Spanier von der ‚Marca‘ zitiert. „Valentino war – und ich hoffe er wird es auch bleiben – ein wichtiger Teil für den Erfolg des Motorradsports. Abgesehen davon, dass er ein außergewöhnlicher Fahrer ist, ist er ein interessanter Kerl und sehr lustig. Interessant ist aber, dass andere Fahrer versuchen so gut wie er, oder noch besser zu sein. Ich glaube, der Sport hat einen Schritt vorwärts gemacht, der vorher nicht vorhanden war.“

Unter den Fahrern, die Rossi in den vergangenen Jahren Paroli geboten haben, waren Casey Stoner und Jorge Lorenzo. Aber auch ein Marc Marquez hat in den kleinen Klassen ähnlich dominante Erfolge gefeiert, wie einst Rossi selbst Ende der Neunzigerjahre. Die Jugend drängt nach, nimmt sich ein Beispiel am großen Meister und will ihn auch vom Thron stoßen. Speziell Italien und Spanien haben in den vergangenen Jahren den Sport dominiert. Stoner und Stefan Bradl zählen zu den wenigen Piloten, die die Serie der Spanier und Italiener durchbrochen haben.

Spanien wird Rennen verlieren

In Spanien finden derzeit vier Grands Prix statt. Aragon ist durch die nicht fertiggestellte Rennstrecke in Ungarn im Vorjahr in den Kalender gerutscht. Beim Saisonfinale 2011 in Valencia waren deutlich weniger Zuschauer als gewohnt vor Ort. Bei vier Rennen pro Jahr müssen sich die Fans entscheiden wohin sie fahren. Bei den unter 30-Jährigen herrscht in Spanien eine der höchsten Arbeitslosenraten der gesamten EU. Das Geld ist knapp. Wenn sich der Rennkalender in naher Zukunft verändern wird, werden zuerst auf der iberischen Halbinsel Rennen gestrichen.

„In Zukunft wird es weniger Rennen in Spanien geben. Es werden nur drei sein“, sagt Ezpeleta. In den letzten Wochen kamen Gerüchte auf, wonach Jerez als erstes über die Klippe springen wird. „Nein. Jerez ist nächstes Jahr garantiert dabei“, stellt Ezpeleta klar. „Wir müssen abwarten, was wir für die Zukunft aufbauen können. Das Problem ist 2013.“ Und in erster Linie ist die Finanzierung das Problem. Jerez ist eine der Strecken im Kalender, wo Tausende Fans die Tribünen in einen Hexenkessel verwandeln. Kann es sich die MotoGP leisten, einen beliebten Kurs mit einzigartiger Stimmung zu verlieren?

Neue Märkte in Argentinen, Indien, Russland

„Nichts ist essentiell. Ich glaube, Jerez wird noch für viele Jahre im Kalender stehen. Es ist für uns ein wichtiges Rennen und sehr wichtig für die Wirtschaft in dieser Region“, meint Ezpeleta. Dennoch werden neue Märkte erschlossen werden. Auf der einen Seite besteht ein langfristiger Vertrag mit Austin in den USA.

Nach dem Hick-Hack um das Formel-1-Rennen wird die Strecke jetzt endlich gebaut. „Ich war im Juli dort“, sagt Ezpeleta. „Die Arbeiten waren weit fortgeschritten. Ich bezweifle, dass die Leute in Amerika Geld ausgegeben haben und plötzlich sagen, dass das Projekt gestorben ist. Es war komisch. Die Logik besagt, dass die Formel 1 und wir dorthin gehen.“

Neben den USA, wo es nach aktuellem Stand mit Laguna Seca, Indianapolis und Austin künftig drei Rennen geben könnte, werden auch andere Märkte ins Visier genommen. „Wir werden 2013 in Texas und Argentinien sein. Das bedeutet, dass wir zwei der aktuellen Rennen verlieren werden“, meint Ezpeleta. „Wir führen Gespräche mit Indien und Brasilien. Es gibt auch Ideen bezüglich Russland.“ Die Superbike-WM wird im kommenden Jahr erstmals in Moskau gastieren und so die Türe zu einem neuen Markt aufstoßen.

Text von Gerald Dirnbeck

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