Valentino Rossi, Marc Marquez - © Repsol

© Repsol – Hat Marc Marquez seit Assen auf Revanche gebrannt?

Auch kurz vor dem MotoGP-Finale in Valencia reißen die Diskussionen um den Unfall zwischen Marc Marquez und Valentino Rossi beim Großen Preis von Malaysia 2015 in Sepang nicht ab.

Selbst in Spanien, dem Heimatland von Marc Marquez und Jorge Lorenzo, sind die Lager stark gespalten. Alfonso Gonzales Nieto, der Neffe von Angel Nieto, der zwischen 1997 und 2011 in der 125er-, der 250er-Klasse, der Moto2 und der Superbike-WM selbst Rennen gefahren ist, stellt sich gegen seinen Landsmann.

In einem Interview mit dem spanischen Fernsehsender ‚Mega Television‘ klagt er Marc Marquez an: „Beide Hondas hatten eine bessere Pace und Marquez kämpft um Platz vier mit Rossi, acht bis zehn Sekunden von der Spitze weg. Das ist nicht logisch!“ Zwar muss hier korrigierend eingefügt werden, dass der Kampf um den dritten Platz ging, doch die Message ist klar: Marquez hatte siegfähiges Material, habe sich aber dazu entschieden, Rossi absichtlich einzubremsen. Genau das hatte der Italiener Marquez am Donnerstag vor dem Rennen offen vorgeworfen.

Nieto wirft den Blick auf das Gesamtbild: „Alles hat in Argentinien begonnen. Dort hat Marquez das Rennen gegen Rossi verloren. In Assen hat Valentino wieder gewonnen, nachdem sie sich berührt hatten. Das hat Marquez wahnsinnig werden lassen.“ Im Laufe seiner Karriere konnte sich der Honda-Pilot mit äußerst aggressiven Manövern immer durchsetzen, sogar gegen Rossi und Lorenzo in der MotoGP. Nun scheiterte er zweimal in einer Saison – eine neue Erfahrung für ihn. „Die Äußerungen Rossis am Donnerstag haben dann die Lunte gezündet“, so Nieto.

Hat Rossi Recht?
„Ich glaube, dass Marquez sich schlecht aufgeführt hat“, schließt der 36-Jährige daraus. „Er hat verlangsamt, um Rossi aus der Weltmeisterschaft zu bugsieren. Der Rennleiter sagt, dass Marquez nicht bestraft werden kann, weil es unmöglich ist. Er hat schließlich keinen berührt. Aber innerhalb der ungeschriebenen Regeln ist es sehr mies, was er getan hat.“ Laut der ungeschriebenen Prinzipien hätte Marquez um den Sieg kämpfen müssen, glaubt Nieto. Stattdessen ließ er Lorenzo durch einen diskussionswürdigen Fahrfehler passieren und legte sich danach mit Rossi an.

„Wir haben in den ersten drei Runden so viele Überholmanöver gesehen, ich weiß gar nicht mehr wie viele“, kommentiert der Spanier die 14 Überholvorgänge zwischen Rossi und Marquez weiter. „So etwas kann in der letzten Runde passieren, aber nicht in der ersten. Man bremst sich gegenseitig aus. Lorenzo und Pedrosa waren innerhalb von drei bis vier Runden enteilt.“ Für Nieto ist klar: Das war pure Absicht. „Er hat Rossi absichtlich ausgebremst.“

„Rossi ist mein Freund, Marquez ist mein Freund und Lorenzo ist mein Freund. Wir kennen uns alle seit unserer Kindheit“, stellt der Vizeweltmeister der 250er-Kategorie von 2002 klar und glaubt zu wissen, wie Marquez tickt. „Er weiß, dass es wahr ist (was Rossi sagt; Anm. d. Red.). Das ist das Problem: Er weiß, dass es wahr ist“, postuliert er.

Nieto sicher: Kein Tritt
Yamaha hatte sich im Anschluss an das Sepang-Rennen über die Öffentlichkeitsarbeit von Honda beschwert, die immer wieder einen Tritt Rossis in den Vordergrund rückten. Auch das kann Nieto verstehen: „Ein Motorrad wiegt inklusive Fahrer 200 Kilogramm. Man müsste stark wie Conan sein, um ein Motorrad nur mit einem Tritt umzuwerfen.“ Dazu gibt er Physik-Unterricht: „Wenn man von rechts gegen ein Motorrad tritt, auf welche Seite fällt es? Natürlich nach links. Auf welche Seite ist Marquez gefallen?“, so seine rhetorische Frage.

Nieto ist sich sicher, dass Marquez gar nicht hätte stürzen müssen. „Als Rossi Marquez nach außen drängt, gibt es einen Moment, in dem sich Marquez auf Valentino legt. Und als er das tut, trifft das auch auf die Vorderradbremse zu.“ So rutschte Marquez übers Vorderrad weg. „Selbst die Hälfte der Spanier sagt, dass es keinen Tritt gegeben hat“, schließt Nieto ab. Das Berufungsgericht sah die Strafe hingegen als gerechtfertigt an: Es lehnte die Berufung Rossis ab.

Text von Heiko Stritzke

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