Valentino Rossi, Jorge Lorenzo - © Yamaha

© Yamaha – Valentino Rossi und Jorge Lorenzo sahen die Zielflagge in Motegi nicht

Beide Yamaha-Fahrer im Kies! So hatten sich Valentino Rossi und Jorge Lorenzo den Großen Preis von Japan 2016 nicht vorgestellt.

Eigentlich wollten die Teamkollegen um den Sieg kämpfen und sich zumindest eine kleine Chance auf den Weltmeistertitel erhalten.

Doch sowohl Rossi als auch Lorenzo sahen die Zielflagge nicht, stattdessen holte Honda-Rivale Marc Marquez auf dem Twin Ring Motegi nicht nur den Sieg, sondern auch den vorzeitigen Titelgewinn in der MotoGP.

„Es ist wirklich seltsam. Am Donnerstag habe ich noch gesagt, es ist unmöglich, hier die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Es war für mich unvorstellbar, dass beide einen Fehler machen würden“, gesteht Marquez, der von seinem Triumph selbst am meisten überrascht war. Während die Konkurrenz nicht nur strauchelte, sondern das erste Mal seit langem einen Totalausfall zu verkraften hatte, fuhr er 21 von 24 Rennrunden ein weitgehend einsames Rennen an der Spitze.

Welche Dramen sich hinter ihm abspielten, bekam der Spanier nur über die Pitwall mit. Das gleich beide Verfolger im Kampf um den Anschluss im Kiesbett landeten, kann er sich nicht wirklich erklären, mutmaßt jedoch: „Valentino hat vielleicht versucht, mich einzuholen. Ich denke trotzdem, es war die richtige Strategie. Er wollte sich eine Chance erhalten – wie ich im vergangenen Jahr. Und um den WM-Titel zu kämpfen, musst du Rennen gewinnen. Er war am Limit, um mich einzuholen, und am Ende war es zu viel.“

Valentino Rossi: „Ich habe in dieser Kurve nichts gespürt“
Rossi, der bereits in der Anfangsphase stürzte und das Rennen nicht wieder aufnehmen konnte, bedauert, dass er seine spektakuläre Pole-Position nicht nutzen konnte: „Es ist schade, weil ich stark war und eine gute Pace gefahren bin. Leider war mein Start nicht fantastisch und ich verlor meine Position an Marquez und Lorenzo. Marquez war etwas schneller als ich und überholte Lorenzo. Hinter ihm verlor ich etwas Zeit, aber die Pace war gut. Ich konnte pushen und versuchen, Marquez einzuholen.“

Dann sei ihm plötzlich das Vorderrad weggerutscht, und das ohne jede Vorwarnung. „Ich habe ehrlich gesagt in dieser Kurve nichts gespürt, ich bin nicht zu weit von der Linie abgekommen, aber das Vorderrad klappte ein. Logischerweise habe ich einen Fehler gemacht“, gibt der Italiener zu. Rein körperlich sei er okay, aber die Enttäuschung sitzt natürlich tief. Nicht nur, weil die WM entschieden ist, sondern auch eine wirklich gute Chance auf ein Podium oder gar den Sieg dahin.

Das gilt nicht minder für Lorenzo, der das Rennen nach dem Start sogar für einige Runden angeführt hatte, ehe er von Marquez eingeholt wurde. Danach lag der Yamaha-Fahrer aussichtsreich auf Platz zwei. Auch wenn Andrea Dovizioso (Ducati) von hinten nahte, wäre ein Podium drin gewesen. Doch vier Runden vor Rennende war Schluss. Lorenzo weiß: „Ich bin sehr enttäuscht, weil ich einen Fehler gemacht habe. Ich pushte zu viel, als das Motorrad nicht gut mit den Reifen gearbeitet hat.“

Jorge Lorenzo ärgert sich über Fehlentscheidung bei Reifen
Lorenzo hatte sich wie die Mehrheit des Fahrerfeldes vorn für den Medium-Reifen und hinten für die weiche Mischung entschieden – aus seiner Sicht rückblickend die falsche Wahl: „In Aragon traf ich eine gute Reifenentscheidung, aber diesmal war es das Gegenteil. Ich entschied mich für den falschen Vorderreifen. Mit dem weichen hätte ich ein besseres Rennen fahren können, glaube ich. In den ersten Runden vibrierte der Vorderreifen und drohte wegzurutschen. Ich hatte kein gutes Gefühl.“

Deshalb habe er die Pace von Marquez nicht halten können. Als dann Dovizioso von hinten drückte, versuchte Lorenzo, gegenzuhalten – mit Folgen. „Der Vorderreifen gab keine Unterstützung und vermittelte kein Feedback. Ich stürzte. Schade, weil ich heute mit dem richtigen Vorderreifen das Potenzial gehabt hätte, um den Sieg zu kämpfen“, ist der 29-Jährige sicher und trauert der Chance nach, im Kampf um die Vize-Weltmeisterschaft Punkte auf Rossi gutmachen zu können. Beide trennen derzeit 14 Zähler.

Ducati-Pilot Dovizioso, der hinter Motegi-Sieger Marquez als Zweiter ins Ziel kam, kennt die Reifenproblematik, die sich seit der Rückkehr zu Michelin auf die Front konzentriert. „Es ist in jedem Rennen eine ähnliche Situation. Wir haben am Hinterreifen viel Grip, weshalb wir sehr schnell fahren können. Gleichzeitig ist es schwierig, den Grip des Vorderreifens zu managen. Mit dieser Reifencharakteristik auf einer Strecke wie Motegi kann es leicht passieren, dass man den optimalen Bremspunkt nicht ganz trifft“, erklärt er.

Ein paar km/h zu viel machten da schon viel aus – erst recht auf einem Kurs wie Motegi, der die Bremsen ohnehin stark beansprucht. Auch die weiße Linie sollte man mit den Michelin-Reifen besser nicht berühren, sagt Dovizioso: „Ich glaube, dass Lorenzo das passiert ist und er deswegen gestürzt ist. Das ist in diesem Jahr schon oft passiert. Valentino und Jorge haben keine groben Fehler gemacht, aber der Grat ist sehr schmal, wenn man über das Limit geht.“ In Motegi wurde er Yamaha zum Verhängnis.

Text von Juliane Ziegengeist

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