Jonas Folger - © IntactGP

© IntactGP – Neuzugang Jonas Folger schwärmt vom Start bei IntactGP

Zwei Rennsiege gelangen Jonas Folger in der Saison 2015 in der Moto2 für das spanische AGR-Team.

Der 22-Jährige siegte in Katar und in Jerez, musste dann aber eine lange Durststrecke überstehen, ehe er im Oktober in Japan wieder auf dem Podest stand. Die fehlende Konstanz und wechselhafte Ergebnisse waren für den Bayern mit ausschlaggebend, weshalb er sich für einen Teamwechsel entschied.

In der neuen Saison fährt Folger für die IntactGP-Mannschaft aus Memmingen und bildet mit Sandro Cortese das deutsche „Dream-Team“ in der Moto2. Die bisherigen Tests verliefen vielversprechend, vergangene Woche absolvierte er in Jerez 155 Runden und war schnellster Deutscher. Im Interview mit ‚Motorsport-Total.com‘ erzählt er, wie es zu dem Wechsel kam, weshalb bislang alles optimal läuft und worauf er sich im Teamduell gegen Sandro Cortese einstellt.

Frage: „Wie war dein Start im neuen Team?“
Jonas Folger: „Super, ich kann mich nicht beschweren. Es war ein Wunsch von mir, in diesem Team zu fahren und jetzt bin ich super glücklich, dass alles so geklappt hat. Die Tests laufen auch gut – wir haben schon einiges geschafft.“

Frage: „Was ist denn die größte Herausforderung bei einem Teamwechsel?“
Folger: „Man muss sich schnell einleben. Das hat aber gleich geklappt, weil hier alle ganz easy sind und wir uns super verstehen. Zu meinem Chefmechaniker Patrick Mellauner habe ich auch gleich einen guten Draht gefunden. Wir haben keine Verständigungsprobleme und es läuft einfach. Ich bin jetzt schon für einige Teams gefahren, aber so wohl wie hier habe ich mich bis jetzt noch nirgends gefühlt.“

Frage: „Was war denn ausschlaggebend für den Wechsel? Mit dem spanischen AGR-Team hast du vergangenes Jahr immerhin zwei Rennen gewonnen…“
Folger: „Ich bin jetzt zwei Jahre für AGR gefahren. Wir haben gewonnen, aber es waren auch einige ziemlich schwache Rennen dabei – die Konstanz hat gefehlt. Ich wollte einfach wissen, was noch möglich ist, wenn ich in einem anderen Team fahre, in dem ich mich vielleicht noch besser fühle und noch mehr Unterstützung bekomme.“

Frage: „Welche Rolle spielt die Sprache?“
Folger: „Eine große. Hier kann ich mich einfach auf meine Art und Weise verständigen. Ich war bisher noch nie in einem deutschen Team. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Mein Chefmechaniker ist Südtiroler, er versteht mich auch, wenn ich Bairisch mit ihm spreche (lacht; Anm. d. Red.). Es geht dann zackig, weil ich genau beschreiben kann, was ich brauche und was ich fühle. Er kapiert einfach, was ich meine und kann darauf reagieren und mir helfen.“


Umstellung auf Öhlins-Federelemente erfolgreich abgeschlossen

Frage: „Du bist zweifacher Rennsieger in der Moto2, das Team wartet noch auf den ersten Sieg. War es eine Motivation für dich beim Wechsel, mit IntactGP den ersten Sieg zu feiern?“
Folger: „Ja, auf alle Fälle! Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man mit einem Team den ersten Sieg feiern kann. Das habe ich vergangenes Jahr ja erleben dürfen. Das ist dann wie ein doppelter Sieg. Das ist schon eine zusätzliche Motivation für mich.“

Frage: „Wie groß war die Umstellung auf technischer Seite?“
Folger: „Da ändert sich nicht so viel, das Material ist nahezu gleich. Die Arbeitsweise ist aber ganz anders. Hier geht einfach viel mehr vorwärts. Es gibt eine klare Linie und jeder weiß, was er zu tun hat. Das ist ganz wichtig, damit wir in kurzer Zeit ziemlich viele Schritte in die richtige Richtung machen. Für den ersten Test des Jahres in Jerez hatten wir beispielsweise einen Zweitages-Plan, kamen aber wegen des Wetters nur einen Tag zum Fahren. Trotzdem haben wir unser komplettes Programm geschafft.“

Frage: „Einen Unterschied gibt es bei den Federelementen. Du bist WP gefahren und hast nun bei IntactGP Öhlins. Wie bist du den Wechsel angegangen?“
Folger: „Öhlins und WP sind beides top Fahrwerke, man kann mit beiden gewinnen. Ich sehe da kein Problem, ich habe sogar das Gefühl, dass Öhlins jetzt noch mehr arbeitet als die Jahre davor, weil die Konkurrenz so stark ist. Wir testen gerade ziemlich viele neue Teile von ihnen.“

Frage: „Wie spürst du als Fahrer den Unterschied?“
Folger: „Das Gefühl ist schon komplett anders. Stell dir vor, du machst in ein Auto neue Stoßdämpfer rein, dann merkst du das auch sofort. Am Anfang ist es komisch, aber dann gewöhnt man sich schnell daran. Jetzt ist die Umstellung abgeschlossen. Das Potenzial bei Öhlins ist mindestens genauso gut, wenn nicht besser.“

Frage: „Über das Ziel erster Sieg fürs Team haben wir schon gesprochen. Was hast du dir sonst noch vorgenommen?“
Folger: „Konstanter zu werden. Das war schon immer ein bisschen ein Manko von mir. Ich hatte mal gute Rennen, mal weniger gute. Ich will es endlich mal schaffen, konstant ganz vorne dabei zu sein. Ein wichtiger Schlüssel dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Team – und die ist optimal momentan. Wir finden superschnell Lösungen, wenn irgendwas nicht passt, und das spielt auch eine große Rolle in Sachen Konstanz.“

Vorfreude aufs Teamduell: „Werden es uns nicht leicht machen“
Frage: „Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Teamkollegen?“
Folger: „Die spielt keine so große Rolle dafür. Jeder Fahrer macht sein eigenes Ding und hat seine eigene Crew, seinen Chefmechaniker und seine Techniker, mit denen er zusammenarbeitet. Klar gibt es immer wieder Trainings, in denen der eine Fahrer schneller ist, dann kann man mal die Daten vergleichen und schauen, was macht er in der einen Kurve besser. Das war’s aber schon.“

Frage: „Sandro ist im vierten Jahr im Team, ist natürlich ein wenig der ‚Platzhirsch‘, du kommst neu dazu. Wie groß wird der Konkurrenzkampf zwischen euch?“
Folger: „Groß. Sandro hatte das Team jetzt drei Jahre für sich alleine und nun bin ich da. Ich merke schon, wie Sandro jetzt noch mehr Gas gibt und richtig beißt. Aber mich spornt das genauso an und das wird für beide Seiten sicher nicht einfach.“

Frage: „Du kennst ihn natürlich auf der Strecke. Wenn du euch vergleichst, wo siehst du Vor- und Nachteile für den jeweils anderen?“
Folger: „Ich bin gut auf der Bremse und im Zweikampf und habe meistens starke erste Runden im Rennen. Sandro ist manchmal einfach unfassbar schnell auf einer Runde, wo ich mir denke, wie hat er das jetzt gemacht. Ansonsten haben wir völlig unterschiedliche Fahrstile, was es natürlich schwerer macht, die Daten zu vergleichen. Insgesamt sind wir ziemlich auf einem Level und werden es uns mit Sicherheit nicht leicht machen.“

Frage: „Verrate uns noch ein wenig über dein Winterprogramm. Worauf hast du in Sachen Fitness und Vorbereitung besonderes Augenmerk gelegt?“
Folger: „Ich habe mich darauf konzentriert, soviel wie möglich auf dem Motorrad zu sein. Pro Tag war ich schon drei bis vier Stunden auf dem Bike. Der Rest ist dann Ausdauer und Krafttraining. Jeder muss da seinen Weg finden, es gibt nicht den einen Weg für einen Motorrad-Rennfahrer.“

Text von Daniel Halder

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