Jorge Lorenzo © Yamaha

© Yamaha – Sechs Siege und zehn zweite Plätze sicherten Jorge Lorenzo den WM-Titel

(Motorsport-Total.com) – Jorge Lorenzo hat es in Australien geschafft. Mit einem zweiten Platz machte der Spanier seinen zweiten WM-Titel klar. Sein einziger WM-Gegner stürzte schon in der zweiten Runde.

Nach dem Aus von Dani Pedrosa musste Lorenzo seine Yamaha nur noch ins Ziel bringen. „Ich fühlte mich zuversichtlich, denn heute war es mein Plan hinter Casey Zweiter zu werden, denn er fuhr auf einem anderen Planeten. Deshalb dachte ich, dass heute eine gute Chance besteht Weltmeister zu werden“, schildert Lorenzo seine Gedanken.

„Ich musste aber kämpfen und sehr schnell und konstant fahren. Mir war klar, dass Dani viel riskieren würde. Beim Start ging ich in Führung, aber dann überholte mich Dani. Zunächst dachte ich, dass es Casey sei. Dann überholte mich auch Casey. Als ich hinter Dani war, bremste er zu tief in die Kurve. Es war sein Fehler. Dann war es für mich einfach. Ein Teil von mir wollte auf Sicherheit spielen, der andere wollte Casey einholen, oder es zumindest versuchen. Er war aber sehr schnell, also musste ich Zweiter werden. Das ist aber nicht schlecht, denn ich bin jetzt zum zweiten Mal Weltmeister.“

Ausfallen durfte Lorenzo nicht, denn dann wäre die Entscheidung vertagt gewesen. Es waren lange 27 Runden, doch an den Titel dachte der 25-Jährige lange nicht. „Ich war so konzentriert darauf Casey zu folgen und Cal auf Distanz zu halten, dass ich bis zur letzten Runde nicht an die WM gedacht habe. Erst in der letzten Runde schwirrte es mir im Kopf herum, aber ich musste mich konzentrieren, denn auf dieser Strecke darf man nicht abgelenkt sein. Es war ein tolles Gefühl. Dieses Jahr war sehr hart. Ich musste sehr konzentriert sein.“

Vor einem Jahr konnte Lorenzo das Rennen auf Phillip Island gar nicht in Angriff nehmen, denn im Warmup verletzte er sich bei einem Sturz einen Finger. Zwölf Monate später ist er an gleicher Stelle Weltmeister. „Im Vorjahr war es hier einer meiner schlimmsten Momente meiner Karriere. Sicherlich der Angst einflößendste“, erinnert sich Lorenzo zurück. „Ein Jahr später kann ich hier meinen zweiten WM-Titel in der MotoGP feiern. In diesem Jahr war es schwieriger als beim ersten Versuch 2010.“

„Meine Konkurrenten waren diesmal stärker und konstanter. Es war nicht einfach. Ich musste schnell und konstant sein, Risiken eingehen, aber dabei keine Fehler machen. Yamaha hat mir ein viel besseres Motorrad als im Vorjahr zur Verfügung gestellt. Aus diesem Grund waren wir 2012 die Besten und müssen jetzt feiern.“ Ein weiterer Faktor war seine unglaubliche Konstanz. Er kam immer als Erster oder Zweiter ins Ziel. Viel besser geht es kaum. Diese Konstanz ist eine Errungenschaft der vergangenen Jahre.

Konstanz ein entscheidender Faktor

„Ich war nicht immer ein konstanter Fahrer. Als ich in die MotoGP gekommen bin, war ich schnell, aber ich kannte meine Limits nicht. Damit konnte ich nicht Weltmeister werden, aber das war ja mein Ziel. Ich musste aus den Fehlern lernen und meine Limits finden. Ich durfte die Limits nicht überschreiten. Ich habe mich Jahr für Jahr gesteigert. Natürlich kann ich in Zukunft stürzen und mich verletzen. Aus diesem Grund bin ich sehr stolz auf meine Entwicklung.“ Speziell in seinem ersten MotoGP-Jahr stürzte Lorenzo oft und zog sich auch Verletzungen zu.

Zudem gab es an seiner Yamaha auch kaum Probleme. „Mein Team hat gut gearbeitet und das Motorrad hatte keine Defekte. Auch aus diesem Grund sind wir Weltmeister.“ Trotzdem ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Lorenzo will das Level noch höher hinaufschrauben. „Wenn man denkt, dass man sich nicht mehr verbessern kann, dann hat man schon verloren. Früher oder später wird jemand kommen und einen überholen. Man muss immer alles analysieren und sehen, wo man sich verbessern kann.“

Verbesserungen wünscht sich der Mallorquiner auch an seiner M1. „Wenn ich mir etwas aussuchen dürfte, dann wäre es eine etwas bessere Beschleunigung und ein besseres Getriebe. In manchen Passagen dreht der Hinterreifen auch zu stark durch, speziell wenn der Reifen nachlässt.“ Das Motorenkontingent war seit Assen ein Diskussionspunkt, denn nach dem Rammstoß von Alvaro Bautista war ein neues Triebwerk zerplatzt. Deshalb musste Lorenzo seine restlichen Motoren schonen „Auf manchen Strecken haben wir etwas Drehzahl verloren, aber es war bei der Power und der Performance kein großer Unterschied.“

Assen bezeichnet er auch als Tiefpunkt der Saison. „Das war ein sehr schlechter Moment. Man macht alles perfekt, aber manchmal kann man nicht alles kontrollieren. Manchmal hat man die besten Möglichkeiten und kann gewinnen, manchmal hat man das aber nicht zur Verfügung. Es gibt Fahrer, die dann weit zurückliegen. Das hat man bei Valentino in den vergangenen beiden Jahren gesehen. Es liegt zwar am Fahrer, aber auch das Motorrad ist wichtig.“

Spannende Zukunft
Der Blick ist nun in die Zukunft gerichtet. Im kommenden Jahr ist wieder Valentino Rossi sein Teamkollege. Lorenzo macht sich darüber aber keine Gedanken. „Ich weiß nicht, wer im nächsten Jahr der schnellere und konstantere Fahrer sein wird. Vielleicht ist es Valentino, vielleicht Dani, aber vielleicht ist es auch wer anderer. Ich versuche im nächsten Jahr noch besser zu sein und ich bin mir sicher, dass Yamaha alles unternehmen wird, damit ich ein noch besseres Motorrad habe.“

„Als er (Rossi; Anm. d. Red.) zuletzt mein Teamkollege war, bin ich stark gefahren und er hat viele Fehler gemacht und sich auch verletzt. Damals hatte ich einen Gegner weniger, aber dann musste ich gegen Dani kämpfen. Er war sehr konstant, aber dann hat er sich in Japan auch verletzt. 2010 war es einfacher als diesmal.“ Aber nicht nur Rossi wird wieder ein konkurrenzfähiges Motorrad haben, sondern mit Marc Marquez kommt ein neuer Konkurrent hinzu.

„Marquez ist ein sehr talentierter Fahrer und er kann von Beginn an um die Pole-Position und um Siege kämpfen, denn er hat das richtige Motorrad“, rechnet Lorenzo. „Valentino wird auch konkurrenzfähig sein. Ihm gefällt der Stil der Yamaha besser, weil er ein ruhiger Fahrer wie ich ist. Im Moment scheint Honda das bessere Paket zu haben, aber ich bin mir sicher, dass Honda alles tun wird, damit wir ein noch besseres Motorrad haben.“

Casey Stoner verabschiedet sich dagegen in den Ruhestand. Lorenzo will noch einige Jahre in der MotoGP bleiben. „Ich glaube nicht, dass ich noch mit 40 fahren werde, aber ich möchte länger als Casey fahren“, meint er. Zumindest in den nächsten beiden Jahren steht der Spanier noch bei Yamaha unter Vertrag. In den Jahren 2006 und 2007 war Lorenzo Weltmeister der 250er-Klasse. Jeder seiner vier Titel ist etwas Spezielles. „Es ist schwierig einen davon auszuwählen. Die Titel in der 250er-Klasse waren die ersten meiner Karriere.“

„Der erste MotoGP-Titel war sehr emotional und dieser Titel war es auch, weil es sehr hart war. Ich war sehr auf das Resultat konzentriert und mir ist jetzt viel Druck von den Schultern gefallen. Ich freue mich auf den Abend (lacht; Anm. d. Red.). Wir werden uns antrinken. Ich will nicht betrunken sein, weil ich ein professioneller Sportler bin, aber heute werden wir so feiern, als wäre es die letzte Nacht des Lebens.“

Text von Gerald Dirnbeck

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