Marc Marquez, Jorge Lorenzo © Repsol

© Repsol – Marc Marquez bezwang Jorge Lorenzo auch beim Rennen in Sepang

Der Große Preis von Malaysia in Sepang wird rückblickend vielleicht als das Rennen in die Geschichte der Saison 2013 eingehen, bei dem im Kampf um den Weltmeistertitel der MotoGP die Vorentscheidung fiel.

Während Dani Pedrosa an der Spitze relativ ungefährdet zum Sieg fuhr, kam es hinter ihm zum Duell der beiden WM-Rivalen Marc Marquez und Jorge Lorenzo. Dabei behielt wieder einmal der 20-Jährige Rookie die Oberhand über den amtierenden Weltmeister und kann sich nun schon in sieben Tagen auf Phillip Island zum neuen Champion der MotoGP krönen.

In der Anfangsphase des Rennens elektrisierte der Zweikampf um Position zwei nicht nur die 84.250 Zuschauer an der Strecke und vor den Bildschirmen, sondern auch die Beteiligten selbst. „Es war ein großartiger Kampf. Ich habe mein Bestes gegeben und konnte nur versuchen, ihn in einen Fehler zu treiben. Das habe ich bei jeder Gelegenheit versucht“, blickt Lorenzo zurück, und auch Marquez meint „Es war ein schöner Kampf mit Jorge, den ich sehr genossen habe.“

Mehrmals wechselten Lorenzo und Marquez die Positionen, bevor es in der achten von 20 Runden zum Showdown in Kurve 14 kam. Lorenzo wollte innen an Marquez vorbeigehen, doch der Honda-Pilot konterte, drängte seinen Landsmann auf den Randstein und zog vorbei. „Bis zum letzten Überholmanöver von Marc lief der Kampf wirklich sauber und ohne Berührung ab“, blickt Lorenzo auf das Duell zurück. „In dieser Kurve hat er mich zwar nicht berührt, aber er ließ mir kaum Platz. Daher musste ich das Gas zumachen, um nicht in die Luft zu gehen.“

Faires Duell der beiden Spanier
Unfair sei die Attacke von Marquez jedoch nicht gewesen. „Es war aber ein mehr oder weniger normales Überholmanöver“, findet der (noch) amtierende Weltmeister. „Ich spürte eine leichten Kontakt“, gibt Marquez zu. „Aber das ist Rennsport“, meint der Rookie, der wegen seiner kompromisslosen Fahrweise in dieser Saison mehrfach kritisiert wurde. „Er hat mich innen überholt, ich machte einen Fehler und wir berührten uns. Das war sehr aufregend.“

Danach war die Entscheidung über die Podestplätze gefallen, denn Marquez gelang es nicht mehr, Spitzenreiter Pedrosa einzuholen. „Nachdem ich Jorge überholt hatte, versuchte ich den Abstand zu Dani zu verkürzen, aber das wäre zu riskant gewesen. Ich habe es drei, vier Runden lang versucht, aber der Abstand hat sich kaum verändert“, so der 20-Jährige. Daher wich Marquez erstmals in dieser Saison von seiner aggressiven Herangehensweise ab und konzentrierte sich darauf, das Ergebnis nach Hause zu fahren.

„In dieser Situation habe ich auch an die Meisterschaft gedacht und wollte die 20 Punkte mitnehmen. Das Ziel an diesem Wochenende war vor Jorge zu landen. Das ist uns gelungen“, sagt Marquez. „Ich habe den Vorsprung in der Meisterschaft um vier Punkte ausgebaut, das war das Wichtigste.“ Lorenzo hingegen hatte das Gefühl, im Duell mit dem Honda-Piloten mit stumpfen Waffen zu kämpfen. „Ich hätte gerne mit einer besseren Bremse gekämpft, denn beim Bremsen hatten wir große Probleme. Daher war es unmöglich, mit diesen Jungs zu kämpfen, wir können sie nur bei Richtungswechseln überholen oder wenn sie zu spät bremsen.“

Yamaha kommt in der Hitze ins Schwitzen
Wie so oft in dieser Saison zeigte sich auch in Malaysia bei Temperaturen von über 30 Grad, dass die Yamaha unter der Hitze mehr leidet als die Honda. „Wie in Jerez und bei anderen Rennen hatten wir sehr zu kämpfen, wenn der Asphalt warm ist. Heute war er sehr warm, wärmer als am gesamten Wochenende. Wenn der Hinterreifen nachlässt, bekommen wir Probleme beim Bremsen, weil das Motorrad nicht anhalten will. Daher müssen wir mehr Druck aufs Vorderrad machen“, beschreibt Lorenzo die Probleme.

Doch nicht nur auf der Bremse verlor der 26-Jährige Boden auf seine Rivalen. „Auch beim Beschleunigen verlieren wir, weil das Motorrad pumpt. Im Vergleich zu anderen Strecken hatten wir heute also zwei Problemzonen. Heute waren sie (die Honda-Fahrer) viel schneller. Er (Marquez) war stark bleib konzentriert und hat den zweiten Platz verdient“, sagt Lorenzo, der sich daraufhin mit dem Machbaren zufrieden geben musste: „Mehr als der dritte Platz war nicht möglich. Dritter ist eine gute Position, aber natürlich wären wir gerne vor ihm ins Ziel gekommen.“

Drei Rennen vor Saisonende ist in der Gesamtwertung der Vorsprung von Marquez auf Lorenzo weiter angewachsen. 43 Punkte liegt der Honda-Pilot nun vor seinem Yamaha-Rivalen. Damit würde Marquez beim Großen Preis von Australien am kommenden Wochenende schon ein achter Platz ausreichen, um sich als erster Rookie seit Kenny Roberts im Jahr 1978 in der größten Klasse der Motorrad-WM den Titel zu sicher.

WM-Entscheidung nur eine Frage der Zeit

Doch daran möchte Marquez noch nicht denken: „Es sind immer noch drei Rennen. Wir müssen mit der gleichen Einstellung weitermachen, denn das funktioniert gut. Phillip Island ist ein neues Rennen, bei dem es wichtig sein wird, Punkte für die Meisterschaft mitzunehmen.“ Bei seinem Rivalen schwindet angesichts des kaum aufzuholenden Rückstands langsam aber sicher der Glaube an die erfolgreiche Titelverteidigung.

„Ich hoffe, dass ich in Phillip Island bei niedrigeren Temperaturen und auf der flüssigeren Strecke um den Sieg kämpfen und den zweiten Platz in der Meisterschaft verteidigen kann. Der erste Platz wird immer schwieriger“, so Lorenzo. „Ich hoffe, dass wir in Phillip Island stärker sind. Das ist die einzige Hoffnung, die uns bleibt. In Japan hoffe ich so dicht wie möglich an ihnen dranzubleiben und mit dem Motorrad, das ich habe, so schnell wie möglich zu sein. Das ist meine einzige Motivation.“

Die flüssigere Strecke mit nur wenigen harten Bremszonen und die in der Regel niedrigeren Temperaturen auf Phillip Island könnten der Yamaha entgegenkommen, doch selbst mit einem Sieg und einem gleichzeitig schwachen Resultat von Marquez würde Lorenzo die Entscheidung wohl nur um sieben Tage bis zum Japan-Grand-Prix hinauszögern. Denn: „In Japan war Honda immer stark, weil es viele Bremspunkte gibt“, sagt Marquez.

Text von Markus Lüttgens

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