Marc Marquez, Valentino Rossi - © Repsol

© Repsol – Professionalität statt Spaß: Die Motorrad-WM hat sich verändert

Die Zeiten, in denen sich Fahrer wie Barry Sheene nach einem Sieg eine Zigarette ansteckten und mit einem Bier auf den Erfolg anstießen, sind lange vorbei. Heute müssen die Piloten topfit sein und sich politisch korrekt verhalten.

Alkohol und Tabak sind tabu. Stattdessen wird in Luxus-Wohnmobilen oder Spitzen-Hotels übernachtet und nach einem strikten Fitness- und Ernährungsplan gelebt.

Die Zeiten, in denen die Fahrer in der Box noch selbst an ihren Maschinen schraubten, sind Geschichte. Heutzutage senden die Hersteller Mannschaften von Ingenieuren für Motoren, Getriebe, Federelemente, Reifen und andere Komponenten um die Welt. In der MotoGP geht es um Geld. Viel Geld. Für Spaß ist da kein Platz.

Diese Entwicklung bedauern die Akteure von damals. Auch Ex-500er-Weltmeister Kevin Schwantz trauert der „guten alten Zeit“ nach: „Der Spaß an der Sache ist vollkommen verloren gegangen. Es ist nur noch Arbeit: die Reiserei, die Tests, die Rennen“, erklärt der US-Amerikaner im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. „Zu unserer Zeit war es so, dass wir nach dem Rennen nicht sofort in den Helikopter gestiegen sind, um nach Hause zu fliegen. Wir hingen zusammen rum. Ich denke, die Kameradschaft war größer. Doch das hatte Vor- und Nachteile.“

Neben der lockeren Atmosphäre vermisst Schwantz das Charisma der damaligen Piloten. Mit Ausnahme von Valentino Rossi fehlt es der MotoGP an Publikumshelden: „Der Sport braucht vermutlich einen richtigen ‚Bad Boy'“, grübelt Schwantz und kritisiert die in der MotoGP vorherrschende Harmonie: „Valentino will der Gute sein, Pedrosa, Lorenzo und Marquez wollen das ebenfalls.“

„Wo ist der Joker von Batman & Robin?“, fragt sich der langjährige Suzuki-Pilot und überlegt, wer diese Rolle am ehesten übernehmen könnte: „Wer weiß, vielleicht übernimmt einer der Briten in dieser Saison diese Rolle – vielleicht Cal Crutchlow oder Scott Redding. Vielleicht übernimmt auch Jack Miller diese Rolle. Oder einer der Suzuki-Piloten. Das wäre toll.“

Ex-Racer Carl Fogarty bemerkte vor einigen Wochen, dass der Superbike-WM ebenfalls ein großer Charakterkopf fehlt. Das Geschehen in der Serie verfolgt Schwantz nur nebenbei: „Ich habe nur die Ergebnisse gesehen. Beim Blick auf das Ergebnis der Superpole habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Superbike-WM die am härtesten umkämpfte Klasse ist“, schildert der US-Amerikaner.

Schwantz begeistert sich vorrangig für die Grand-Prix-Klassen: „Ich liebe die Moto2 und die Moto3. Es ist toll, wenn die jungen Fahrer gegeneinander kämpfen. Ich bin gespannt, was Alex Marquez in der Moto2 anstellen und wer in der Moto3 das Tempo vorgeben wird“, berichtet der Publikumsliebling der frühen 1990er.

In der MotoGP läuft alles auf ein erneutes Duell der Werkspiloten von Honda und Yamaha hinaus. „Ich hoffe, dass Yamaha in der MotoGP Fortschritte erzielen konnte. Ich drücke auch Suzuki und Aprilia sowie den neuen Piloten die Daumen. Es gibt einige Fahrer, die noch nicht viel Erfahrung haben. Vielleicht kann einer dieser Rookies glänzen und für Überraschungen sorgen. Ich denke, alle Serien bieten momentan spannenden Sport“, so Schwantz.

Text von Gerald Dirnbeck & Sebastian Fränzschky

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