© KTM/H. Mitterbauer - In Mattighofen sieht es derzeit nicht nach einem Comeback in der Motorrad-WM aus

Alles schien bereits fix: Nach dem Rückzug von KTM aus der Motorrad-WM im Jahr 2009 war das Comeback 2012 längst beschlossene Sache. Die österreichische Motorrad-Schmiede hatte angekündigt, dem Ajo-Team in der neu gegründeten Moto3-Klasse komplette Motorräder zu liefern und Kalex mit den neuen 125ccm-Motoren auszurüsten.

Jetzt droht das Comeback der Mattighofener aber doch noch zu platzen. „Wir sind ziemlich enttäuscht von der Vorgehensweise der Dorna, was das Reglement angeht, und haben ihnen jetzt gesagt, dass wir unter diesen Umständen nächstes Jahr nicht dabei sein werden“, lässt KTM-Sportdirektor Heinz Kinigadner gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘ die Bombe platzen. „Wir möchten nun noch ein Jahr zuwarten, starten beim Rookies Cup mit unseren Viertakt-Motorrädern und sammeln dort unsere Erfahrung. So steigen wir erst 2013 in die Moto3 ein.“

Tuningkit als Zankapfel

Doch was ist der Grund für den abrupten Rückzieher von KTM? Warum ist man in Oberösterreich verschnupft? Kinigadner schildert die Ursachen: „Es gibt immer noch kein fertiges Reglement. Wir haben schriftlich ein fertiges Reglement angefordert, weil wir das ja auch übersetzen müssen, damit unsere Techniker arbeiten können. Jetzt haben sie uns aber wieder geschrieben, dass das derzeitige Reglement noch nicht endgültig ist – es wird noch bis zum Saisonstart weitere Änderungen geben. Das ist unseriös. Wir haben kein Interesse, bloß den Klassenclown zu spielen.“

Stein des Anstoßes: Die Dorna hatte in der ursprünglichen Reglementversion für die Moto3-Klasse, die 2012 die 125er-Klasse ersetzen wird, festgelegt, dass Tuningkits verboten sind. Damit wollte man den Sport für Teams und Hersteller günstiger machen. „Jetzt sollen Tuningkits aber doch wieder erlaubt sein“, verweist Kinigadner verwundert auf den letzten Reglemententwurf, den die Dorna nach Mattighofen schickte.

In der Szene wird gemunkelt, dass die Dorna das Reglement nun nachgebessert hat, weil der bereits vorgestellte neue Honda-Motor für die Moto3-Klasse nicht konkurrenzfähig ist. Mit einem nachträglich erlaubten Tuningkit soll das Honda-Aggregat flott gemacht werden. Den Japanern wird ein großer Einfluss auf die Veranstalter der Motorrad-WM nachgesagt – man stellt sechs von 17 Motorrädern in der MotoGP-Klasse und rüstet die komplette Moto2-Klasse mit Einheitsmotoren aus.

Letztes Wort noch nicht gesprochen?

Mit der plötzlichen Kehrtwende in punkto Tuningkits machen die Regelhüter KTM einen Strich durch die Rechnung, wie Kinigadner klarstellt: „Wir haben unsere Entwicklung auf die ursprüngliche Version des Reglements ausgelegt, in der Tuningkits nicht erlaubt waren. Dadurch haben wir wirklich gutes Material verbaut und sind an die Preisobergrenze gegangen. Es gibt ja einen vorgeschriebenen Preis – um darunter zu bleiben, bedarf es Klimmzüge.“

Dazu kommt, dass man durch die langen Vorlauf-Zeiten bei den Zulieferfirmen Gefahr laufen würde, nun Teile zu bestellten, die man aufgrund möglicher weiterer Reglementänderungen gar nicht einsetzen kann. „Seit einem Jahr arbeitet bei uns eine komplette Mannschaft an der Entwicklung dieses Motors. Wir haben sehr viel Geld investiert“, ärgert sich Kinigadner über den Zickzack-Kurs der Dorna. Nun liegt der Ball bei der Dorna. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es doch noch gelingt, KTM umzustimmen.

Text von Sven Haidinger

Motorsport-Total.com
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