© BMW AG - Leon Haslam vertraut in der Superbike-WM derzeit (noch) nicht auf ABS

Im Motorradsport hat in den vergangenen Jahren immer mehr Elektronik Einzug gehalten. Traktionskontrolle, Launchkontrolle, Anti-Wheelie-Kontrolle, verschiedene Motormappings und so weiter werden verwendet. ABS ist derzeit in der WM aber nicht auf der Liste. Trotzdem ist sich Berthold Hauser, der sich bei BMW Motorrad um die Unterstützung diverser Rennaktivitäten kümmert, sicher, dass auch das Antiblockiersystem in Zukunft im Rennsport zu finden sein wird. Speziell im Regen bietet dieses System Vorteile und kann Stürze verhindern.

„Ich bin mir sicher, dass Teams in drei Jahren anfangen werden, ABS bei nassen Bedingungen zu verwenden. ABS ist in der Superbike-WM und der Supersport-WM erlaubt, aber es ist eine Kopfsache“, wird der ehemalige BMW-Rennleiter von ‚Sport Rider‘ zitiert. „Es ist schwierig, den Kopf eines Fahrers und seine lange Lernphase zu ändern. Sie haben Angst, dass ABS etwas Unerwartetes tun könnte. Sie vertrauen dem System nicht. Man kann den Leuten sagen, dass das System besser ist, aber sie müssen es für sich selbst fühlen.“

„Wo kann man das testen? Das Motorrad muss dafür verändert werden und man braucht ein Regenrennen. Die Teams wollen das an einem Rennwochenende aber nicht riskieren. Wenn ein Team ABS im Regen einsetzt und einen klaren Vorteil hat, dann wird die Konkurrenz nachziehen und der Ball kommt ins Rollen.“ BMW verfügt an der S 1000 RR über eine hochgestochene Elektronik. Es wurde bereits ein ABS getestet, das viel weiter entwickelt ist, als jenes der Straßenversion.

„Wir haben es mit professionellen Fahrern auf einer nassen Strecke getestet. Ein Pilot mit ABS war um eine Sekunde schneller als ohne. Das hat ihn überrascht“, streicht Hauser die Vorteile heraus. „Er konnte immer später bremsen, aber das System hat sich noch nicht aktiviert. Wenn er ans Limit gegangen ist, musste er sein Gefühl überwinden und ABS vertrauen, damit er die Bremspunkte hinausschieben konnte.“

In der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) sind die Fahrer oft im Regen mit ABS unterwegs. Anhand dieser Daten hat der deutsche Hersteller das System weiterentwickelt. „Das Problem bei ABS ist, dass es nicht so wie eine Traktionskontrolle funktioniert. Die Fortschritte sind nicht so leicht erkennbar“, meint Hauser. „Die Traktionskontrolle hat sich sehr schnell durchgesetzt, weil sie Highsider minimiert. Das passiert sehr oft, weshalb die Teams sehr schnell die Vorteile erkannt haben.“

„Stürze im Regen sind eher selten, weil es mehr Trocken- als Regenrennen gibt. Die Teams können die Vorteile deshalb nicht so leicht sehen, weshalb die Fortschritte langsamer sind.“ Die Frage bei ABS ist, ob es besser funktioniert als das Gefühl des Fahrers, das er sich über viele Jahre angeeignet hat. „ABS reagiert nicht schneller oder besser als der Fahrer. Es kann ihm aber helfen schneller zu fahren, so wie die Traktionskontrolle.“

„Man kann ein Motorrad nicht wie eine Playstation machen. Der Fahrer muss die Kontrolle behalten, aber man kann ihm Systeme zur Unterstützung geben, damit er mehr am Limit fahren kann. Das System sollte dem Fahrer das Gefühl von normalen Bremsen geben, aber es soll als Sicherheitsnetz fungieren, falls es notwendig ist. Das ist der richtige Weg, den wir verfolgen. Wir entwickeln kein typisches Renn-ABS. Wir versuchen eines zu entwickeln, das nur dann greift, wenn es benötigt wird.“

Diesem Treiben könnte aber ein Riegel vorgeschoben werden, sollten sich die Meisterschaften für eine Einheitselektronik entschließen, ähnlich wie in der Formel 1. „Die britische Meisterschaft denkt über eine Einheits-ECU nach. Ich finde, das ist ein Sicherheitsaspekt“, meint Hauser. „Damit kann man nicht die Systeme wie ABS benutzen, die Teile der Standardelektronik des Motorrades sind.“

„Ein Rennmotorrad, das in der Serie über ABS, Traktionskontrolle und so weiter verfügt, wird das dann nicht im Rennmodell verwenden können. Deshalb versuche ich die Teams dazu zu animieren, dass Sicherheitssysteme, wie ABS, nicht nur für Weicheier sind. Es sind Sicherheitssysteme für alle Fahrer. Es gibt nicht unlimitiert gute Fahrer und wir können es uns nicht erlauben, sie ständig in die Büsche zu werfen.“

Text von Gerald Dirnbeck

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