Jorge Lorenzo, Valentino Rossi - © Yamaha

© Yamaha – Ist Jorge Lorenzo nach seinem fünften Saisonsieg der WM-Favorit?

War der Grand Prix von Tschechien der Wendepunkt im Titelkampf?

Nach elf Rennen zog Jorge Lorenzo mit seinem Yamaha-Teamkollegen Valentino Rossi in der WM-Wertung gleich. Beide halten sieben Grands Prix vor Saisonende bei 211 WM-Punkten.

Da Lorenzo in diesem Jahr schon fünf Siege gefeiert hat und Rossi nur drei, führt der Spanier die Tabelle an. „Es ist kaum zu glauben, dass wir nach elf Rennen die gleiche Punkteanzahl haben“, sagt Rossi nach seinem dritten Platz in Brünn. „Es ist ein großer Kampf.“

In der Pressekonferenz sprachen Bilder mehr als Worte. Lorenzo saß cool und lächelnd in der Mitte, Rossi nachdenklich daneben. „Jorge ist nach der Sommerpause in starker Form. Er ist zwei fantastische Rennen gefahren“, zollt Rossi seinem Gegner Respekt. „Auch in Indy hat er mit Marc bis zur letzten Runde gekämpft. Um gegen ihn um die WM kämpfen zu können und in Valencia eine Chance zu haben, muss ich stärker sein und versuchen, schneller zu werden.“

Zum ersten Mal seit Katar 2013 führt Lorenzo wieder die WM-Wertung an. In dieser Zeitspanne stand er vor allem im Schatten von Honda-Konkurrent Marc Marquez. Nun ist Lorenzo wieder obenauf. „Dieses Rennen war für mich sehr wichtig, weil ich zu einem Zeitpunkt schon 29 Punkte zurückgelegen bin. Schritt für Schritt habe ich mich herangearbeitet und habe vier Rennen in Folge gewonnen“, betont der Spanier seine Form in diesem Jahr.“

Lorenzo stärker als Rossi
Wenn man die bisherige Saison unter die Lupe nimmt, dann wird schnell deutlich, dass Lorenzo der stärkere der beiden Yamaha-Fahrer ist. Rossi schaffte es zwar in jedem Rennen auf das Podium, aber Lorenzo war in Jerez, Le Mans, Mugello und Barcelona unantastbar. Anschließend setzte Bridgestone in Assen, auf dem Sachsenring und in Indianapolis einen Hinterreifen mit einer speziellen hitzeresistenten Konstruktion ein.

Lorenzo konnte mit diesen Reifen noch nie seine Stärke, nämlich den hohen Kurvenspeed, ausspielen. Deswegen konnte er in Assen und auf dem Sachsenring nicht um den Sieg kämpfen, sammelte aber solide Punkte. Durch das Streckenlayout in Indianapolis kamen für ihn diese Nachteile nicht so stark zum Tragen. Bis Saisonende wird Bridgestone diese Reifen nicht mehr einsetzen. Lorenzo könnte die folgenden Rennen ähnlich dominieren wie in Brünn.

Rossi muss mehr Speed finden
Das bereitet Rossi Sorgen: „Der Unterschied zwischen uns liegt beim Speed, vor allem beim Speed am Rennsonntag. Jorge ist für gewöhnlich unter allen Bedingungen stark. Ich denke, dass wir noch arbeiten müssen, damit wir uns in diesem Punkt verbessern und bis zum Ende kämpfen können.“ Der Italiener muss sein Level erhöhen, sonst wird es für ihn schwierig werden, Lorenzo im Titelkampf zu schlagen.

Der Spanier sieht das Duell trotzdem ausgeglichen: „Ich denke, dass wir beim Fahren sehr ähnlich sind. Unsere Rundenzeiten sind sehr ähnlich und wir machen beide kaum Fehler. Vielleicht bremst er etwas härter. Um später bremsen zu können, verwendet er eine andere Abstimmung. Deswegen hat er im Zweikampf Vorteile. Der Unterschied in diesem Jahr ist die unglaubliche Konstanz von Vale. Wenn ich nicht immer auf dem Podium stehe, dann wird es gegen ihn schwierig.“

Marquez gibt WM-Titel noch nicht auf
Aus dem Titelduell kann trotzdem noch ein Dreikampf werden, obwohl Marquez 52 Punkte Rückstand hat. „Ich werde weiterhin Risiko nehmen“, zeigt sich der zweifache MotoGP-Weltmeister angriffslustig. „Brünn war für Honda, unsere Probleme und meinen Fahrstil eine schwierige Strecke. Jetzt kommen Rennen, die besser sein werden. Silverstone wird aber schwierig, denn Jorge ist dort immer sehr stark.“

Marquez holte in Brünn zwar vier Punkte auf Rossi auf, verlor gleichzeitig aber fünf auf Lorenzo. Seine Aufgabe ist nicht einfach: „Ich sehe sie weit vor mir. Es stimmt, dass es sehr schwierig ist, 52 Punkte auf einen Fahrer aufzuholen. Das auf zwei Fahrer aufzuholen, macht es noch schwieriger. Beide haben eine sehr gute Pace, sie sind immer auf dem Podest. Wir geben unser Bestes und versuchen zu verstehen, wo unsere Schwächen sind, damit wir am Motorrad für das nächste Jahr arbeiten können.“

Am Ende wird in diesem Jahr jener Fahrer Weltmeister, der am wenigsten Fehler macht und die konstantesten Topergebnisse abliefert. Viel hängt auch mit den Strecken zusammen. Wo sieht Rossi Vor- oder Nachteile? „Das ist schwierig zu sagen, weil es in jedem Jahr etwas anders ist. Auf dem Papier gibt es mehr Strecken, wo Jorge stärker ist als ich. Es gibt aber auch Strecken, wo wir gleichauf sind. Ich denke aber nicht, dass man so denken darf. Ich muss darüber nachdenken, wie ich in Silverstone schneller bin.“

Silverstone nicht die Paradestrecke für Rossi
„Schritt für Schritt, Wochenende für Wochenende muss man für alle Bedingungen bereit sein. In Silverstone kann es kalt sein und regnen. Dazu ist die Strecke schwierig und sehr lang. Das ist der Weg. Jetzt muss ich an Silverstone denken und danach sehen wir weiter.“ Trotzdem muss Rossi zugeben, dass das nächste Rennen für ihn kein Zuckerschlecken werden wird: „Silverstone ist schwierig. Ich hatte dort in der Vergangenheit immer Mühe. Im Vorjahr war es aber etwas besser. Jorge ist seit dem ersten Jahr dort sehr stark.“

Lorenzo sieht die Situation etwas entspannter und macht sich nur für eine der kommenden Strecken Sorgen: „Vielleicht Misano, weil Vale jede Woche dort fährt. Er kennt dort jeden kleinsten Stein“, fügt er lachend hinzu. Lorenzos Fahrplan für die nächsten sieben Rennen lautet: „Mein Ziel bis Valencia ist es, immer auf dem Podium zu stehen. Wenn es möglich ist, dann muss ich gewinnen und ansonsten Zweiter oder Dritter werden. Auf diese Weise kann ich in Valencia um den WM-Titel kämpfen. Aber wer weiß, vielleicht auch schon vorher.“

Text von Gerald Dirnbeck

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