© Pramac - Die Saison 2011 ist eine der schwierigsten in der langen Karriere des Loris Capirossi

Die Karriere des Loris Capirossi kann sich zweifelsohne sehen lassen: 326 Rennen, drei Titel, 29 Siege – so könnte man die 22 Jahre in der Motorrad-Weltmeisterschaft rational beschreiben. Doch der Italiener hat seinen Fans oft viel mehr gegeben. Stets lächelnd war der 38-Jährige vor Valentino Rossi der große Sympathieträger der Italiener.

Vor dem Heimrennen in Misano verkündete er den erwarteten Rücktritt. Gegenüber den Kollegen der ‚GPweek‘ erklärt er: „Als ich bei Pramac für dieses Jahr unterschrieben habe, hatte ich eine Option für 2012 ausgemacht. Während der Saison haben wir die Situation beobachtet. Das Motorrad war unglücklicherweise nicht sehr wettbewerbsfähig. Nach meiner Verletzung in Assen habe ich begonnen, darüber nachzudenken, ob ich weitermachen soll oder nicht.“

„Ich dachte, dass es der richtige Zeitpunkt war, aufzuhören. Manchmal habe ich Zweifel, weil ich immer noch Spaß habe, wenn ich mit dem Motorrad fahre.“ Demzufolge hätte Capirossi auch 2012 noch fahren können. Nachdem er 2010 nach drei Jahren bei Suzuki keinen Platz mehr fand, saß er wieder auf einer Ducati. Zwischen 2003 und 2007 war er Teil des Werksteams und gewann in der Zeit sieben Rennen in der MotoGP.

Die ersten Titel

Capirossis Einstieg in die Weltmeisterschaft erfolgte mit Honda. In den Jahren 1990 und 1991 holte sich der Italiener direkt die Meisterschaft. Er erinnert sich: „Meine ersten beiden Saisons waren beeindruckend. Dann bin ich zu den 250ern gewechselt. Aber Honda hat mir nur eine Standardmaschine gegeben. Dadurch war das erste Jahr sehr hart.“

„Im zweiten Jahr hatte ich eine Werksmaschine. Ich habe die Meisterschaft durch meine Aggressivität und viele Fehler verloren. Ein Jahr später habe ich die WM wieder verloren, weil ich eine Alles-oder-nichts-Einstellung hatte. Ich wechselte 1995 zu den 500ern. Im Folgejahr kam ich zu Wayne Rainey und Yamaha. Das war eine große Chance für mich.“

„Ich war immer noch recht jung und musste mit sehr wenig Englischkenntnissen nach Amerika gehen. Ich konnte das letzte Rennen der Saison gewinnen und entschied mich, wieder zu den 250ern zu wechseln“, berichtet Capirossi. „1997 war das schwierigste Jahr für mich. Am Ende der Saison entschied ich mich beinahe zum Rücktritt. Ich hatte keine Freude und viele Probleme. 1998 habe ich aber erneut den Titel gewinnen können.“

Der dritte Titel

Der erste Titel bei den 250ern war hart umkämpft. Das Aprilia-Team schickte mit Tetsuya Harada, Rossi und Capirossi drei potenzielle Titelaspiranten ins Rennen. Beim letzten Saisonrennen in Argentinien gab es eine Kollision zwischen Capirossi und Harada, durch die der Japaner am Ende den Titel verlor. Das Manöver seines Kontrahenten wurde stark diskutiert. In der Folge trennten sich Aprilia und Capirossi. Nach einem weiteren Jahr mit Honda, wechselte der Italiener wieder zu den 500ern.

„In 22 Saisons hatte ich viele Höhen und Tiefen, und viele schwierige Saisons“, bilanziert er und ist froh über das selbst gewählte Ende seiner Karriere: „Es ist toll, dass ich die Entscheidung selbst treffen konnte und nicht durch eine Verletzung aufhören musste oder weil ich keinen Vertrag habe.“

Es ist nicht mehr wie früher

Nur wenige können genauere Aussagen zu den Veränderungen im Motorsport machen. Mit Bedauern stellt Capirossi fest, dass es die Wochenenden stark an Gemütlichkeit verloren haben: „In den 1990ern war das Fahrerlager wie ein großer Zeltplatz, eine große Familie. Manchmal haben wir Freitagnacht in der Mitte des Fahrerlagers Fußball gespielt. Nun gibt es große Sponsoren, die immer mehr Platz fordern.“

„In den vergangenen zehn Jahren war das Fahren nicht mehr der härteste Job. Es sind all die anderen Dinge: Ein Essen hier, Leute treffen dort. Jeder täuscht dem Anderen etwas vor. Am schlimmsten war es bei Ducati. Ich musste pro Jahr 40 Tage Werbung außerhalb der Strecken machen“, erinnert sich Capirossi, der schon alle Fabrikate fahren konnte.

Den raschen Aufstieg von Rossi hat er hautnah miterlebt. 1998 waren beide Teamkollegen. Neid auf das unvorstellbare Interesse an seinem Landsmann hat Capirossi nicht: „Valentino hat die Szene bereichert. Es hat sie von etwa 60 Prozent auf 100 entwickelt. Das betrifft das Geld und alles andere. Deshalb danke ich ihm an dieser Stelle.“ Zudem beteuert der Pramac-Pilot, dass er sich sehr gut mit dem Ducati-Werkspiloten versteht: „Wir sind gute Freunde.“

„Ich war nie neidisch auf andere Fahrer. Ich wollte nie die Dinge, die andere Fahrer hatten. Wenn jemand gewinnt, freue ich mich mit ihm“, stellt Capirossi klar. Neid wäre bei den Erfolgen des Routiniers auch fehl am Platz. „Ich habe in allen Kategorien Rennen gewonnen: bei den 125ern, 250ern, 500ern und den 1.000ern beziehungsweise 800ern der MotoGP. Darüber bin ich sehr froh.“

Einen Lieblingsgegner hat er auch: „Es wäre einfach, zu sagen, dass es Valentino war. Aber 1987 begann ich in der Italienischen Meisterschaft. Doriano Romboni gewann den Titel. Von da an habe ich immer mit ihm gekämpft: in der Europameisterschaft, der 125er Weltmeisterschaft und bei den 250ern“, schildert Capirossi und blickt zurück: „Es waren große Kämpfe. Später war es Biaggi. Ich habe es sehr genossen, Biaggi zu schlagen.“ Am Ende stellte aber auch „Capirex“ fest: „Biaggi ist Biaggi, ein sehr seltsamer Typ.“

Text von Sebastian Fränzschky

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