Marcel Schrötter - © FGlaenzel

© FGlaenzel – Marcel Schrötter rechtnet sich für sein Heimrennen gute Chancen aus

Der Sachsenring ist für Marcel Schrötter ein ganz besonderes Rennen. Schon in den Nachwuchsserien zeigte der Deutsche auf dem Traditionskurs sein Talent. Viele Rennen hat Schrötter schon auf dem Sachsenring bestritten, stand in der 125er-Klasse schon in der ersten Startreihe, doch ein Topergebnis steht in der WM noch aus.

Am kommenden Wochenende fährt der 20-Jährige zum ersten Mal in der Moto2-Klasse um den Ring. Im Interview mit ‚Motorsport-Total.com‘ erinnert sich Schrötter an vergangene Rennen zurück und legt seine nächsten Ziele dar. Wenn es gut läuft, peilt er die Top 10 an.

Frage: „Marcel, wie groß ist die Vorfreude auf das Heimspiel auf dem Sachsenring?“
Marcel Schrötter: „Schon groß, ich freue mich. Für mich wird es eines der Highlights der Saison, weil es diesmal wirklich die Chance gibt ein super Rennen zu fahren. Ich will vor den heimischen Fans eine tolle Show zeigen. Deswegen freue ich mich schon sehr.“

Frage: „Im Jahr 2009 warst du in der 125er-Klasse in der ersten Startreihe. Was hast du für persönliche Erinnerungen an den Sachsenring?“
Schrötter: „Genau diese Zeit. Ich habe mein erstes WM-Rennen auf dem Sachsenring absolviert und bin bei den ersten Wildcard-Starts immer in die Punkte gefahren. Ich war damals in der ersten Startreihe. Das sind schon Highlights. 2010 war ich in den ersten Runden ganz vorne, weil ich auf Regenreifen gestartet bin. Anschließend war es dann leider trocken. Es sind einige Highlights gewesen, einige gute Momente. Seit ich jetzt in der WM bin, war noch kein Riesenergebnis dabei. Deswegen freue ich mich gerade auf dieses Jahr, weil das Material stimmt und ich die Chance habe es zu zeigen.“

Frage: „Welche Erinnerungen hast du an die IDM-Zeit?“
Schrötter: „Sehr gute Erinnerungen, weil ich immer sehr gut auf dem Sachsenring zurechtgekommen bin. Ich habe mich immer auf den Sachsenring gefreut, weil es die einzige Strecke war, die auch zum Grand-Prix-Kalender zählt. Dadurch konnte man Zeiten vergleichen und wusste, wo man im Vergleich steht. Ich war schon immer recht flott unterwegs. Auch in der IDM waren meine Zeiten nie weit weg von der WM. 2008 haben wir auf dem Sachsenring getestet und ich war nur 0,8 Sekunden über dem Rundenrekord. Danach bin ich diese Zeit zwar nie wieder ganz gefahren, aber ich war eben in der IDM schon sehr schnell dort.“

„Ich habe bis auf ein Rennen alle IDM-Rennen auf dem Sachsenring gewonnen. Einmal war Jonas (Folger; Anm. d. Red.) mit dabei und ich bin hinter ihm Zweiter geworden. Jonas ist damals zweimal mitgefahren. Als er noch in der Akademie war, hat er einen Gaststart absolviert. Dieses Rennen habe ich gewonnen. Als er im Jahr darauf schon in der WM fuhr, hat er dann das IDM-Rennen gewonnen. An die IDM-Zeiten habe ich sehr gute Erinnerungen.“

Frage: „Kann man im Vergleich zu den vielen Spaniern von einem Heimvorteil sprechen?“
Schrötter: „Minimal. Klar, ich kenne die Strecke sehr, sehr gut, aber in der Moto2 sind die meisten Fahrer schon viele Jahre dabei. Sie kennen jede Strecke sehr gut, weil sie jedes Jahr dort fahren. Ich denke, Heimvorteil ist es von den Fans her und vom Gefühl her, dass man noch mehr unterstützt wird. Von dieser Seite besteht schon ein Vorteil, es kommt aber natürlich darauf an, wie man damit umgeht. Ich werde schon versuchen es locker zu sehen, denn wenn der Druck zu groß wird, hat es auch keinen Sinn. Deshalb mache ich mir keinen großen Druck. Ich hoffe natürlich, dass nicht zu viel erwartet wird. Ich will den nächsten Schritt schaffen und in die Top 10 kommen.“

Frage: „Es wird eine Traumkulisse erwartet und in der Moto2 sind die Augen auf dich und Sandro Cortese gerichtet. Freust du dich auf die Fans und die Unterstützung?“
Schrötter: „Auf jeden Fall. Wir haben nur ein Heimrennen pro Jahr. Da meine Ergebnisse einigermaßen gut sind und ich im Vergleich zu den Vorjahren auch mehr in den Medien vorkomme, ist jetzt eine gute Chance vorhanden. Deshalb freue ich mich auf die Fans. Wenn es wieder gut läuft, stehen viele hinter dir. Man denkt gar nicht, dass man so viele Fans hat. Ich freue mich sehr darauf.“

Frage: „Im Vorjahr war der Sachsenring dein letztes Rennen für Mahindra und jetzt ist es dein erster Moto2-Start auf dieser Strecke.“
Schrötter: „Genau. Im Vorjahr haben wir die Entscheidung getroffen, dass wir nicht mehr weitermachen, weil es keinen Sinn mehr hatte. Klar, wenn ich jetzt sehe, dass die Mahindra sehr gut läuft, ist es sehr schade. Am Saisonende hatte ich noch ein Angebot, aber wir haben gesagt, dass wir es nicht machen, weil kein Vertrauen mehr da war. Man konnte damals nicht wissen, dass es mit Suter, der auch zum ersten Mal einen Moto3-Motor gebaut hat, wirklich so gut läuft. Ich bin aber zufrieden, wo ich jetzt in der Moto2 bin.“

„Das Vorjahr war ein Lernjahr. Wir hatten eineinhalb Jahre Entwicklungsrückstand mit dem Motorrad. Trotzdem konnte ich viel lernen. Deswegen finde ich es gut, dass ich mittlerweile in der Moto2 angekommen bin. Teilweise habe ich schon gute Ergebnisse geholt. Dadurch bin ich schon einen ganz schönen Schritt weiter, als wenn ich jetzt in der Moto3 um die Top 5 bis sieben mitfahren würde.“

Neuland mit der Moto2-Kalex
Frage: „Worauf kommt es jetzt mit der Moto2-Maschine fahrerisch und technisch auf dem Sachsenring an?“
Schrötter: „Das werde ich selbst erst herausfinden müssen, denn ich bin noch nie mit einem größeren Motorrad als der 125er auf dem Sachsenring gefahren. Sachsenring wird wahrscheinlich eine der schwierigsten Umstellungen sein, weil es so eng ist. Mir taugen schnelle und flüssige Strecken mehr. Der Sachsenring ist flüssig, aber eher enger und langsamer. Ich kenne aber die Strecke sehr gut und werde versuchen, dass ich mich von Anfang an so schnell wie möglich mit dem Motorrad umgewöhnen kann. Ich hoffe, es dauert nicht so lange, weil die Streckenkenntnis vorhanden ist. Das Potenzial ist auch da. Je früher ich mich mit der Moto2 auf die Strecke einschießen kann, desto besser. Um so näher kann ich vielleicht nach vorne kommen.“

Frage: „Nach Mugello wolltest du dich auf der Bremse verbessern und diesbezüglich an der Abstimmung arbeiten. Wie ist das mittlerweile gelaufen?“
Schrötter: „Es ist schon ein Stückchen besser. Harte Bremszonen nach hohen Geschwindigkeiten waren für uns schwierig. Unsere Abstimmung war nicht so gut dafür ausgelegt. Anfangs haben wir nicht so sehr darauf geachtet, bis ich im Rennen gesehen habe, dass wir in diesem Bereich etwas machen müssen. Wir sind auch sehr schnell in eine relativ gute Richtung gekommen, aber zwischenzeitlich sind wir auch etwas zurückgefallen, denn das Kurvenverhalten und den Grip muss man auch umstellen. Wir sind bei der Abstimmung weit weg vom Setup in Mugello. In diesem Bereich haben wir uns ein Stückchen verbessert.“

Frage: „Wie sind die vergangenen beiden Rennen für dich gelaufen? In Barcelona hattest du einen merkwürdigen Sturz, aber sonst warst du von den Platzierungen immer zwischen den Plätzen zehn und 15 zu finden.“
Schrötter: „Barcelona war schade, weil in dieser Kurve viele Fahrer gestürzt sind. Auch nachher im MotoGP-Rennen sind dort fünf Fahrer gestürzt. Es war einfach schade, weil es kein direkter Fehler von mir war. Es kamen viele Details zusammen. Das Motorrad hat bereits wieder ausgefedert, ich war von der Bremse weg und war schon am Gas geben. Bei großer Schräglage war zu wenig Gewicht und Druck am Vorderrad. Es war schade, weil es ein gutes Ergebnis geworden wäre, denn ich war Achter und hatte schon einen Vorsprung auf die Verfolger.“

„Deswegen war es sehr schade, auch mit Blick auf die Meisterschaft. Damals war ich 15. oder 16., und mit dem Ergebnis wäre ich auf 13 oder 12 nach vor gekommen. Durch den Nuller fiel ich auf Rang 18 zurück. Assen war jetzt kein schlechtes Wochenende. Wir waren jetzt bei den vergangenen zwei, drei Rennen auf einem Punkt und haben den Schritt nach vorne noch nicht geschafft, aber zumindest habe ich mich in der Anfangsphase des Rennens verbessert. Ich kann meine Positionen halten und auch ab und zu welche gutmachen. Ich hoffe, dass der Schritt in die Top 10 im nächsten Rennen auf dem Sachsenring kommt. Aber wenn wir jedes Mal Punkte holen können, ist es ein super Ergebnis. Das Ziel sind mittlerweile schon die Top 10.“

Talent bleibt nicht unbeachtet
Frage: „Dein Talent und deine Leistungen sind nicht unbemerkt geblieben. Du hast auch neue Unterstützer gefunden.“
Schrötter:„Genau. Zum einen ist es ein Reisebüro aus Hamburg, das mir meine Flüge für diese Saison bezahlt. Dazu kamen noch ein, zwei kleinere Sponsoren, die mein Manager ausverhandelt hat. Es ist schön zu sehen, dass man den Sponsoren wieder etwas zurückgeben kann, wenn es wieder gut läuft. Gerade auch meine langjährigen Sponsoren, die eigentlich Bekannte sind und nicht weit von mir weg wohnen.

„Sie sind eigentlich Freunde. Es ist schön, wenn sie wieder Spaß haben und ich etwas zurückgeben kann. Ich bedanke mich bei allen Unterstützern, die neu hinzugekommen sind, und natürlich auch bei den langjährigen Partnern. Ohne diese Unterstützung wären die Erfolge nicht möglich. Danke an alle, die hinter mir stehen.“

Frage: „Nach dem Sachsenring ist dann eine kleine Sommerpause bis Indianapolis. Was hast du geplant?“
Schrötter: „Wir werden nach Spanien gehen. Jonas und ich haben in der Nähe von Barcelona ein Haus gemietet. Eine Woche nach dem Sachsenring geht es nach Spanien. Zunächst müssen wir noch alles einrichten, aber dann ist es unser neues Zuhause. Wir haben das schon länger geplant und finden die Idee sehr gut. Das gibt uns die Möglichkeit, dass wir uns beim Training abseits der Strecke auch noch verbessern können. Dort sind die Möglichkeiten viel größer und besser als bei uns in Deutschland. Deswegen gehen wir nach Spanien. Die Pause wird kurz, weil wir noch alles herrichten müssen. Wir wollen aber auch anfangen, uns für die zweite Saisonhälfte vorzubereiten.“

Frage: „Möchtest du den deutschen Fans noch etwas für den Sachsenring auf den Weg geben?“
Schrötter: „Bringt gute Stimmung mit und habt viel Spaß. Feuert uns an! Ich freue mich auf meine Fans und alle deutschen Fans und hoffe, dass ihr uns kräftigt anfeuert!“

Text von Gerald Dirnbeck

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