© Repsol - Andrea Iannone möchte Marc Marquez heute als Dank zum Abendessen einladen

© Repsol – Andrea Iannone möchte Marc Marquez heute als Dank zum Abendessen einladen

Andrea Iannone sicherte sich im MotoGP-Qualifying zum Grand Prix von Tschechien in Brünn den ausgezeichneten dritten Startplatz, noch vor den Topstars Dani Pedrosa, Jorge Lorenzo und Valentino Rossi.

Zwischenzeitlich lag er sogar in Führung – und zwar nachdem ihn der spätere Polesetter Marc Marquez zur persönlichen Bestzeit von 1:55.726 Minuten gezogen hatte.

„Marc hat mir ziemlich geholfen, ich bezahle heute sein Abendessen“, lacht der Ducati-Pilot, der im Rennen zwar nicht zum engsten Favoritenkreis zählt, aber sehr wohl Marquez‘ Konkurrenten in der Anfangsphase aufhalten könnte. Was wiederum den Verdacht nahelegt, dass der derzeitige Seriensieger Iannone absichtlich geholfen hat: „Marquez ist sehr clever, denn er zieht immer eine Ducati. Für ihn ist es ja gut, wenn noch jemand zwischen ihm und uns liegt“, unterstellt Rossi.

Zwar kann sich der Yamaha-Routinier ein Lächeln nicht verkneifen, wenn er Marquez absichtliche Windschatten-Strategie unterstellt, kompletter Blödsinn ist diese Theorie in seinen Augen aber keineswegs: „Warum nicht? Marc ist clever. Mich, Jorge oder Dani zieht er jedenfalls nie, sondern immer nur eine Ducati. Iannone war hinter Marquez, Dovi war hinter mir und ich war hinter Iannone. So ist es halt. Iannone und Dovi sind aber auch eine gute Runde gefahren, denn du musst die Zeit ja auch erstmal umsetzen.“

Lorenzo: Bei mir würde er es nicht machen…
„Ich glaube nicht, dass es eine gezielte Strategie ist, aber wenn es nicht Iannone wäre, sondern Dani, Valentino oder ich, würde er es nicht machen“, meint Lorenzo. „Ich weiß nicht, ob er es absichtlich gemacht hat. Aber wenn er vielleicht zufällig auf der Strecke auf ihn getroffen ist, ist er halt nicht vom Gas gegangen.“ Den potenziellen Vorteil für den Hinterherfahrenden beziffert er mit einer halben Sekunde – heute der Unterschied zwischen dem dritten und elften Platz…

Marquez selbst macht übrigens gar keinen Hehl daraus, dass er seine schärfsten Rivalen im Qualifying nicht gezogen hätte, sondern in so einem Fall vom Gas gegangen wäre: „Das Problem ist, dass du nicht auf jeden anderen Fahrer achten kannst. Am Ende musst du dein eigenes Qualifying fahren und du versuchst einfach, deine Hauptkonkurrenten im Griff zu haben. Das sind für mich Dani, Jorge und Valentino“, gibt der Honda-Pilot zu Protokoll.

„Jeder versucht natürlich, den besten Windschatten für sich zu finden. Das ist ganz normal“, fährt er fort. „In der Moto3 und der Moto2 passiert das zu oft, aber in der MotoGP sind wir nicht so viele Fahrer. Es ist normal, dass dir Leute folgen wollen. Dann ist es deine Entscheidung, ob du vom Gas gehst oder nicht. Wenn Dani, Jorge oder Valentino hinter mir sind, dann gehe ich natürlich vom Gas, aber bei einem anderen Fahrer ist mir das egal.“

Jemanden vor sich zu haben, macht schneller
Denn jemanden vor sich zu haben, ist „ein großer Vorteil, auf den jeder hofft“, erklärt Rossi: „Der Windschatten hilft ein bisschen, aber mehr als das muss man in einer sehr schnellen Qualifying-Runde über das Limit hinausgehen. Das geht viel leichter, wenn man einen schnellen Gegner vor sich hat. So hast du eine gute Referenz.“ Lorenzo nickt zustimmend: „Einigen Fahrern hilft es, jemanden vor sich zu haben. Das motiviert sie und sie können später bremsen.“

Was Iannone gar nicht erst abstreitet: „Auf dieser Strecke ist es für mich sehr schwierig, die richtigen Bremspunkte zu finden. Ich bin also Marc gefolgt und konnte dadurch etwas mehr pushen und meine Performance verbessern.“ Dass Iannone das etwas gebracht hat, ist Marquez voll bewusst: „Hier gibt es lange Kurven und es ist schwierig, den idealen Bremspunkt zu finden. Da ist es natürlich einfacher, wenn jemand vor dir fährt.“

Gegner vor sich: Eigene Grenzen ausgeblendet
Oder, in anderen Worten: „Wenn man einem anderen Fahrer nachfährt, dann denkst du nur daran, dass du den Anschluss nicht verlierst. Man achtet nicht genau darauf, was man selbst macht. Wenn man alleine fährt, muss man selbst entscheiden, was man macht“, schildert Pedrosa solche Situationen. „Wenn man manchmal alleine fährt, dann sieht man oft nicht genau, was vor einem passieren wird. Wenn man jemandem folgt, dann sieht man es aber.“

„Außerdem hat man überall Windschatten“, ergänzt er. „Wenn man in einer Kurve mehr als 150 fährt, dann ist der Windschatten eine Hilfe, denn das Motorrad lenkt besser und bewegt sich weniger. Man ist im Windschatten, alles wird einfacher. Alleine wäre es schwierig, diese Runde so zu fahren.“ Dazu kommt laut Bradley Smith: „Man schaut höher und weiter die Straße lang. Man schaut nicht auf seinen Vorderreifen, man schaut zwei Meter weiter nach vorne. Man schätzt auch den Bremspunkt nach dem Fahrer vor dir ein.“

„Man fährt in der Kurvenmitte um ein oder zwei km/h schneller. Das macht am Ende den entscheidenden Unterschied“, sagt der Tech-3-Pilot. „Man orientiert sich schon an den eigenen Referenzpunkten. Man bremst am eigenen Bremspunkt, aber dann lässt man die Bremse früher aus. Normalerweise würde man tiefer in die Kurven bremsen, aber wenn man jemandem folgt, muss man die Bremse früher loslassen, weil man den Anschluss nicht verlieren will. Auf den Daten sind das Kleinigkeiten, keine fünf km/h.“

Feld liegt derzeit extrem dicht beisammen
„Wir haben das in den vergangenen Qualifyings öfter gesehen. Leider wollte niemand, dass ich jemandem nachfahre! Alle drehen das Gas zu, wenn ich dahinter fahre“, grinst Smith. Warum das Feld insgesamt so eng beisammen liegt, sei trotzdem „schwierig zu erklären. Schon in Indy war das sehr ähnlich. Die Motorräder sind in diesem Jahr auf einem vergleichbaren Niveau. Die Motoren sind sich sehr ähnlich. Vom Motor her verliert man kaum Zeit.“

„Die Elektronik von Yamaha ist sehr konkurrenzfähig. Schließlich geht es darum, dass man mit viel Grip Vollgas gibt. Grip gleicht das Kräfteverhältnis so wie Regen aus“, so der Brite. „Mit einem weichen Qualifying-Reifen verschwinden allgemeine Probleme. Außerdem kommen die meisten Fahrer aus der Moto2. Wir sind jung und wollen alles herausquetschen, weil wir nichts zu verlieren haben. Das spielt alles eine Rolle. Ducati hat dazu noch den weichen Reifen. Und andere lassen sich ziehen…“

Text von Christian Nimmervoll, Gerald Dirnbeck & David Emmett

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