Valentino Rossi - © Yamaha

© Yamaha – Bridgestone zieht sich mit Saisonende 2015 aus der MotoGP zurück

Die Reifen sind im Motorradsport die einzige Kontaktfläche zwischen Motorrad und Straße – wenn man schleifendes Knie und Ellbogen nicht berücksichtigt.

Mit Saisonende zieht sich Bridgestone aus der MotoGP zurück. Die Japaner entwickelten vor allem einen sehr speziellen Vorderreifen, mit dem sehr tief in die Kurve gebremst werden kann und extreme Schräglagen von bis zu 60 Grad möglich sind. Neueinsteiger brauchen in der Regel einige Zeit, um ein Gefühl und Vertrauen für die Bridgestone-Reifen aufzubauen.

Im nächsten Jahr übernimmt Michelin das Reifenmonopol in der Königsklasse. Die Werks- beziehungsweise Testfahrer führten damit schon einige Probefahrten durch. Kurz vor dem Grand Prix auf dem Sachsenring testete beispielsweise Colin Edwards für Michelin auf dem deutschen Kurs. „Colin hat gesagt, dass die Reifen gut funktionieren. Er hat keine großen Beanstandungen gehabt“, berichtet Stefan Bradl im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

Bradl selbst testete noch keine Michelin-Reifen. Das könnte sich als neuer Aprilia-Werksfahrer in den kommenden Wochen ändern. „Jeder Fahrer reagiert anders, vor allem wenn es um das Gefühl für den Vorderreifen geht. Wir kennen den Bridgestone-Vorderreifen gut. Mit ihm kann man sehr hart pushen. Wie gut der Michelin-Vorderreifen ist, hängt auch von den individuellen Bedürfnissen der Fahrer ab“, schätzt der einzige deutsche MotoGP-Fahrer.

Fahrer müssen sich umstellen
In der Königsklasse fuhr Bradl bisher nur mit Bridgestone. „Man wird sehen, wie gut die Hersteller mit den Reifen zurechtkommen. Es wird ohne Zweifel eine gewisse Umstellung sein, auch für mich. Ich bin noch nie andere Reifen in der MotoGP gefahren. Das trifft auch auf viele andere Fahrer zu. Ich kann noch nicht abschätzen, welcher Hersteller mit den Michelin-Reifen am besten zurechtkommt“, sagt Bradl. „Das wird sich 2016 zeigen.“

Im kommenden Jahr ändern sich einige Parameter. Neben den Reifen betrifft das auch die Einheitselektronik. Alle im Feld erhalten die gleiche Elektronik, das soll Kosten senken und das Feld ausgeglichener machen. Speziell die Reifen sind das größte Fragezeichen, denn sie sind ein wesentlicher Faktor für die Performance nicht nur über eine Qualifying-Runde sondern vor allem für die Renndistanz.

Ein Hersteller könnte dominieren

Könnte es möglich sein, dass sich die Hackordnung im Feld durch den Wechsel auf Michelin drastisch ändert? „Mehr oder weniger sollte es gleich bleiben“, antwortet Andrea Dovizioso auf die Frage von ‚Motorsport-Total.com.‘ Er ist bereits mit Michelin gefahren, darf den Journalisten aus vertraglichen Gründen aber keine Details verraten. Trotzdem philosophiert der Ducati-Mann: „Es wäre denkbar, dass ein Hersteller ziemlich dominant ist. Das kann ich mir gut vorstellen. Es könnte jeden Hersteller treffen. Momentan sind alle sehr eng beieinander, weil sie die Bridgestone-Reifen gut kennen.“

Bisher gab es bei den Michelin-Testfahrten mehrere Stürze über das Vorderrad. Es ist zu hören, dass der Vorderreifen nicht so gut wie jener von Bridgestone ist, dafür soll der Hinterreifen sehr gut sein. Inwieweit die Motorräder schon für Michelin abgestimmt sind, ist aus der Ferne kaum zu beurteilen. Mit Michelin wechselt die MotoGP außerdem von 16,5 Zoll auf 17 Zoll. „Es ist offensichtlich, dass die Reifen eine andere Charakteristik haben werden“, bestätigt Ducati-Teammanager Paolo Ciabatti gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘.

Da die Reifen eine andere Charakteristik haben, liegt viel Umstellungsarbeit bei den Fahrern. Suzuki lässt Rookie Maverick Vinales die Michelin-Reifen derzeit gar nicht testen, damit er sich zunächst an Bridgestone gewöhnen kann. Ciabatti setzt fort: „Der Bridgestone-Vorderreifen ist ziemlich besonders. Der Fahrstil der Piloten orientiert sich an dem, was die Reifen hergeben. Die Michelin-Reifen werden zu anderen Fahrstilen führen. Ich bin gespannt, welche Fahrer sich besser an die Bedingungen gewöhnen können. Man kann nicht sagen, ob die Reifen besser oder schlechter sind. Sie werden anders sein.“

Die Veränderungen für 2016 können eine Chance für Außenseiter darstellen. Suzuki kann dann außerdem auf die Erfahrungen von diesem Jahr zurückgreifen. „Alle sind gespannt auf das, was passieren wird“, lächelt Suzuki-Teammanager Davide Brivio auf Nachfrage von ‚Motorsport-Total.com‘. „Durch die Einheits-Software soll es geringere Unterschiede zwischen den Herstellern geben. Doch ich denke, dass die besseren Ingenieure auch bessere Einstellung finden werden.“

Text von Gerald Dirnbeck & Sebastian Fränzschky

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