Pol Espargaro - © Ponsracing

© Ponsracing – Pol Espargaro hat in Aragon die Enttäuschung von Barcelona wettgemacht

Das Moto2-Rennen im Motorland Aragon war von Start bis ins Ziel eine spannende Angelegenheit. Eine große Spitzengruppe lag dicht beisammen und lieferte sich enge Kämpfe. Am Ende setzte sich Pol Espargaro (Kalex) durch und feierte seinen dritten Saisonsieg. Nach Jerez war es sein zweiter Heimtriumph in diesem Jahr.

Marc Marquez (Suter) musste sich knapp geschlagen geben und büßte fünf WM-Punkte auf seinen Landsmann ein. Dennoch hat der nächstjährige MotoGP-Pilot vier Rennen vor Saisonende einen komfortablen Vorsprung von 48 Zählern.

Im letzten Moment schnappte Scott Redding (Kalex) noch Andrea Iannone (Suter) den letzten Podestplatz weg. Die Vertreter aus der Schweiz konnten nicht vorne mitmischen. Tom Lüthi (Suter) musste nach dem verkorksten Qualifying eine Aufholjagd starten, die ihn schließlich auf Platz elf brachte. Dominique Aegerter (Suter) nahm als 15. den letzten WM-Punkt mit. Jesko Raffin (Kalex) kam bei seinem WM-Debüt ins Ziel und belegte Platz 28. Der Deutsche Marcel Schrötter (Bimota) ging als 20. leer aus. Der Tag gehörte aber den Spaniern. Die Fans jubelten ihren beiden Helden zu.

„Das ist unglaublich“, jubelt Espargaro. „In Barcelona erlebte ich ein Desaster, hier gelang mir die Revanche und ich konnte vor meinen Fans 25 Punkte einfahren. Jetzt werde ich versuche, bei den verbleibenden Rennen weiterhin mein Bestes zu geben und Marc Punkte abzunehmen.“ Marquez ärgerte die Niederlage, aber er ist weiterhin auf WM-Kurs: „Ich habe alles versucht, um das Rennen zu gewinnen. Der Kampf mit Andrea hat Spaß gemacht, so ist der Rennsport. Für mich sind es 20 weitere wichtige Punkte für die Weltmeisterschaft. Ich bin zufrieden“, lautet seine erste Reaktion.

21 umkämpfte Runden standen auf dem Programm, nach denen es schließlich einen spanischen Doppelsieg gab. Beim Start setzte sich Simone Corsi (FTR) von der Pole-Position durch und übernahm sofort die Führung. Dahinter reihten sich Claudio Corti (Kalex), Erspargaro und Iannone ein. Marquez war dagegen auf den neuen Platz zurückgefallen. Lüthi, der von Startplatz 19 losfahren musste, beendete die erste Runde als 17. Zwei Fahrer überstanden den ersten Umlauf nicht: Im Mittelfeld gerieten Takaaki Nakagami (Kalex) und Alex de Angelis (FTR) aneinander. Beide lagen in der Auslaufzone. Während de Angelis zurück an die Box fuhr, nahm Nakagami das Rennen wieder auf.

Nach dem schwachen Start kämpfte sich Marquez sofort durch das Feld. Nach drei Runden war er bereits Zweiter. Nur noch Corsi lag vor dem Spanier auf dem Platz an der Sonne. Es dauerte auch nicht lange, bis sich Marquez die Führung schnappte. Er konnte sich auch gleich um einige Meter absetzen, doch die Verfolger Espargaro, Iannone und noch einige weitere Fahrer blieben dran. Lüthi hatte dagegen ein schwieriges Rennen. Langsam stieß der Schweizer in der ersten Rennhälfte bis auf Platz zwölf nach vor und führte die große Verfolgergruppe an.

Marquez führte den Grand Prix zwar überlegen an, aber entscheidend absetzen konnte er sich nicht. Sieben Runden vor Schluss gingen Iannone und Espargaro vorbei und das Rennen um den Sieg war eröffnet. Es war noch eine große Spitzengruppe beisammen, denn zu diesem Zeitpunkt lagen ab Platz vier Corsi, Johann Zarco (MotoBI), Bradley Smith (Tech 3), Redding und Corti. Diese acht Fahrer befanden sich innerhalb von zwei Sekunden. Alles war möglich und jeder hatte Chancen auf den Sieg. Speziell Iannone, Marquez und Espargaro lieferten sich einen engen Kampf um die Spitze.

Espargaro übernimmt Kommando

Vier Runden vor Schluss übernahm Espargaro die Führung und brannte gleich die schnellste Rennrunde in den Asphalt. Damit konnte er sich um einige Motorradlängen absetzen, aber Iannone und Marquez hatten dahinter den Sieg noch nicht aufgegeben. Zwischen Marquez und Iannone kam es sogar zu einer leichten Berührung. Als der Spanier außen vorbeiging, berührte Iannone mit seinem Vorderrad das Hinterrad der Suter. Beide konnten aber problemlos weiterfahren.

Espargaro ermöglichte dieses Scharmützel den entscheidenden Vorsprung von rund einer Sekunden. Mit diesem Polster ging der Kalex-Pilot in die letzte Runde. Da hinter ihm hart gekämpft wurde, war Espargaro durch. Nach Jerez und Silverstone war es sein dritter Saisonsieg. Spannend ging es bis zur Ziellinie dahinter zu: Marquez setzte sich im Verfolgerduell durch und kam als Zweiter über die Linie. Damit verkleinerte sich sein WM-Vorsprung um fünf Punkte. Vier Rennen vor Saisonende beträgt sein Punktepolster aber immer noch beruhigende 48 Zähler.

Das Podium komplettierte schließlich Redding, der sich am Ende auch noch im Spitzenkampf einmischte. Es war der vierte Podestplatz für den Briten in dieser Saison. „Anfangs so weit zurückzufallen, war definitiv schwierig“, berichtet Redding. „Hinzu kommt, dass ich erst vor acht Tagen operiert wurde. Es unter diesen Umständen aufs Podium zu schaffen, ist eine tolle Errungenschaft für mich.“ Iannone verpasste um 82 Tausendstelsekunden das Podium und musste sich mit Platz vier zufrieden geben. Smith und Zarco kamen als Fünfte und Sechste über die Linie. Auch sie lagen am Ende in Schlagdistanz zu den Top 3, doch sie konnten keine Manöver setzen.

Die Verfolgergruppe bestand aus sechs Fahrern. Durchsetzen konnte sich Corsi, der schließlich als Achter die karierte Flagge sah. Dahinter folgten Lokalmatador Jordi Torres (Suter) und Anthony West. Der Australier feierte sein bestes Ergebnis im Trockenen. Platz zehn war auch das beste Resultat seit West nicht mehr ein Moriwaki- sondern ein Speed-Up-Chassis fährt. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“

„Ich bin sehr glücklich mit diesem Ergebnis“, sagt der Australier erleichtert. „Genau das haben wir gebraucht. Nach all den Veränderungen haben wir jetzt endlich eine Richtung gefunden. Dieses Rennen verleiht mir große Motivation für den Rest der Saison. Ich hoffe, dass es nun so weitergeht.“ Lüthis Aufholjagd endete schließlich auf Platz elf. Esteve Rabat (Kalex) kam am Ende der Verfolgergruppe als Zwölfter ins Ziel.

Nicolas Terol (Suter) konnte nicht mithalten und fuhr die letzten Runden alleine auf Platz 13. Das Kiefer-Team durfte sich über zwei WM-Punkte durch Mike di Meglio freuen. Zum ersten Mal seit Le Mans gab es für die Kiefer-Mannschaft ein zählbares Ergebnis. Den letzten Punkt nahm der Schweizer Aegerter mit. Debütant Raffin beendete seinen ersten Grand Prix als 28. Schrötter ging als 20. leer aus. Der nächste Grand Prix findet am 14. Oktober in Motegi (Japan) statt.

Ergebnisse Moto2 Aragon Rennen

1 25 40 Pol ESPARGARO SPA Pons 40 HP Tuenti KALEX 40’25.260 158.290
2 20 93 Marc MARQUEZ SPA Team CatalunyaCaixa Repsol SUTER 40’26.707 158.196 1.447
3 16 45 Scott REDDING GBR Marc VDS Racing Team KALEX 40’27.003 158.177 1.743
4 13 29 Andrea IANNONE ITA Speed Master SPEED UP 40’27.085 158.171 1.825
5 11 38 Bradley SMITH GBR Tech 3 Racing TECH 3 40’27.453 158.147 2.193
6 10 5 Johann ZARCO FRA JIR Moto2 MOTOBI 40’28.259 158.095 2.999
7 9 3 Simone CORSI ITA Came IodaRacing Project FTR 40’29.577 158.009 4.317
8 8 81 Jordi TORRES SPA Mapfre Aspar Team Moto2 SUTER 40’30.375 157.957 5.115
9 7 71 Claudio CORTI ITA Italtrans Racing Team KALEX 40’30.779 157.931 5.519
10 6 95 Anthony WEST AUS QMMF Racing Team SPEED UP 40’30.891 157.924 5.631
11 5 12 Thomas LUTHI SWI Interwetten-Paddock SUTER 40’31.111 157.910 5.851
12 4 80 Esteve RABAT SPA Pons 40 HP Tuenti KALEX 40’31.808 157.864 6.548
13 3 18 Nicolas TEROL SPA Mapfre Aspar Team Moto2 SUTER 40’32.809 157.799 7.549
14 2 63 Mike DI MEGLIO FRA Kiefer Racing KALEX 40’39.335 157.377 14.075
15 1 77 Dominique AEGERTER SWI Technomag-CIP SUTER 40’42.582 157.168 17.322
16 36 Mika KALLIO FIN Marc VDS Racing Team KALEX 40’42.650 157.164 17.390
17 49 Axel PONS SPA Pons 40 HP Tuenti KALEX 40’42.752 157.157 17.492
18 60 Julian SIMON SPA Blusens Avintia SUTER 40’43.097 157.135 17.837
19 92 Alex MARIÑELARENA SPA Targo Bank CNS Motorsport SUTER 40’55.839 156.320 30.579
20 23 Marcel SCHROTTER GER Desguaces La Torre SAG BIMOTA 40’58.008 156.182 32.748
21 84 Steven ODENDAAL RSA Arguiñano Racing Team AJR 40’58.139 156.173 32.879
22 8 Gino REA GBR Federal Oil Gresini Moto2 SUTER 40’58.531 156.148 33.271
23 72 Yuki TAKAHASHI JPN NGM Mobile Forward Racing FTR 40’59.571 156.082 34.311
24 75 Tomoyoshi KOYAMA JPN Technomag-CIP SUTER 41’01.823 155.940 36.563
25 14 Ratthapark WILAIROT THA Thai Honda PTT Gresini Moto2 SUTER 41’03.521 155.832 38.261
26 57 Eric GRANADO BRA JIR Moto2 MOTOBI 41’21.280 154.717 56.020
27 82 Elena ROSELL SPA QMMF Racing Team SPEED UP 41’42.462 153.407 1’17.202
28 20 Jesko RAFFIN SWI GP Team Switzerland KALEX 41’42.930 153.378 1’17.670
29 10 Marco COLANDREA SWI SAG Team FTR 41’43.623 153.336 1’18.363
30 30 Takaaki NAKAGAMI JPN Italtrans Racing Team KALEX 41’49.504 152.977 1’24.244
31 22 Alessandro ANDREOZZI ITA S/Master Speed Up SPEED UP 41’50.413 152.921 1’25.153

WM-Stand Moto2

1 Marc MARQUEZ Suter SPA 258
2 Pol ESPARGARO Kalex SPA 210
3 Andrea IANNONE Speed Up ITA 178
4 Thomas LUTHI Suter SWI 166
5 Scott REDDING Kalex GBR 131
6 Mika KALLIO Kalex FIN 110
7 Bradley SMITH Tech 3 GBR 96

Text von Gerald Dirnbeck

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