© QMMF - Anthony West gewann zum ersten Mal seit dem Jahr 2003 wieder einen Grand Prix

© QMMF – Anthony West gewann zum ersten Mal seit dem Jahr 2003 wieder einen Grand Prix

Hagel vor dem Start, Regen in den ersten Runden, abtrocknende Strecke in der zweiten Rennhälfte: Die Dutch TT in Assen zeigte wieder einmal ihre Tücken und am Ende triumphierte Anthony West mit seiner Speed Up.

Der Australier ist mit 32 Jahren der älteste Fahrer im Moto2-Feld und spielte in einem chaotischen Rennen seine ganze Routine aus. Für West war es der zweite Grand-Prix-Sieg in seiner langen Karriere, die 1998 begonnen hat. Schon im Jahr 2003 gewann er in Assen das Rennen der 250er-Klasse.

„Es war völlig verrückt“, schüttelt West mit dem Kopf. „Die beiden vergangenen Rennen waren schwierig. Meine Stimmung hat sich im Vergleich zu gestern komplett gewendet. Das sollte uns für die kommenden Rennen motivieren. Die Bedingungen waren ziemlich verrückt. Gegen Ende des Rennens wurde es schwieriger. Es war halb nass, halb trocken. Die Reifen rutschten an allen Stellen. Ich wollte das Motorrad auf Kurs halten und hatte einige Schrecksekunden. Ich freue mich, wieder vorne zu sein.“

Bereits vor dem eigentlichen Rennen brach Chaos aus. Direkt im Anschluss an die Siegerehrung der Moto3-Fahrer fing es plötzlich zu schütten und zu hageln an. Tito Rabat stürzte auf dem Weg in die Startaufstellung und beschädigte die Verkleidung seiner Kalex. Die Rennleitung brach die Startvorbereitungen ab. Mit 20 Minuten Verspätung startete schließlich das Rennen. Die Distanz blieb bei 24 Runden. Es hatte aufgehört zu regnen und die Sonne schien vom Himmel, aber die Strecke war nass. In der Startaufstellung rätselten die Fahrer, ob sie Slicks riskieren sollten.

Dominique Aegerter (Suter) entschied sich vorne für einen Regenreifen, aber hinten für einen Slick. Sandro Cortese und Jonas Folger (beide Kalex) setzten beide komplett auf Slicks. Marcel Schrötter (Tech 3) wählte Regenreifen. Die Slicks waren in den ersten Runden die falsche Wahl. Aegerter verlor in den ersten Kurven viel Boden. Ausgerechnet in der ersten Runde fing es wieder zu regnen an. Die Fahrer mit Slicks hatten sich verzockt. Regenreifen waren die richtige Wahl.

Folger bog nach zwei Runden an die Box ab und stellte seine Kalex ab. Außerdem erhielt er auch noch eine Durchfahrtsstrafe, weil er zu schnell in der Boxengasse war. Aegerter fuhr dem Feld mit seinem Slick-Hinterreifen hoffnungslos hinterher. Auch Cortese hatte mit seinen Slicks keine Chance und drehte rund um Platz 28 seine Runden. Die Slick-Fahrer fuhren eine halbe Minute pro Runde langsamer als die Spitze. Folger fuhr nach seinem Reifenwechsel wieder weiter, hatte aber mehr als eine Runde verloren.

An der Spitze kämpften Simone Corsi (Kalex) und Sam Lowes (Speed Up) um die Führung. Routinier West nutzte auch seine Chance und hatte sich nach fünf Runden auf Rang drei nach vorne gearbeitet. Die gute Vorstellung von Lowes endete in der achten Runde durch einen Sturz in Kurve fünf. Er fuhr weiter, flog aber wenige Meter später per Highsider in Kurve elf erneut ab und es war endgültig Feierabend für den Briten. Corsi führte nach zehn Runden mit zehn Sekunden Vorsprung vor West, doch dann stürzte auch der Italiener und West übernahm die Führung.

Rund acht Runden vor dem Ende konnten die mit Slicks bereiften Fahrer schneller fahren als die Spitze mit Regenreifen, doch Aegerter und Cortese lagen schon mehr als eine Runde chancenlos zurück. An der Spitze behauptete West seine Führung, doch Maverick Vinales, Luis Salom und Mika Kallio blieben an seinem Hinterrad. Salom stürzte fünf Runden vor dem Ende. In der letzten Runde versuchte Vinales noch West zu überholen, aber der Routinier verteidigte clever und eroberte den Sieg.

Für den QMMF-Rennstall war es der erste Grand-Prix-Erfolg in der Teamgeschichte. Für Vinales war Platz zwei der zweite Podestplatz in der Moto2. „Ich wollte ihn noch überholen, doch gegen Ende verlor ich beinahe die Front“, sagt Vinales über das Duell mit West in der letzten Runde. „Der Vorderreifen war ziemlich fertig. Obwohl wir keine Erfahrungen im Nassen hatten, haben wir das Maximum herausgeholt.“

Kallio kletterte als Dritter auf das Podest. „Ich bin sehr froh“, sagt der Finne erleichtert im Ziel. „Die Bedingungen waren richtig schwierig für alle Fahrer. Auf den ersten Runden war es richtig nass. Zudem regnete es weiter. Ich wäre in Runde eins beinahe gestürzt. Ich musste die Strecke verlassen, konnte aber auf dem Motorrad sitzen bleiben. Ich konnte weiterfahren und mein Gefühl verbessern. Dann konnte ich Runde für Runde aufholen. Der erste Teil des Rennens war sehr schwierig. Mir fehlte die Haftung am Hinterrad, als es nass war. Als es eine trockene Linie gab, konnte ich aufholen. Ich wollte gewinnen, doch auf den finalen Runden wurde es wieder schwieriger.“

Bester Schweizer war Tom Lüthi (Suter) als Sechster. Rabat kam als Achter ins Ziel und verteidigte seine WM-Führung. Sein Vorsprung auf Kallio schrumpfte auf 26 Punkte. Schrötter sammelte als Zwölfter vier WM-Punkte. Cortese sah die Zielflagge nicht, denn er stürzte kurz vor Rennende. Folger wurde mit zwei Runden Rückstand 23. Auch Aegerters Poker ging nicht auf. Der Schweizer drehte am Ende zwar die schnellste Rennrunde, doch als 21. ging er leer aus. Für die drei Deutschen wartet in zwei Wochen das wichtige Heimspiel auf dem Sachsenring.

Ergebnisse Moto2 Assen:

1 25 95 Anthony WEST AUS QMMF Racing Team SPEED UP 46’02.089 142.0
2 20 40 Maverick VIÑALES SPA Paginas Amarillas HP 40 KALEX 46’02.407 142.0 0.318
3 16 36 Mika KALLIO FIN Marc VDS Racing Team KALEX 46’02.832 142.0 0.743
4 13 5 Johann ZARCO FRA AirAsia Caterham CATERHAM SUTER 46’09.389 141.7 7.300
5 11 15 Alex DE ANGELIS RSM Tasca Racing Moto2 SUTER 46’13.342 141.5 11.253
6 10 12 Thomas LUTHI SWI Interwetten Paddock Moto2 SUTER 46’17.021 141.3 14.932
7 9 60 Julian SIMON SPA Italtrans Racing Team KALEX 46’19.747 141.1 17.658
8 8 53 Esteve RABAT SPA Marc VDS Racing Team KALEX 46’22.266 141.0 20.177
9 7 7 Lorenzo BALDASSARRI ITA Gresini Moto2 SUTER 46’27.349 140.7 25.260
10 6 55 Hafizh SYAHRIN MAL Petronas Raceline Malaysia KALEX 46’52.850 139.5 50.761
11 5 8 Gino REA GBR AGT REA Racing SUTER 46’53.615 139.4 51.526
12 4 23 Marcel SCHROTTER GER Tech 3 TECH 3 46’53.781 139.4 51.692
13 3 3 Simone CORSI ITA NGM Forward Racing KALEX 46’59.197 139.1 57.108
14 2 30 Takaaki NAKAGAMI JPN IDEMITSU Honda Team Asia KALEX 47’08.702 138.7 1’06.613
15 1 39 Luis SALOM SPA Paginas Amarillas HP 40 KALEX 47’17.589 138.2 1’15.500
16 88 Ricard CARDUS SPA Tech 3 TECH 3 47’19.328 138.2 1’17.239
17 54 Mattia PASINI ITA NGM Forward Racing KALEX 47’19.617 138.1 1’17.528
18 2 Josh HERRIN USA AirAsia Caterham CATERHAM SUTER 47’44.267 137.0 1’42.178
19 97 Roman RAMOS SPA QMMF Racing Team SPEED UP 47’50.213 136.7 1’48.124
20 45 Tetsuta NAGASHIMA JPN Teluru Team JiR Webike TSR 46’37.465 134.4 1 lap
21 77 Dominique AEGERTER SWI Technomag carXpert SUTER 47’28.629 132.0 1 lap
22 18 Nicolas TEROL SPA Mapfre Aspar Team Moto2 SUTER 47’46.538 131.1 1 lap
23 94 Jonas FOLGER GER AGR Team KALEX 46’07.981 129.9 2 laps
24 21 Franco MORBIDELLI ITA Italtrans Racing Team KALEX 47’05.045 127.3 2 laps
25 19 Xavier SIMEON BEL Federal Oil Gresini Moto2 SUTER 47’05.225 127.3 2 laps
26 81 Jordi TORRES SPA Mapfre Aspar Team Moto2 SUTER 47’31.147 126.1 2 laps
27 70 Robin MULHAUSER SWI Technomag carXpert SUTER 47’47.427 125.4 2 laps
28 96 Louis ROSSI FRA SAG Team KALEX 46’37.413 122.7 3 laps
29 10 Thitipong WAROKORN THA APH PTT The Pizza SAG KALEX 47’22.548 115.0 4 laps

Text von Gerald Dirnbeck

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