Scott Redding © FGlaenzel

© FGlaenzel – Scott Redding übernahm mit seinem ersten Moto2-Sieg die WM-Führung

Das Moto2-Rennen in Le Mans verlief äußerst turbulent. Auf dem feuchten Bugatti-Circuit stürzten zahlreiche Fahrer und schieden aus. Es erwischte auch die Mitfavoriten Pol Espargaro, Esteve Rabat (beide Kalex) und auch Tom Lüthi (Suter).

Kurz vor Rennende wurde der Grand Prix wegen einsetzendem Regen abgebrochen. Der Brite Scott Redding (Kalex) gewann sein erstes Moto2-Rennen und übernahm mit diesem Triumph auch die WM-Führung. Mika Kallio sorgte als Zweiter für einen Doppelsieg für das Marc-VDS-Team. Platz drei ging an Xavier Simeon (Kalex), der zum ersten Mal in seiner Karriere auf das Podest kletterte.

Der Schweizer Dominique Aegerter (Suter) kämpfte ebenfalls in der Spitzengruppe mit und lag zum Zeitpunkt des Abbruchs auf dem dritten Platz. Da der Stand der 22. von 26 Runden gewertet wurde, belegte der Eidgenosse zum dritten Mal in dieser Saison Rang vier. Sein Landsmann Tom Lüthi (Suter) schied durch Sturz aus. Dafür wurde die Aufholjagd von Randy Krummenacher (Suter) mit Rang elf belohnt. Moto2-Rookie Sandro Cortese (Kalex) holte als 13. seine ersten WM-Punkte in der mittleren Klasse. Marcel Schrötter (Kalex) erhöhte mit Position 14 ebenfalls sein Punktekonto.

Es war ein turbulentes Rennen mit vielen Zwischenfällen. Beim Vorstart gab es Probleme an der Kalex von Toni Elias. Der Kühler machte Schwierigkeiten, aber die Mechaniker konnten den Defekt bis zur Aufwärmrunde beheben. Trotzdem musste Elias als Letzter starten. Als die Startampel das Rennen über 26 Runden freigab, preschte Takaaki Nakagami (Kalex) von seiner ersten Pole-Position perfekt los und übernahm die Führung. Dahinter sortierten sich Espargaro, Johann Zarco (Suter), Rabat und Aegerter ein. Die großen Gewinner des Starts waren Espargaro, der von Platz sieben auf Rang zwei nach vor kam, und Aegerter, der sich von Startplatz 13 nach vor katapultieren konnte.

Im hinteren Teil des Feldes schieden gleich zu Beginn mehrere Fahrer durch Sturz aus: Kyle Smith (Kalex), Ratthapark Wilairot (Suter), Axel Pons (Kalex), Wildcard-Starter Hafizh Syahrin (Kalex) und Rafid Topan Sucipto (Speed Up) lagen im Kiesbett. Einige von ihnen konnten wieder weiterfahren. Auch für Jordi Torres (Suter) war das Rennen zu Beginn der dritten Runde vorbei, denn er kam in der Zielkurve auf den rutschigen Kunstrasen und ging zu Boden. Für eine kuriose Situation sorgten die beiden Pons-Piloten in Runde zwei.

In Kurve sieben rutschte Espargaro aus. Rabat fuhr direkt hinter seinem Landsmann und rutschte an der gleichen Stelle aus. Nebeneinander standen sie im Kiesbett und konnten mit Rückstand das Rennen wieder aufnehmen. Rabat steuerte allerdings die Boxen an. In der dritten Runde stand Lüthi im Kiesbett. Es war sein zweiter Sturz an diesem Wochenende. Der Schweizer fuhr ebenfalls zurück an die Box. Alle Fahrer waren mit Slicks unterwegs, doch der Asphalt war stellenweise noch feucht. Zudem fielen vereinzelt Regentropfen.

Routinier Anthony West (Speed Up) hatte vor dem Rennen angekündigt: „Es gibt nur eine schmale Ideallinie. Ansonsten ist es nass. Es wird sehr schwierig werden, zu überholen. Das wird sehr riskant sein.“ Nach der turbulenten Anfangsphase sortierte sich das Bild. Nach vier Runden führte Nakagami das Rennen mit einem Vorsprung von knapp drei Sekunden auf die Verfolgergruppe an. Die große Gruppe bestand aus Zarco, Simeon, Aegerter, Redding, Kallio, Mattia Passini (Speed Up) und Mike di Meglio (MotoBI). Krummenacher und Schrötter kämpften zu diesem Zeitpunkt um die letzten Punkteränge.

Nakagami wirft Führung weg
Die starke Vorstellung von Nakagami war in der siebten Runde zu Ende. In Kurve sieben – diese Stelle war schon dem Pons-Duo zum Verhängnis geworden – rutschte der Japaner ins Kiesbett und war draußen. Das Bild hatte sich erneut geändert. Damit übernahm Zarco die Führung bei seinem Heimrennen, aber die Verfolger saßen ihm im Nacken. In der neunten Runde übernahm Redding erstmals die Spitze.

Mit Fortdauer des Rennens blieb eine fünfköpfige Gruppe beisammen, die sich die Podestplätze untereinander ausmachten. Redding führte vor Zarco und konnte sich nicht lösen. Dabei waren auch Simeon, Kallio und Aegerter. Die Fahrer studierten sich gegenseitig für die Schlussphase. Sieben Runden vor dem Ende gab es eine Doppelführung für das Marc-VDS-Team. Kallio überholte Simeon und Zarco und setzte sich hinter Redding auf Platz zwei.

Der Brite konnte sich mittlerweile einen kleinen Vorsprung von rund einer Sekunde herausfahren. Auch der Einbruch von Zarco hatte ihm in die Karten gespielt, denn der Franzose fiel innerhalb weniger Kurven ans Ende der Spitzengruppe auf Platz fünf zurück. Fünf Runden vor dem Ende fielen die ersten Regentropfen und die Streckenposten schwenkten die weiße Flagge mit dem roten Kreuz. In einigen Kurven wurde es deutlich rutschiger.

Regen sorgt für Abbruch
Hinter Redding wechselten die Positionen ständig. In der 24. von 26 Runden entschied sich die Rennleitung aufgrund des einsetzenden Regens für den Rennabbruch. Gewertet wurde der Stand nach 22 Runden. Redding war der klare Sieger. Es war sein erster Triumph in der Moto2 und sein zweiter WM-Sieg nach seinem Heimtriumph im Jahr 2008 in Donington in der 125er-Klasse. Hinter Redding wurde Kallio als Zweiter gewertet, womit das Marc-VDS-Team den ersten Doppelsieg in der Teamgeschichte feierte.

Redding war zudem der erste Nicht-Spanier, der in diesem Jahr einen Grand Prix gewann. „Es ist beeindruckend. Es ist bei diesen Bedingungen ein verdienter Sieg“, freut sich Redding nach diesem Durchbrucherfolg. „Ich bin sehr froh und möchte dem Marc-VDS-Team und allen Mechanikern danken. Es ist toll, endlich gewonnen zu haben.“ Redding führt die WM nun mit einem Vorsprung von 24 Punkten auf Rabat an.

Während Redding das Rennen über weite Strecken von der Spitze kontrollierte, musste Kallio gegen die Verfolger kämpfen. „Es gab während des Rennens viele harte Zweikämpfe. Es fühlt sich wie ein Sieg für mich an, weil wir an diesem Wochenende Probleme hatten, auf Tempo zu kommen“, so der Finne. „Doch jetzt im Rennen lief es gut. Ich hatte einen richtig guten Start und versuchte, den Führenden zu folgen. Dann wollte ich in den letzten Runden attackieren. Ich habe es aufs Podium geschafft und freue mich fürs Team.“

WM-Punkte für Cortese & Schrötter

Simeon wurde als Dritter gewertet und kletterte zum ersten Mal in seiner Karriere auf das Podest. „Wir arbeiteten jetzt seit zwei Jahren für dieses Podium. Wir haben mit dem SAG-Team in diesem Jahr einen Schritt nach vorne gemacht. Bei jedem Rennen machen wir einen Schritt nach dem anderen und werden immer besser“, freut sich der Belgier. „Heute konnten wir unser wahres Potenzial zeigen. Ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal war.“ Simeon fährt im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Schrötter mit der aktuellen Version der Kalex.

Aegerter verpasste als Vierter erneut knapp einen Podestplatz. Es war schon sein dritter Vierte Platz in dieser Saison. Zarco landete schließlich als Fünfter am Ende dieser Spitzengruppe. Dahinter belegten Pasini, di Meglio, Julian Simon (Kalex) und West die Positionen sechs bis zehn. Krummenacher wurde für seine starke Aufholjagd von Startplatz 32 mit fünf Punkten für Rang elf belohnt. Dahinter folgte Simone Corsi (Speed Up) als Zwölfter.

Ein Erfolgserlebnis gab es auch für Cortese. Nach einem schwachen Start arbeitete sich der Deutsche durch das Feld und holte als 13. seine ersten WM-Punkte. Schrötter setzte seine Punkte-Serie als 14. fort. Der letzte Zähler ging an Lokalmatador Louis Rossi (Tech 3). Espargaro konnte nach seinem Ausrutscher weiterfahren, doch er ging als 20. leer aus. Rabat hatte im Ziel zwei Runden Rückstand.

Die rutschigen Verhältnisse wurden vielen Fahrern zum Verhängnis, denn in die Wertung kamen nur 24 Starter. Zu den Sturzopfern zählten auch Ricard Cardus (Speed Up), Nicolas Terol (Suter), Steven Odendaal (Speed Up) und Elias. Gino Rea (FTR) musste bei seinem ersten Start in diesem Jahr einen langen Boxenstopp einlegen und kam nicht in die Wertung. Der nächste Grand Prix findet am 2. Juni im italienischen Mugello statt.

Ergebnisse Moto2 Le Mans

1 25 45 Scott REDDING GBR Marc VDS Racing Team KALEX 36’43.583 150.4
2 20 36 Mika KALLIO FIN Marc VDS Racing Team KALEX 36’44.673 150.3 1.090
3 16 19 Xavier SIMEON BEL Desguaces La Torre Maptaq KALEX 36’44.817 150.3 1.234
4 13 77 Dominique AEGERTER SWI Technomag carXpert SUTER 36’45.284 150.2 1.701
5 11 5 Johann ZARCO FRA Came Iodaracing Project SUTER 36’45.442 150.2 1.859
6 10 54 Mattia PASINI ITA NGM Mobile Racing SPEED UP 36’55.855 149.5 12.272
7 9 63 Mike DI MEGLIO FRA JiR Moto2 MOTOBI 36’55.961 149.5 12.378
8 8 60 Julian SIMON SPA Italtrans Racing Team KALEX 37’13.295 148.4 29.712
9 7 95 Anthony WEST AUS QMMF Racing Team SPEED UP 37’14.062 148.3 30.479
10 6 15 Alex DE ANGELIS RSM NGM Mobile Forward Racing SPEED UP 37’14.818 148.3 31.235
11 5 4 Randy KRUMMENACHE SWI Technomag carXpert SUTER 37’15.118 148.2 31.535
12 4 3 Simone CORSI ITA NGM Mobile Racing SPEED UP 37’15.258 148.2 31.675
13 3 11 Sandro CORTESE GER Dynavolt Intact GP KALEX 37’15.500 148.2 31.917
14 2 23 Marcel SCHROTTER GER Desguaces La Torre SAG KALEX 37’19.361 148.0 35.778
15 1 96 Louis ROSSI FRA Tech 3 TECH 3 37’28.628 147.4 45.045
16 52 Danny KENT GBR Tech 3 TECH 3 37’28.734 147.3 45.151
17 17 Alberto MONCAYO SPA Argiñano & Gines Racing SPEED UP 37’39.039 146.7 55.456
18 72 Yuki TAKAHASHI JPN IDEMITSU Honda Team Asia MORIWAKI 37’43.469 146.4 59.886
19 7 Doni Tata PRADITA INA Federal Oil Gresini Moto2 SUTER 37’45.678 146.2 1’02.095
20 40 Pol ESPARGARO SPA Tuenti HP 40 KALEX 37’49.997 146.0 1’06.414
21 44 Steven ODENDAAL RSA Argiñano & Gines Racing SPEED UP 38’31.590 143.3 1’48.007
22 55 Hafizh SYAHRIN MAL Petronas Raceline Malaysia KALEX 37’14.956 141.5 1 lap
23 80 Esteve RABAT SPA Tuenti HP 40 KALEX 38’30.735 130.4 2 laps
24 97 Rafid Topan SUCIPTO INA QMMF Racing Team SPEED UP 37’17.906 127.9 3 laps

Text von Gerald Dirnbeck

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