MotoGP 2016 - © Dorna

© Dorna – Welcher Hersteller ist für den Saisonauftakt am 20. März am besten gerüstet?

Am vergangenen Freitag endete in Katar der finale MotoGP-Test vor dem Saisonstart 2016. Auch in diesem Jahr hatten die Hersteller neun Tage Zeit, um sich für die neue Saison vorzubereiten.

Es wurde in Sepang, auf Phillip Island und in Losail jeweils drei Tage lang getestet. Durch die Einführung der Einheitselektronik und den Wechsel des Reifenherstellers war die Vorsaison für die Fahrer und Teams in diesem Jahr aber deutlich stressiger.

Neben der neuen Elektronik und den Michelin-Reifen hatten die Teams zahlreiche neue Teile zu testen. Die Hersteller versuchten, sich bestmöglich auf die Charakteristik der neuen Reifen einzustellen, was hauptsächlich durch Änderungen der Gewichtsverteilung realisiert wurde. Im Vergleich zu 2015 wanderte das Gewicht tendenziell nach hinten, um die mangelnde Stabilität der Michelin-Reifen in den Griff zu bekommen.

Weltmeister Jorge Lorenzo beendete zwei von drei Tests als schnellster Fahrer. Sowohl in Sepang als auch in Losail schockierte der Spanier die Konkurrenz. Sowohl in Sepang als auch in Losail war Lorenzo mehr als eine halbe Sekunde schneller als der Rest. Auf Phillip Island haderte der Titelverteidiger, war als Vierter aber bester Yamaha-Pilot.

Valentino Rossi mit Rückstand
Teamkollege Valentino Rossi hielt sich bei den drei Tests mit aggressiven Attacken zurück. Der WM-Zweite von 2015 war auf jeder Strecke konkurrenzfähig, konnte Lorenzo aber nur selten das Wasser reichen. Auf eine Runde ist Rossi wie im vergangenen Jahr deutlich langsamer. Beim Renntempo dürfte der Rückstand geringer sein. Fakt ist, dass Yamaha für den Saisonauftakt gut aufgestellt ist.

Yamaha-Teamdirektor Massimo Meregalli zieht nach dem finalen Vorsaisontest ein positives Fazit: „Es war wichtig für uns, die Vorsaison so zu beenden, wie wir sie hier beenden konnten. Normalerweise haben wir hier an den beiden ersten Tagen immer zu kämpfen. Wenn dann die Haftung besser wird, läuft es auch für uns besser. Wir sammelten beim Test sehr viele Informationen. Wir konnten die schnellste Runde fahren und waren auch bei der Rennsimulation mit Jorge und Vale ziemlich gut unterwegs“, berichtet Meregalli im Gespräch mit ‚MotoGP.com‘.

„Unterm Strich waren die Ergebnisse bei diesen drei Tests sehr gut. Das schenkt uns für das Rennwochenende sehr viel Zuversicht“, fasst der Yamaha-Teamdirektor zusammen. Offensichtlich ist, dass Honda im Winter große Schwierigkeiten hatte. Der Verlust der eigenen HRC-Elektronik traf die Japaner schwer. Die Charakteristik der Michelin-Reifen war für die aggressive RC213V keine Hilfe. Fraglich ist, ob die Honda-Ingenieure bis zum Saisonstart noch Verbesserungen erzielen, um zur Spitze aufzuschließen.

Honda in Schwierigkeiten
„Ich würde sagen, es gibt nach wie vor sehr viel Raum für Verbesserungen“, bemerkt HRC-Technikdirektor Takeo Yokoyama nach dem abschließenden Wintertest in Katar. „Wir mussten uns auf die neuen Reifen und die Einheitselektronik einstellen. Das waren meiner Meinung nach mit die größten Veränderungen in der Geschichte der MotoGP.“

„Wir haben viel Arbeit bewältigt und liegen vor dem ersten Rennwochenende nicht so weit zurück“, ist Yokoyama überzeugt und gibt sich vor dem ersten Rennwochenende der neuen MotoGP-Saison kämpferisch: „Man weiß nie genau, wie gut die anderen Teams auf dem Gebiet der Elektronik sind. Wir sind recht zuversichtlich und sollten nicht zu weit zurückliegen.“


Wie gefährlich ist Ducati?
Ducati genießt in der Saison 2016 die Rolle des Geheimfavoriten. Im Winter wurde viel über die Magneti-Marelli-Elektronik diskutiert, deren Funktionsweise Ducati bestens kennt. Obwohl Andrea Iannone und Andrea Dovizioso keine Bestzeiten fuhren, muss in Katar mit den beiden Werks-Ducatis gerechnet werden. Das Longrun-Tempo beim finalen Test war überzeugend und dürfte selbst Yamaha vor Probleme stoßen.

Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti gibt sich bescheiden: „Es waren drei positive Tage für uns. Unsere Fahrer arbeiteten intensiv und fuhren viele Runden. Wir absolvierten Rennsimulationen mit guten Ergebnissen. Wir sind ziemlich zufrieden und verstanden ein paar Dinge beim Motorrad und den Reifen“, schildert der Ducati-Manager, der mit der Entwicklung der neuen Desmosedici GP zufrieden ist.

„Wir sind zuversichtlich, ein gutes Tempo für das Rennen zu haben“, stellt Ciabatti klar. „Die Dinge können sich in den zwei Wochen bis zum Rennwochenende etwas ändern, doch unsere beiden Fahrer sind zuversichtlich und gelassen, wenn es darum geht, die richtigen Lösungen gefunden zu haben.“

Bringt Maverick Vinales Suzuki in die Top 3?
Die Zeiten von Suzuki-Werkspilot Maverick Vinales waren eine der Überraschungen der Wintertests. Besonders auf Phillip Island und in Losail fuhr Vinales beeindruckende Zeiten. Den Test in Australien schloss der Spanier als Schnellster ab. In Losail führte der Suzuki-Pilot die Wertung stellenweise an und lag nach dem finalen Tag auf Position drei.

„Wir sind positiv überrascht, Maverick konstant an der Spitze zu sehen“, gesteht Teammanager Davide Brivio. „Für uns lief es nach dem Saisonfinale in Valencia sehr gut. Der erste Test mit Michelin war richtig gut. Zu diesem Zeitpunkt verwendeten wir noch unsere eigene Elektronik.“

„Die Wintertests waren gut. Besonders auf Phillip Island und in Katar waren wir konstant schnell. Das Motorrad konnte deutlich verbessert werden. Unser Motor ist spürbar besser. Wir haben aber auch an anderen Bereichen gearbeitet, wie dem neuen Seamless-Getriebe, das in Katar debütierte. Zudem konnten wir die Einstellungen der Elektronik verbessern. Unser Verständnis dafür wird immer besser“, freut sich Brivio, der gespannt ist, wozu Vinales in seiner zweiten MotoGP-Saison fähig sein wird. „Maverick selbst hat sich stark verbessert“, betont der Suzuki-Teammanager.

Aprilia mit Testrückstand
Durch die Verzögerungen bei der Entwicklung der neuen Aprilia RS-GP dürften Stefan Bradl und Alvaro Bautista ohne allzu große Erwartungen in die neue Saison starten. Das Motorrad debütierte bei einem privaten Test in Katar. Dafür ließ Aprilia das Kräftemessen in Australien ausfallen. In Sepang saßen die beiden Aprilia-Piloten auf den Vorjahresmaschinen.

Beim finalen Test in Katar hatte Aprilia erstmals einen Vergleich, wo man mit dem neuen Motorrad steht. Bautista lag als 18. mehr als 2,2 Sekunden zurück. Teamkollege Bradl war langsamster Stammpilot und hatte als 21. mehr als zweieinhalb Sekunden Rückstand. „Es war harte Arbeit. Das Motorrad ist komplett neu“, betont Aprilia-Rennleiter Romano Albesiano.

„Am dritten Tag in Katar war ich wirklich zufrieden. Wir konnten intensiv arbeiten und mit jedem Fahrer etwa 60 Runden abspulen. Der Test war wirklich wichtig. Die Fahrer konnten Runde für Runde mehr Vertrauen für das neue Motorrad aufbauen“, schildert Albesiano, der mit den Leistungen von Bautista zufrieden ist.

„Besonders die Rundenzeiten von Alvaro beeindruckten mich. Er fuhr konstant tiefe 1:57er-Zeiten. Er fuhr seine schnellste Runde mit einem Hinterreifen, der bereits 15 Runden alt war. Ich bin mit dem ersten echten Test ganz zufrieden“, bemerkt der Aprilia-Rennleiter. Spätestens beim ersten Grand Pris der Saison am 20. März wird sich zeigen, wie stark welcher Hersteller sein wird. Das erste Freie Training der MotoGP findet bereits am 17. März statt.

Text von Sebastian Fränzschky

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