Alex Hofmann - © D'Antin

Alex Hofmann war zwischen 2002 und 2007 ein Teil der MotoGP – © D’Antin

Zu Beginn der MotoGP-Ära war das Interesse der Hersteller groß, das Know-how in der neuen Viertaktklasse unter Beweis zu stellen. Immer wieder wechselnde Regeln und die angespannte wirtschaftliche Situation haben einen Teil der Motorrad-Hersteller bewegt, ihre Engagements zu beenden. Dazu zählen Aprilia, Kawasaki und Suzuki, die 2012 nur noch in der Superbike-WM an den Start gehen.

„Konstante Regeln sind ganz wichtig. Wenn wir jetzt die richtigen Regeln aufstellen, werden wir in drei oder vier Jahren Kawasaki, BMW und andere in der MotoGP sehen“, ist sich ‚Sport1‘-Experte Alex Hofmann im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘ sicher. „Dann hat man vielleicht die Chance, nicht mit 50 sondern mit 20 Millionen um Siege zu fahren.“

Zu hohe Kosten

Begrenzte Budgets dürfen laut Hofmann kein K.o.-Kriterium sein, um in der MotoGP mitzumischen. „Ich sehe das Ende der Wirtschaftskrise noch nicht. Das ist kein gutes Zeichen für unsere Zukunft. Die Welt dreht sich auch ohne die MotoGP, so lieb wir den Sport auch haben“, bemerkt der ehemalige Pilot. Auch Crescent-Suzuki-Teamchef Paul Denning, der bis 2011 die Geschicke des Suzuki-Teams in der MotoGP leitete, weist auf ein Umdenken hin.

„Sicher läuft im Moment vieles richtig in den Weltmeisterschaften, doch ich denke, dass sich jeder eine etwas klarere Rollenverteilung zwischen Seriennähe und Prototypen in der MotoGP und der Superbike-WM wünscht“, stellt er fest. „Beide Serien sind im Moment etwas verschwommen, vor allem wenn es um die Menge an Entwicklungskosten geht, die manche Teams in die Superbike-WM stecken. Einige geben so viel Geld aus, dass sie auch in der MotoGP fahren könnten.“

„Ich denke, dass sich der Motorrad-Rennsport in einer Übergangsphase befindet. 2015/2016 wird die Situation deutlich stabiler sein. Wir werden einige große Regeländerungen sehen“, prognostiziert Denning. Suzuki arbeitet hinter den Kulissen bereits an einer Rückkehr in die MotoGP. Doch solange die Richtung ab der Saison 2014 noch unklar ist, wird wohl kein weiterer Hersteller der MotoGP beitreten.

Hofmann fordert Konstanz

Hofmann beobachtet die Entwicklung bei Suzuki und erkennt viele Parallelen zu Jorge Lorenzos Einsatzgerät: „Suzukis Entwicklung ist eine Kopie der Yamaha M1. Die Kurbelwelle dreht in die gleiche Richtung, die Zündfolge ist die gleiche – das ist ganz klar eine Kopie von der aktuellen M1. Die Regeln stehen aber noch nicht fest. Es ist offen, wohin die Reise geht. Man fängt an, Millionen auszugeben und hat keine Gewissheit, ob es passt oder nicht. Das zerstört momentan Vieles.“

Zwischen 2003 und 2005 ging Hofmann für das ehemalige Kawasaki-Werksteam in der MotoGP an den Start. Die Erfolge der „Grünen“ waren überschaubar. Durch die Weltwirtschaftskrise zog sich der japanische Hersteller schlussendlich zurück. In der Superbike-WM feiert man seit geraumer Zeit erste Erfolge, die Mut machen, dass Kawasaki in die MotoGP zurückkommen könnte.

„Von einer Rückkehr in die MotoGP ist man bei Kawasaki kilometerweit entfernt“, berichtet Hofmann. „Wenn jetzt klare Spielregeln aufgestellt würden, dann könnte Kawasaki mit einer Kalkulation anfangen. In der Superbike-WM leistet Kawasaki mittlerweile gute Arbeit. Auf eine Runde sind sie die Schnellsten, im Rennen bekommen sie es noch nicht ganz hin. Sie könnten sich überlegen, ob sie mit den 18 bis 20 Millionen nicht lieber in die MotoGP gehen sollten. Das gilt auch für BMW und Aprilia.“

Droht den Prototypen das Ende?

Bleibt abzuwarten, wie die Verhandlungen vorankommen, die stabile Regeln ab 2014 garantieren sollen. Bis dahin muss befürchtet werden, dass die Prototypen den CRT-Bikes bald zahlenmäßig unterlegen sein könnten. Momentan besteht das MotoGP-Feld aus je vier Hondas, Yamahas und Ducatis. Durch die neun CRT-Piloten umfasst das MotoGP-Feld 21 Fahrer.
Doch 2013 könnten die Ducati-Satellitenteams wegfallen. Cardion ist mit dem Material unzufrieden und Pramac könnte das Geld fehlen, um in der MotoGP weiterzumachen. „Man sagt wohl, dass der Generatorenverkauf im Moment schlecht läuft und Pramac kurz vor dem Ruin steht“, berichtet Hofmann. „Pramac Racing ist aber wirtschaftlich davon abgekoppelt. Ich weiß nicht, wie da die genauen Strukturen sind, aber es ist ein insolventes Unternehmen, bei dem hinterfragt werden darf, ob der Einsatz eines Rennteams noch sinnvoll ist. Es kann schon gut sein, dass wir sie nicht mehr sehen werden.“

Text von Sebastian Fränzschky

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