© Honda - Honda-Pilot Casey Stoner ist mit der neuen Honda bereits in Jerez gefahren

Am heutigen Montag beginnt eine neue Ära in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Erstmals werden die Prototypen für das kommende Jahr auf der Strecke aufeinandertreffen. Honda hat zwei Motorräder mit 1.000 Kubikzentimetern Hubraum zum Testtag nach Brünn gebracht. Casey Stoner und Dani Pedrosa werden mit dem neuen Modell fahren. Für Andrea Dovizioso steht allerdings kein neues Motorrad zur Verfügung. Yamaha hat zwei brandneue M1 für Jorge Lorenzo und Ben Spies im Gepäck. Ducati hat die neue GP12 in Bologna gelassen. Valentino Rossi und Nicky Hayden werden mit der GP11.1 beziehungsweise der GP11 testen.

Brünn-Sieger Stoner ist das neue Modell bereits in Jerez gefahren. „Ich freue mich darauf und es wird sicher Spaß machen. Dazu findet der Test auf einer Strecke statt, die mir Spaß macht“, blickt der Australier dem Test gespannt entgegen. „Jerez ist eine Strecke, die nie so wirklich zu meinem Stil gepasst hat. Trotzdem habe ich mich dort mit dem Motorrad gut gefühlt. Wir werden sehen, wie diesmal der Test läuft. Wir vergleichen uns mit der Konkurrenz und sind auch auf einer anderen Strecke unterwegs. Ich freue mich auf die 1.000er.“

Sein Teamkollege hätte bereits in Jerez mit dem neuen Motorrad fahren sollen, doch aufgrund des Schlüsselbeinbruchs in Le Mans musste Pedrosa damals verletzungsbedingt passen. „Ich freue mich auf den Test. Ich habe schon einen Test verpasst, bei dem Casey gefahren ist. Ich wünsche mir, dass wir am Montag gutes Wetter haben werden – auch wenn es im Moment nicht so gut aussieht. Ich habe das Motorrad noch nicht gesehen. Am Anfang wird es wohl eher ein Funktionstest. Erst wenn es gut funktioniert, kann man wirklich damit beginnen, das Motorrad auszuprobieren.“

In der 800er-Ära (seit 2007) hat Honda keinen Titel gewonnen. Dafür ist Stoner in dieser Saison klar auf WM-Kurs. Pedrosa hält zum Ende der 800er-Arä fest: „Es war ein langer und harter Weg, das Bike zum Funktionieren zu bekommen.“ Unmittelbar nach dem Umstieg von der 990er-Maschine kam Pedrosa laut eigener Aussage nicht sonderlich gut zurecht. „Inzwischen liegt mir die 800er-Honda allerdings sehr gut, weshalb ich schon ein wenig traurig bin, dass sie verschwindet.“

Yamaha: Lorenzo erstmals auf einer 1.000er

Bei Konkurrent Yamaha ist die Ausgangslage etwas anders. Zum ersten Mal sehen die beiden Werksfahrer die neue M1. Für Weltmeister Lorenzo eine ganz neue Erfahrung, denn der Spanier ist noch mit einem Rennmotorrad gefahren, das über 1.000 Kubikzentimeter Hubraum verfügt. „Der Test wird sehr wichtig, weil wir endlich die 1.000er probieren. Ich bin noch nie mit so einer Art Motorrad gefahren, mit so einem starken Motor. Deshalb muss ich abwarten, ob ich meinen Fahrstil ändern muss“, sagt der Spanier im Vorfeld.

Sein Teamkollege Spies verfügt über einen ganz anderen Werdegang als die meisten anderen Piloten im Feld. Von der amerikanische Superbike-Meisterschaft (AMA) ist der Texaner über die Superbike-WM in die MotoGP gekommen. Er verfügt über keinerlei Erfahrung mit 125er oder 250er Zweitaktern. Dafür verfügt der 27-Jährige über reichlich Erfahrung mit 1.000er Rennmotoren.

„Ich möchte Spaß haben. Es ist ein neues Abenteuer und wir müssen auf alles gefasst sein. Ich denke, es wird Spaß machen, denn wir haben mehr Kraft zur Verfügung“, meint Spies. „Hoffentlich passt das Motorrad mehr zu meinem Fahrstil und hoffentlich müssen sich andere Fahrer anpassen. Das ist die Natur des Ungeheuers. Jedes Motorrad verlangt nach verschiedenen Dingen. Wir wissen aber noch nicht welche.“

„Es wird komplett anders. Die meisten Motorräder werden beim Chassis sehr ähnlich sein, aber es gibt unterschiedliche PS-Zahlen und Drehzahllimits. Deshalb werden sie auch anders zu fahren sein. Wir müssen abwarten. Hoffentlich ist das Wetter gut und ich muss den ersten Tag mit dem neuen Motorrad nicht im Regen verbringen.“

Die (noch) aktuellen 800er wurden von manchen Fahrern schon oft als große 250er bezeichnet. Man muss sehr präzise Linien wählen und viel Speed in den Kurven fahren. Es ist ein anderer Stil verlangt, als mit den 990ern oder mit Superbikes. Ist Spies froh, dass die 800er bald ins Museum wandern? „Ich freue mich auf die 1.000er. Es handelt sich um die MotoGP, die Königsklasse der Welt. Da sollte man mit 1.000ern fahren.“

„Man kann natürlich fragen, warum man überhaupt die 800er eingeführt hat, aber ich finde es ist ein guter Schritt, zu den 1.000ern zurückzukehren. Hoffentlich wird das Racing besser. Ich glaube, dass man mit den stärkeren Maschinen nicht mehr Überholmanöver, sondern Manöver an anderen Stellen sehen wird“, schätzt Spies.

„Selbst wenn man nach einem Ausbremsmanöver in der Kurvenmitte fast stehenbleibt, hat man dann immer noch die nötige Kraft für die Beschleunigung. Künftig geht es darum, wie man die Kraft nutzt. Im Gegensatz dazu würden wir jetzt oft mehr Kraft benötigen, die nicht vorhanden ist.“

„Die 1.000er werden garantiert über mehr Kraft und Drehmoment verfügen. Ich weiß gar nicht, ob man noch mehr Elektronik als jetzt in einem Motorrad verbauen kann, aber die 1.000er werden sicher mehr Spaß machen, vielleicht auch in einigen Bereichen schwieriger, aber für manche Fahrer wird es einfacher. Es ist sicher eine Anpassung für alle.“

Die Elektronik ist bei den 800ern ein elementares Werkzeug geworden. Wird sie bei den 1.000ern auch so eine große Rolle spielen? Kann man auch komplett ohne den elektronischen Helferlein fahren? „Man kann, aber das ist hart. Es wäre sicher interessant zu beobachten“, sagt Spies und schmunzelt dabei. „Mit soviel Kraft braucht man irgendeine Art von Hilfe. Ich bin jetzt schon sehr lange kein Motorrad ohne Traktionskontrolle gefahren.“

In der britischen Superbike-Meisterschaft (BSB) soll im kommenden Jahr eine Einheitselektronik eingeführt werden. In der MotoGP ist das derzeit kein Thema. „Es gibt immer Vor- und Nachteile. Es ist aber sicher schwierig, für alle Hersteller eine Einheitselektronik zu entwickeln. Ich sehe nicht, wie das funktionieren soll“, meint Spies dazu. „Ich finde, wenn man alles so lässt wie es jetzt ist, wird es sich mit der zusätzlichen Kraft wieder ausgleichen.“

Ducati konzentriert sich auf die GP11.1

Während sich die Honda- und Yamaha-Piloten auf die neuen Prototypen freuen, wird Ducati mit dem aktuellen Material testen. „In der Sommerpause habe ich mich mit Filippo (Preziosi, Konstrukteur; Anm. d. Red.) unterhalten und versucht ihm unsere Probleme zu erklären, aber auch die Bereiche, die verbessert werden müssen“, sagt Rossi.

„Ich habe jetzt aber keine Antworten, weil Filippo erst am Sonntag an die Strecke gekommen ist. Ich kann jetzt auch nicht sagen, was Ducati machen wird, denn ich habe nur mein Gefühl erklärt. Sie arbeiten hart und ich bin mir sicher, dass Filippo am Sonntag mit Verbesserungen aufkreuzen wird, die wir am Montag testen werden.“

„Es wird also ein wichtiger Test und hoffentlich ist das Wetter gut. Wir brauchen aber sicher noch mehr Zeit. Wir werden an der Elektronik arbeiten, speziell am System, das für die Beschleunigung zuständig ist. Über den Rest weiß ich nicht genau bescheid. Wir werden beide Motorräder (GP11 und GP11.1) miteinander vergleichen. Wir haben aber auch Kleinigkeiten bei der Vordergabel, die das Gefühl für das Vorderrad verbessern soll.“

Teamkollege Hayden wird ebenfalls mit beiden Motorrädern fahren. Nach der kurzen Probefahrt mit der GP11.1 in Laguna Seca kann sich der US-Amerikaner diesmal in Ruhe auf dieses Modell konzentrieren. Es geht bei ihm auch darum, mit welchem Motorrad er den Rest der Saison bestreiten wird. „Das hoffe ich, das wäre wirklich schön. Außerdem würde es mir in Bezug auf mein Motorenkontingent entgegenkommen.“

„Am Montag haben wir den ganzen Tag. Hoffentlich ist es genug Zeit, um ein Gefühl dafür zu bekommen und um zu wissen, in welche Richtung ich gehen muss“, sagt der Weltmeister von 2006. „In Laguna hatte ich nur eine Maschine, das hatte es wirklich verkompliziert. Und das eine Mal, an dem ich sie ausprobiert hatte, ist es nicht wirklich ein großer Schritt nach vorne gewesen. Deshalb zogen wir es vor, bei dem zu bleiben, was ich schon kannte.“

Am Rennwochenende fuhr Hayden ausschließlich mit der GP11. Für den Montag plant der 30-Jährige den Einsatz der GP11.1, um beide Motorräder miteinander vergleichen zu können. Mit Ausnahme von Randy de Punier (Pramac-Ducati), der nach dem Rennen große Schmerzen hatte, werden die übrigen Piloten im Feld mit ihrem gewohnten Material fahren.

Neben den vier neuen Prototypen für die kommende Saison, wird auch ein fünftes Motorrad mit einem 1.000er-Motor unterwegs sein. Das Marc-VDS-Team wird ebenfalls Runden mit der Suter-BMW abspulen. Im Sattel wird Mika Kallio sitzen. Auch Bridgestone widmet sich dem Test, denn es wird weiter an den Reifenspezifikationen für 2012 gearbeitet.

Text von Gerald Dirnbeck

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