Daniel Pedrosa, Marc Marquez © Repsol

© Repsol – Die jungen Piloten fahren einen anderen Stil als die routinierten Fahrer

Der Fahrstil der Motorrad-Piloten hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder verändert. Besonders in der MotoGP ist es alles andere als einfach, sich optimal auf die Maschinen einzustellen.

Durch die extreme Haftung der Bridgestone-Reifen und die hohen Motorleistungen haben die Piloten allerhand zu tun. Gibt man in Schräglage zu viel Gas, bremst die Traktionskontrolle den Vortrieb ein.

„Das habe ich auch lernen müssen, als ich in die MotoGP kam. Das Wichtigste ist einfach, die Leistung auch nutzen zu können“, analysiert Stefan Bradl bei ‚ServusTV‘. „Wenn ich auf der Flanke des Reifens unterwegs bin, kann ich nicht beschleunigen, weil es mir sonst seitwärts weggehen würde und ich einen Highsider hätte. Man muss schauen, dass man das Motorrad so schnell wie möglich senkrecht bekommt, um dann nach vorne zu beschleunigen.“

„Man muss für einen kurzen Moment sehr viel Schräglage fahren, um die Kurve fertig zu fahren, um dann so schnell wie möglich ans Gas zu gehen und die Leistung des Motorrads zu nutzen. Das ist da, wo man Zeit aufholen kann“, bemerkt der Deutsche. Markenkollege Dani Pedrosa mahct auf die körperlichen Anstrengungen aufmerksam: „Das körperliche Training ist sehr wichtig. Es mag am Fernsehbild locker und flüssig aussehen, aber du benötigst viel Kraft, um das Motorrad zu halten, wo es ist. Das Motorrad im Griff zu halten, ist körperliche Arbeit. Wenn du eine bessere Technik hast, brauchst du weniger körperlichen Aufwand.“

Hofmann vergleicht die Piloten

Experte Alex Hofmann sammelte zwischen 2003 und 2007 Erfahrungen als Stammfahrer in der MotoGP. „Der ein oder andere ist eher ein Beschleunigungswunder und sehr stark auf der Bremse, wie der Dani. Stefan ist noch ein bisschen mehr im Moto2-Stil. Er fährt höhere Schräglagen, deshalb ist ab und zu auch mal der Ellenbogen auf dem Boden“, erklärt Hofmann. „Das macht Dani nicht, allerdings ist er auch kleiner.“

„Das sind Feinheiten, die zu Hause vor dem Fernseher fast nicht zu sehen sind. Das ist die Creme de la Creme des Motorradrennsports. Am Schluss muss man sich selber wohlfühlen. Der eine macht es lieber so, der andere eben ein bisschen anders“, schildert Hofmann. „Ich war immer eher zu groß und dadurch auch zu schwer, was kein Vorteil war. Ich hatte aber auch Vorteile. Wenn es geregnet hat, hatte ich das Knie schneller am Boden als Dani.“

„Dani ist ein Beschleunigungswunder. Er wiegt komplett angezogen keine 70 Kilogramm, das fährt natürlich geradeaus ohne Ende. Dafür muss er körperlich mehr investieren, aber manchmal fällt es ihm schwer, dieses Motorrad mit den vielen PS umzulegen. Körperlich ist Stefan der perfekte Jockey, das ist die perfekte Größe“, betont Hofmann. „Das Anbremsen kann man sich wie einen Dauer-Liegestütz vorstellen. Man muss das Gewicht hinten halten. Das sind Beschleunigungen und Bremsverzögerungen, die man sich gar nicht vorstellen kann.“

Große Veränderungen beim Fahrstil

Doch wie erkennen die Piloten das Limit? „Die Arbeiten nur an der Grenze. So ein Wochenende baut sich auf. In der letzten Runde im Qualifying geht man dann aus dieser Komfort-Zone heraus, über den Bereich hinaus, in dem man sich sicher fühlt“, so Hofmann. Wie groß die Unterschiede zu vergangenen Jahrzehnten sind, kann August „Gustl“ Auinger sagen. Der Österreicher gewann in den 1980ern einige WM-Läufe bei den 125ern.

„Es hat sich schon sehr viel verändert. In meiner Generation gab es schneller Kurven und Strecken, Schikanen waren eigentlich nicht gefragt oder waren auf den meisten Strecken nicht vorhanden. Daher war das lange Fahren in Schräglage das Thema. Darum ging es“, erinnert Auinger. „Heute bewundere ich die Burschen, wie sie es schaffen, die Motorräder mit solche extremen Kurvengeschwindigkeiten und Schräglagen dermaßen früh wieder aufzurichten, und die gesamte Motorleistung umzusetzen und zu nutzen. Das ist für mich unendlich beeindruckend, weil es rein fahrtechnisch Widersprüche darin gibt. Aus einer gewissen Kurvengeschwindigkeit resultiert eine bestimmte Fliehkraft. Wie kann er dann das Motorrad aufrichten und trotzdem auf der Bahn bleiben?“

Text von Sebastian Fränzschky

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