Valentino Rossi © Ducati

© Ducati - Valentino Rossi beendete den finalen Testtag in Sepang lediglich als Zehnter

Eine nüchterne Saison 2011 veranlasste bei Ducati das große Umdenken. Mit der GP12 trennte man sich vom innovativen Rahmenkonzept, welches vorsieht, dass der Motor ein Teil des Rahmens ist.

Beim ersten Sepang-Test Ende Januar präsentierten die Italiener das komplett neu konstruierte Motorrad für 2012 und waren mit den ersten Ergebnissen sehr zufrieden. Valentino Rossi freute sich, endlich ein Gefühl für das Vorderrad bekommen zu haben. Doch beim zweiten Test in Sepang verlief nicht alles nach Plan.

Das größte Problem war mit Sicherheit das Wetter. Regen reduzierte die effektive Testzeit erheblich. Zudem beklagten die Fahrer am ersten Tag eine schmutzige Fahrbahn, die keine klaren Feedbacks erlaubte. Während die Honda- und Yamaha-Piloten bereits an den Feinheiten tüftelten, standen bei Ducati umfassendere Tests auf dem Plan, die durch die Bedingungen in Malaysia nicht gerade begünstigt wurden.

Tappt Ducati weiter im Dunkeln?

„Wir konnten alle Teile testen, die wir mitgebracht haben. Unglücklicherweise verlief der Test durch das schlechte Wetter am ersten und zweiten Tag nicht wie gewünscht“, bilanziert der Technische Direktor Filippo Preziosi, der noch einmal unterstreicht, dass Ducati mehr Kilometer sammeln muss als die Konkurrenz: „Es ist klar, dass wir im Vergleich zu den anderen mehr testen müssen, weil wir die Lücke schließen wollen.“

Die Lücke von Superstar Rossi auf Spitzenreiter Casey Stoner betrug etwa eine Sekunde. „Natürlich sind wir froh darüber, dass der Abstand kleiner geworden ist. Das ist ein guter Trend“, freut sich Preziosi. Da das Feld enger zusammengerutscht ist, bedeutete diese eine Sekunde Rückstand allerdings, dass das Yamaha-Satellitenteam Tech 3 sowie die beiden Hondas von Gresini und LCR schneller waren als die Ducati-Werksmannschaft. Auch Pramac-Pilot Hector Barbera stand in der Zeitenliste weiter oben.

„Wir konnten die Lücke in zweiten Malaysia-Test verkleinern“, analysiert Teammanager Vittoriano Guareschi. „Ich weiß nicht, ob die anderen Fahrer Wert darauf gelegt haben, eine gute Zeit zu fahren. Wir haben getestet, um zu verstehen, was wir in der Zukunft benötigen und sind weniger auf Zeit gefahren. Sicher ist es schwierig, wenn man in die Zeitenliste schaut und sieht, dass man weit unten ist. Aber im Moment dreht sich bei uns alles um die Zukunft. Ich denke, dass die anderen Fahrer weiter sind und momentan ein stabileres Paket haben.“

Neue Traktionskontrolle

Das größte Verbesserungspotenzial sah Ducati in der Traktionskontrolle, die zwischen den beiden Sepang-Tests gründlich überarbeitet wurde. „Beim vergangenen Test hat Vale herausgefunden, dass sich das Motorrad etwas holprig verhält“, erinnert sich Preziosi. „Wir haben uns darauf konzentriert, diesen Aspekt zu verbessern. Dafür haben wir mit Franco (Battaini; Anm. d. Red.) in Jerez ein anderes Konzept getestet, das wir mit nach Sepang gebracht haben.“

„Es scheint, dass wir die Unruhe des Motorrades verringern konnten. Um sicherzustellen, dass es der richtige Weg ist, müssen wir das System auf unterschiedlichen Strecken testen“, stellt er klar. „Wir denken, dass wir nun eine Basis haben, auf der wir aufbauen können. Wir müssen damit arbeiten, damit wir verstehen, in welche Richtung wir gehen.“

„Positiv ist, dass die Feedbacks der Fahrer dem entsprachen, was wir erwartet haben. Nun müssen wir die verschiedenen Dinge zusammenbringen und ein Standard-Setup erarbeiten“, schildert Preziosi. Der Schwerpunkt des finalen Tests in Jerez ist die Abstimmung der neuen GP12.

Konstant neue Teile

„Ich habe Valentino gezeigt, was wir für die nahe Zukunft planen. Nach dem Ende der vergangenen Saison haben wir damit begonnen, für den ersten Sepang-Test etwas Neues zu konstruieren. Es gibt ein paar Dinge, die wir verbessern können. Aus diesem Grund habe ich ihm mitgeteilt, was wir machen und wann wir Änderungen erwarten können“, so Preziosi.

„Wir haben drei verschiedene Designer-Gruppen: Motor, Rahmen und Elektronik. Alle drei Gruppen arbeiten ununterbrochen. Wir werden also konstant neue Teile in den Bereichen Motor, Rahmen und Elektronik bringen“, erklärt Preziosi. „Wir wissen, dass unsere Fahrer in der Lage sind, um gute Plätze zu kämpfen. Wir arbeiten daran, unseren Fahrern diese Möglichkeit zu geben. Das hängt aber natürlich davon ab, was wir und unsere Gegner machen.“

Ein wesentlicher Punkt bei der Entwicklung der GP12 war die Performance bei unterschiedlichen Bedingungen. Durch das Konzept der GP11 hatte das Team nur wenige Möglichkeiten, das Motorrad an die Strecke anzupassen, weil die Position des Motors vorgegeben war. „Wir möchten sicherstellen, dass sich das Motorrad bei unterschiedlichen Bedingungen gut anfühlt“, stellt Teammanager Guareschi klar. „In Sepang war es sehr heiß. In Jerez wird es sicher anders sein. Zu Saisonbeginn werden wir vermutlich bei kühleren Bedingungen fahren.“

„Die GP11 war sehr empfindlich auf die Bedingungen. Das sollte bei der GP12 deutlich besser sein“, hofft er. „Der erste Eindruck war gut. Ich denke nicht, dass Valentino da einen falschen Eindruck hatte, als er das sagte.“ Siege hält man bei Ducati zumindest zu Saisonbeginn noch nicht für möglich, auch wenn Honda und Yamaha laut Preziosi „nicht so weit weg sind“.

Stoner ist klarer Favorit

„Casey ist schnell“, stellt Guareschi fest.“Sicher ist er der Favorit. Er hat die Weltmeisterschaft gewonnen.“ Dahinter hat das Ducati-Team Jorge Lorenzo auf der Rechnung. „Jorge scheint auf eine Runde nicht besonders schnell zu sein, hat aber ein gutes Renntempo“, bemerkt Preziosi. „Vielleicht kann er mit Casey kämpfen, der während der Tests klar der Schnellste war. Er ist der Weltmeister. Jeder schiebt ihm die Favoritenrolle zu.“

Hinter Stoner und Lorenzo könnte Routinier Rossi auf das Podest klettern, wenn es nach Teammanager Guareschi geht: „Platz drei ist kein Traum. Das sollte möglich sein. Wir müssen uns weiter verbessern, weil wir nicht den letzten Podestplatz anstreben sondern den Sieg.“

„Wir arbeiten in eine gute Richtung. Valentino ist wie ein Hai. Wenn er die Witterung aufnimmt, dann greift er an“, weiß Guareschi. „Valentino sollte Siegen näher kommen. Der Kampf ist seine Spezialität. Da wir mit einem kleineren Abstand in die Saison gehen, halte ich Siege für möglich. Vergangenes Jahr war es unmöglich. Ich erinnere mich an den Test vom Vorjahr. Da war unser Rückstand größer als zwei Sekunden. Nun fehlt uns nur noch eine Sekunde. Wir sind recht nah am Podium dran. Sicher haben wir einen Schritt gemacht.“

Text von Maximilian Kroiss & Sebastian Fränzschky

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