© Gresini - Gresini-Pilot Marco Simoncelli fuhr auch am Testtag die schnellste Rundenzeit

Am Montag nach dem Grand Prix von Portugal stand ein offizieller Testtag für die MotoGP-Szene auf dem Programm. Bei angenehmen Temperaturen und besten Bedingungen konzentrierten sich die Teams und Fahrer auf Verbesserungen ihrer Maschinen. 16 Piloten drehten ihre Runden. Zwei Fahrer fehlten ganz: Randy de Puniet (Pramac-Ducati) klagte am Sonntag nach dem Rennen über Schmerzen in seinem Knie und verzichtete auf den Test.

Auch Hector Barbera musste passen, weshalb die Aspar-Mannschaft ebenfalls einen freien Tag hatte. Bei seinem wilden Highsider am Vortag hatte sich der Spanier einen Wirbel verletzt und durfte nicht auf seine Ducati steigen. Zwei Piloten drehten nur wenige Runden: Dani Pedrosa war die Anstrengung des Wochenendes anzumerken. Die Schulter des Honda-Piloten schmerzte stark, weshalb der Rennsieger bereits nach 17 Runden zusammenpackte.

Auch Landsmann Alvaro Bautista fuhr nur wenige Umläufe und schonte anschließend sein Bein, das immer noch nicht zu 100 Prozent verheilt ist. Der Spanier übergab anschließend die Suzuki an Testfahrer Nobuatsu Aoki, der sowieso das ganze Wochenende bereitstand, falls Bautista das Rennen nicht hätte fahren können.

Simoncelli ärgert Rennsturz noch immer

Die Bestzeit holte sich Marco Simoncelli. Bereits am Rennwochenende zeigte der Gresini-Pilot eine starke Leistung, doch je ein Sturz im Qualifying und im Rennen verhinderten starke Resultate. Am Montag war der Italiener wieder gut in Form und markierte in 1:36.211 Minuten die Bestzeit. Im Anschluss daran zeigte sich Simoncelli mit der Leistung zufrieden, aber der Crash im Rennen ärgerte ihn noch mehr.

Weltmeister Jorge Lorenzo war mit 91 Runden einer der fleißigsten Piloten. Er war in der Früh auch der Erste auf der Strecke. Hauptsächlich kümmerte sich der Spanier um die Elektronik und experimentierte mit den Aufhängungen. Auf Platz zwei fehlten dem Yamaha-Star 0,105 Sekunden auf Simoncelli.

Stoner mit 2011er Vordergabel zufrieden

Casey Stoner war einer der Fahrer mit den wenigsten Runden. Die Rückenprobleme traten auch am Montag auf, weshalb der Australier den Estoril-Kurs nur 34 Mal umrundete. Der Weltmeister von 2007 setzte auf die 2011er-Vordergabel von Öhlins, mit der er bei den Wintertests nicht klargekommen war. Die Resultate waren positiv, also wird er das neue Produkt in Le Mans verwenden. Die neue Kupplung verbesserte die Motorbremse an der Honda.

Auf dem vierten Platz setzte sich Rookie Cal Crutchlow gut in Szene. Seine Tech-3-Crew experimentierte mit der Abstimmung des Chassis und der Elektronik, damit der Brite noch mehr aus der M1 herausholen kann. Ab Rang fünf betrug der Abstand zu Simoncelli bereits mehr als eine Sekunde. Valentino Rossi nahm diesen Platz ein.

Neues Chassis bei Ducati

Für Ducati war der Test extrem wichtig. Beide Piloten probierten das neue, flexiblere Chassis aus und fuhren Vergleichstests. Jeweils ein Motorrad entsprach der Spezifikation vom Rennen, das andere mit den Modifikationen. Die Elektronik wurde ebenfalls weiter verfeinert. Rossi klassierte sich mit insgesamt 82 Runden und 1,171 Sekunden Rückstand an der fünften Stelle. Teamkollege Hayden wurde Neunter.
Bridgestone brachte zwei neue Reifentypen nach Estoril, die mit Blick auf die neuen 1.000er-Maschinen für 2012 entwickelt wurden. Routinier Colin Edwards zeigte sich zufrieden, denn sie wärmten sich in den ersten beiden Runden besser auf. Der Tech-3-Pilot wurde Sechster und verfeinerte seine Rennabstimmung vom Vortag, um mehr Traktion zu finden.

Ben Spies fährt bei Tests gewöhnlich nie extrem viele Runden und begnügte sich auch diesmal mit 69 Umläufen. Auch er teilte die Meinung seines Landsmanns Edwards über die neuen Reifen. Der Superbike-Weltmeister von 2009 probierte eine neue Hinterradschwinge und neue Aufhängungsteile an seiner Yamaha aus. Als Siebter war einen Tick langsamer als sein ehemaliger Tech-3-Teamkollege.

Dovizioso: Kupplung stark verbessert

Im Rennen konnte Andrea Doviziosi in einem spannenden Zielleinlauf noch Rossi abfangen, doch der Rückstand auf seine Teamkollegen Stoner und Pedrosa war groß. Deshalb kümmerte auch er sich um die Abstimmung seiner Honda. Mit der 2011er-Vordergabel war der Italiener zufrieden. Auch die neue Kupplung rutschte besser und reduzierte das Hüpfen des Hinterrades.

Unter dem Strich schien „Dovi“ auf Platz acht auf. Trotz der wenigen Runden wurde Pedrosa am Ende des Tages hinter Hayden auf Platz zehn geführt. Der Japaner Hiroshi Aoyama zog am Sonntag mit der Vorjahres-Honda mit Platz sieben ein respektables Ergebnis an Land. Beim Test arbeitete der letzte 250er-Weltmeister der Geschichte weiter an der Rennabstimmung und der Elektronik. Er wollte aber nicht zu viele Runden drehen, um den Motor zu schonen.

Elias der fleißigste Pilot

Einen Rang hinter Aoyama reihte sich Rookie Karel Abraham auf Platz zwölf ein. Der Tscheche hatte sich an den Trainingstagen gut präsentiert, doch ein Sturz in der zweiten Rennrunde verhinderte eine Punkteausbeute. Wegen dem Unfall schmerzte der Ellbogen und auch die Finger waren angeschlagen. Das behinderte den Ducati-Piloten bei seiner Suche nach mehr Grip am Hinterreifen.

Der fleißigste Pilot des Tages war Toni Elias mit 108 Runden. Nach dem schwierigen Saisonauftakt benötigte der amtierende Moto2-Champion jede Testrunde dringend. Zusammen mit seinem LCR-Honda-Team arbeitete Elias an vielen Baustellen, darunter die Chassis-Geometrie, die Aufhängungen und die Bremsstabilität. Man wollte eine Lösung erarbeiten, um die Reifen besser auf Temperatur zu bringen. Am Ende reihte sich der Spanier mit 2,2 Sekunden Rückstand als 13. ein.

Den letzten Platz der Stammfahrer belegte Loris Capirossi. Auch der Routinier versuchte seine Pramac-Ducati besser einzustellen. Schlusslicht war Suzuki-Tester Aoki, der am Nachmittag auf die GSV-R stieg und sich um die Elektronik kümmerte.

Die Testzeiten aus Estoril:
01. Marco Simoncelli (Honda) – 1:36.211 Minuten (70 Runden)
02. Jorge Lorenzo (Yamaha) 1:36.316 (91)
03. Casey Stoner (Honda) 1:36.602 (49)
04. Cal Crutchlow (Yamaha) 1:36.850 (71)
05. Valentino Rossi (Ducati) 1:37.382 (82)
06. Colin Edwards (Yamaha) 1:37.410 (51)
07. Ben Spies (Yamaha) 1:37.421 (69)
08. Andrea Dovizioso (Honda) 1:37.460 (63)
09. Nicky Hayden (Ducati) 1:37.463 (89)
10. Dani Pedrosa (Honda) 1:37.679 (17)
11. Hiroshi Aoyama (Honda) 1:38.032 (73)
12. Karel Abraham (Honda) 1:38.087 (85)
13. Toni Elias ESP (Honda) 1:38.412 (108)
14. Loris Capirossi (Ducati) 1:38.633 (97)
15. Nobuatsu Aoki (Suzuki) 1:38.850 (68)

Text von Gerald Dirnbeck

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