Nicky Hayden, Andrea Dovizioso - © Ducati

© Ducati – Stillstand statt Fortschritt: Die Ducati-Fahrer schieben Frust

In dieser MotoGP-Saison könnte man Starterfeld leistungsmäßig in drei Gruppen einteilen. Es gibt die CRTs, es gibt die Prototypen und es gibt die Ducati. Die sportliche Krise der Italiener, die seit der Saison 2010 auf einen Sieg warten, hält auch 2013 unvermindert an.

Andrea Dovizioso und Nicky Hayden fahren der Konkurrenz von Honda und Yamaha in der Regel deutlich hinterher und müssen sich mit CRT-Ass Aleix Espargaro herumschlagen. Seit Jahren versucht Ducati die Lücke zu schließen, doch ohne Erfolg.

Die Entwicklungen der Rennabteilung brachten das Team nicht voran. Sind die Probleme bei Ducati also hausgemacht? „Ich möchte keine schmutzige Wäsche waschen“, sagt Hayden. „Allerdings muss man feststellen: Das Lab-Bike, was wir nach Jerez getestet haben, und von dem sie dachten, es sei viel besser, war nicht besser.“ In der Tat war bei dem neuen Motorrad, welches von Testfahrer Michele Pirro bei einigen Rennen eingesetzt wurde, kein Fortschritt zu erkennen. „Sie haben viel daran gearbeitet und getestet, haben aber nie einen Schritt nach vorne gemacht“, so Hayden.

Allerdings war Hayden, der Ducati am Saisonende nach fünf Jahren verlassen wird, zuletzt auch nicht mehr aktiv in die Entwicklung eingebunden. „Ich bin nach Misano entgegen der ursprünglichen Planung aber nicht die aktuelle Version gefahren. Daher bin vorsichtig, mit dem was ich sage.“ Die kurzfristige Absage des Tests der neuesten Entwicklungsstufe der Desmosedici, die Ducati mit „Materialproblemen“ ominös begründet hatte, stößt Hayden immer noch sauer auf. „Ich war nicht glücklich damit, wie das gehandhabt wurde.“

Nach erfolglosen Versuchen mit dem Lab-Bike stellte Ducati die Arbeit daran ein und konzentrierte sich wieder auf die Weiterentwicklung der bestehenden GP13. Für die Ducati-Piloten ist dieser Fehlschlag fast schon symptomatisch. „Wenn man die Probleme nicht in den Griff bekommt, muss man sich hinterfragen. Liegt es am Personal? Sind es Fehler?“, so Hayden, während Teamkollege Dovizioso freimütig erklärt: „Die Leute, welche die Probleme beheben sollen, haben das nicht geschafft.“

Das will Hayden allerdings nicht so stehen lassen. „Es gibt eine Menge guter Leute, das ist sicherlich nicht das einzige Problem“, sagt der US-Amerikaner, der dem Team trotzdem ein schlechtes Zeugnis ausstellt. „Sie müssen alle Bereiche untersuchen, denn in diesem Jahr wurde die Lücke nicht einmal kleiner. Ich habe im Laufe der Saison leider eher das Gefühl, dass wir weiter zurückfallen.“ Dovizioso ist angesichts der Misere ratlos und weiß auch nicht, wo er uns sein Team ansetzen sollen: „Es gibt nicht das eine große Problem. Wir haben zwar Schwierigkeiten beim Einlenken, aber das alleine ist nicht der Grund für den großen Rückstand auf die Spitze.“
Hayden ist bei der Suche nach den Gründen für die Erfolglosigkeit in dieser Saison hingegen fündig geworden. Der Weltmeister von 2006 sieht in der Entmachtung des Entwicklungschefs Filippo Preziosi einen Grund für die aktuelle Misere. „Es gab einen großen Aufschrei, als er gegangen ist, denn er war so tief mit dem Motorrad vertraut. Das hat eine große Lücke hinterlassen“, sagt Hayden.

Preziosi war Ende 2012 von seinem Posten als General Manager der Rennabteilung entbunden worden und wurde nach Ansicht von Hayden nicht adäquat ersetzt. „Es gab zwar Leute, die seine Position eingenommen haben, aber vielleicht war das nicht die beste Lösung. Filippo war ein guter Anführer, die Leute haben auf ihn gehört. Wir wussten, wer verantwortlich war und bekamen eine klare Antwort auf alle Fragen“, trauert der US-Amerikaner seinem langjährigem Chef hinterher. „Daher ist es schade, dass er nicht mehr da ist.“

Text von Markus Lüttgens

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