Jorge Lorenzo, Valentino Rossi - © Yamaha

© Yamaha – Bis zum Ausfall kämpfte Valentino Rossi mit Jorge Lorenzo um die Führung

In der neunten Runde verstummten 100.000 Zuschauer auf den Tribünen und trauten ihren Augen nicht.

Valentino Rossi, der bis dahin mit Jorge Lorenzo um die Führung im Grand Prix von Italien kämpfte, wurde langsamer und rollte aus. Der Yamaha-Motor hauchte in einer weißen Rauchwolke sein Leben aus. „Was soll ich sagen? Es ist schwierig, irgendetwas zu sagen“, meint ein geknickter Rossi nach dieser herben Enttäuschung.

Es war alles angerichtet für ein großes MotoGP-Fest in Mugello. Die Tifosi auf den Tribünen sorgten für Stimmung und feuerten den berühmtesten Motorradrennfahrer der Welt frenetisch an. „Ich war hinter Lorenzo und muss ehrlich sagen, dass meine Pace besser war als seine“, beurteilt Rossi die ersten Runden. „Deshalb habe ich attackiert und versucht, in Führung zu gehen. Leider ist der Motor kaputt gegangen und ich glaube, es war das gleiche Problem wie bei Lorenzo im Warmup.“

Motorschäden sind in der MotoGP generell selten, vor allem bei Yamaha und Honda. Schon im Warmup verabschiedete sich bei Lorenzo ein Motor in einer großen Rauchwolke. „Wenn ich im Warmup eine Runde weniger gefahren wäre, dann wäre der Motor im Rennen hochgegangen“, sagt Lorenzo zu seinem Defekt. „Deshalb hatte ich Glück, Valentino hat heute Pech. Man muss sich natürlich Sorgen machen um die Motoren. Es ist nicht alltäglich, dass zwei Motoren innerhalb weniger Stunden hochgehen. Vielleicht hatten wir ähnliche Probleme, wir müssen eine Lösung dafür finden.“

Auch Rossi hatte nach dem enttäuschenden Ausfall Sorgenfalten auf der Stirn. Probleme mit der Zuverlässigkeit sind in den vergangenen Jahren zu einer Seltenheit bei Yamaha geworden. „Wir machten uns Sorgen, weil das normalerweise nicht passiert“, sagt der Italiener und geht ins Detail: „Mein Motor hatte weniger Kilometer als Lorenzos. So wie in Jerez und Le Mans haben wir den frischeren Motor am Sonntag eingebaut. Die Zeit war zu knapp, um seinen Motor zu zerlegen und das Problem zu suchen. Also machten wir mit unserem Programm weiter und hatten Pech.“

37 Punkte Rückstand in der WM

Für den Altmeister war es im sechsten Rennen schon der zweite Ausfall. „Es ist immer sehr schade, wenn man im Rennen ein technisches Problem hat. Diesmal ist es auch noch dazu in Mugello passiert. Die Fans sorgten für eine fantastische Atmosphäre. Ich bin heute sehr stark gefahren, habe mich auf dem Bike wohlgefühlt und war sehr schnell. Ich konnte um den Sieg kämpfen. Das ist ein Traum von mir, denn mein letzter Mugello-Sieg war 2008. Ich war heute sehr schnell.“


Lorenzo hält nun schon bei drei Saisonsiegen, Marquez bei zwei und Rossi bei einem. Das Pendel in der WM schlägt derzeit nicht in Richtung des Italieners aus, wie ihm bewusst ist: „Für die WM ist das natürlich nicht gut. Ich habe keine Punkte, während Lorenzo und Marquez Erster und Zweiter sind. Mir fehlen jetzt 37 Punkte. Das ist ein großer Rückstand. Der positive Aspekt ist, dass ich heute schnell und stark war. Ich wollte um den Sieg kämpfen. Jetzt muss ich es in Barcelona versuchen.“

Die laufende Saison ist genau umgekehrt wie 2015. Im vergangenen Jahr war Rossi der Meister der Konstanz und hatte so bis zum Ende Titelchancen. Jetzt steht er mit dem Rücken zur Wand. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: „In diesem Jahr bin ich stärker und schneller, auch im Training“, betont Rossi. „Leider habe ich in Austin einen Fehler gemacht, aber auch Lorenzo und Marquez haben Fehler gemacht. Leider wirkt dieser Ausfall sehr schwer. Mein letzter Motordefekt im Rennen war Misano 2007. Das kann passieren. So ist es eben. Man kann nichts tun. Ich muss die positiven Aspekte mitnehmen.“

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr konnte Rossi in Mugello gegen Lorenzo kämpfen und hätte womöglich auch die besten Karten für den Sieg gehabt. Trotzdem sagt Rossi zu dem Duell: „Ich versuchte Lorenzo nur einmal am Ende der ersten Runde zu überholen, aber ich machte einen Fehler und habe zu spät gebremst. Im Windschatten kommt man viel schneller beim Bremspunkt an. Anschließend habe ich nie versucht, Lorenzo zu überholen. In Runde sechs bekam das Motorrad ein Problem und ich wäre beinahe gestürzt. Vielleicht hatte der Motor schon einen Defekt. Deshalb bin ich noch einmal von der Linie abgekommen, ich habe aber gleich wieder auf Lorenzo aufgeschlossen, weil ich schneller war. Dann ging der Motor kaputt.“

Text von Gerald Dirnbeck & David Emmett

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