Jorge Lorenzo - © GP-Fever.de

© GP-Fever.de – Weltmeister Jorge Lorenzo schwankt zwischen Yamaha und Ducati

Jorge Lorenzos Vertrag bei Yamaha läuft Ende der Saison aus. Um sich bei der Titelverteidigung nicht ablenken zu lassen, bat Lorenzo die Verantwortlichen bei Yamaha, die Vertragsverlängerung vor dem Saisonstart in Katar vorzubereiten.

In der Woche vor dem Rennwochenende erhielten Lorenzo und Teamkollege Valentino Rossi zeitgleich neue Angebot von Yamaha. Rossi sagte spontan zu, Lorenzo zögerte.

Rossi Vertragsverlängerung verärgerte Lorenzo, der sich wünschte, Yamaha hätte mit der Bekanntgabe gewartet. „Ich denke, wir hatten das Recht, die Verlängerung bekanntzugeben. Hätte Jorge sich dazu entschieden, zu verlängern, dann hätten wir das ebenfalls bekanntgegeben“, kontert Yamaha-Rennleiter Lin Jarvis, der Lorenzo über die Verlängerung seines Teamkollegen vor der Bekanntgabe informierte.

„Wir bereiteten für beide Fahrer Verträge vor. Beide erhielten vor dem Saisonstart von Yamaha die bestmöglichen Angebote. Valentino entschied sich ohne Zögern zur Vertragsverlängerung und wir gaben das später bekannt. Jorge bat um mehr Zeit, um seine Zukunft zu überdenken“, berichtet Jarvis, der Lorenzo nicht ewig Zeit geben möchte. „Es gibt eine Deadline“, betont der Brite.

Zögert Lorenzo wegen Ducati?

„Jorge hatte Interesse daran, seinen Vertrag vor dem Start der neuen Saison zu verlängern. Deswegen waren wir so zeitig dran, denn sein Vertrag war vor dem Saisonstart fertig“, erklärt der Yamaha-Rennleiter, der sich bewusst ist, dass das Verhältnis zwischen den beiden Yamaha-Werkspiloten angespannt ist.

„Wir setzen in unserem Team auf Gleichberechtigung. Deswegen haben wir Valentinos Vertrag zeitgleich ausgearbeitet. Es wäre unserer Meinung nach nicht korrekt gewesen, nur einem Fahrer eine Vertragsverlängerung anzubieten“, stellt Jarvis klar. Nun wartet Yamaha auf Lorenzos Entscheidung. „Wir machten ihm das bestmögliche Angebot. Das liegt ihm seit Anfang der vergangenen Woche vor“, schildert Jarvis.


Der Yamaha-Rennleiter kann gut verstehen, warum Lorenzo zögert. Seit 2008 fährt der Spanier für das Yamaha-Werksteam. Jarvis kennt den dreimaligen MotoGP-Champion sehr gut: „Jorge möchte immer alle Möglichkeiten kennen und genau abwägen, bevor er eine Entscheidung trifft. Er möchte stets zu 100 Prozent hinter seiner Entscheidung stehen. Er wird abwägen, was er bei Yamaha hat. Er weiß, was er bei Yamaha hat. Er hat eine tolle Crew, ein starkes Motorrad.“

Yamaha hofft auf eine Verlängerung
„Er wird überlegen, ob er in dieser für seine Karriere wichtigen Zeitspanne zwei Jahre weitermacht und seine Zukunft bei Yamaha sieht oder ob jetzt der Zeitpunkt für einen Wechsel ist. Das ist eine wichtige Einschätzung. Jorge will alles genau wissen, die Vor- und Nachteile abwägen und sich dann entscheiden“, erläutert Jarvis und bemerkt: „Das ist sein gutes Recht.“

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Lorenzo Yamaha weiterhin treu bleibt? „Ob ich mir sicher bin? Man kann sich nie sicher sein, dass ein Fahrer einen Vertrag unterschreibt. Es gibt andere Hersteller. Jorge ist der amtierende Weltmeister und einer der schnellsten Fahrer. Es ist nachvollziehbar, dass es andere Teams und Hersteller gibt, die sich für seine Dienste interessieren“, erklärt Jarvis, der in Richtung Ducati schaut.

„Ich denke, Ducati ist die Alternative. Honda verfügt bereits über einen Spitzenfahrer. Ducati hat zwei sehr starke Fahrer, doch ich denke, sie suchen nach einem richtigen Spitzenfahrer, einem aus den Top 4, damit sie den nächsten Schritt gehen können. Deswegen denke ich, dass Ducati seine Alternative ist“, so Jarvis. „Wir können nicht mehr machen. Wir sind sehr zufrieden, was unser Angebot und unser Paket angeht. Wir haben das beste Team der Welt.“

Welche Alternativen hat Yamaha?

Lorenzo selbst hat sich noch nicht zu den Verhandlungen geäußert. Lediglich das Management des Spaniers bezog zu den Vertragsverhandlungen Stellung und bestätigte, dass Yamaha das bisher beste Angebot in Lorenzos Karriere machte. Offen ist, ob sich die Einstellung nach dem Saisonauftakt in Katar geändert hat. Ducati bestätigte, dass die 2016er-Maschine auf Augenhöhe mit der Konkurrenz ist.

Lorenzo spielt die starke Form der Ducatis beim Saisonauftakt herunter und erklärt nüchtern: „Es ändert nichts an meiner Einstellung. Es sind lediglich 25 Punkte und sehr viel dazu gewonnenes Selbstvertrauen. Es wirkt sich nicht auf die Zukunft aus.“ Yamaha muss parallel nach Alternativen für den amtierenden Weltmeister suchen. Ein möglicher Kandidat wäre Suzuki-Pilot Maverick Vinales, der als nächstes großes Talent nach Marc Marquez gilt.

„Man kann nie einen Fahrer komplett ersetzen. Sicher würden wir einen Ersatz finden. Doch dieser Fahrer wäre nie mit Jorge zu vergleichen. Er würde vermutlich nicht das Tempo von Jorge erreichen. Oder es würde an der Erfahrung mangeln. Ich hoffe, dass Jorge mit Yamaha weitermacht. Yamaha hofft das ebenfalls“, bemerkt Jarvis. „Deshalb haben wir ihm ein sehr gutes Angebot gemacht.“

„Es handelt sich um einen Vertrag für 2017 und 2018. Mit etwas Glück entscheidet sich Jorge bald, mit uns weiterzumachen“, erklärt der Yamaha-Rennleiter, der sich nach Alternativen umsieht: „Wir müssen einen Plan B und einen Plan C haben. Es gibt ein paar Ideen. Es ist ziemlich offensichtlich, weil sich alle nach dem nächsten großen Talent umschauen. Ich werde aber keine Namen nennen“, so der Brite.

Text von Sebastian Fränzschky

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