© Ducati - Trotz seiner Verletzungen hat Nicky Hayden die Reise nach Italien auf sich genommen

Obwohl er durch seine bei einem Trainingssturz vor zwei Wochen erlittenen Verletzungen noch gehandicapt ist, ließ es sich Nicky Hayden nicht nehmen, zum Wrooom-Event von Ferrari und Ducati zu reisen. Die von Philip Morris und Puma organisierte Veranstaltung stellt traditionell den Jahresauftakt für die Piloten der italienischen Traditionsmarken dar und findet wie in den Vorjahren im Skiort Madonna di Campiglio statt. Ans Skifahren ist bei Hayden derzeit aber noch nicht zu denken, auch wenn er sich von seinen Verletzungen gut erholt.

„Anfangs war es etwas umbequem, da ich mir auch drei Rippen gebrochen habe, und das ist nie lustig“, sagt der US-Amerikaner. „Aber jetzt kann ich die Armschlinge abnehmen, mit ein wenig Reha anfangen und werde versuchen, in Malaysia fahren zu können.“ Allerdings steht derzeit noch nicht fest, ob er bis dahin tatsächlich wieder fahrtauglich sein wird. „Das wird knapp, denn das Schulterblatt ist recht ungünstig gebrochen, es war komplett durch.“

Operiert werden musste der MotoGP-Weltmeister von 2006 nicht, worüber er sehr froh ist. Denn ein operativer Eingriff hätte eine Teilnahme an den Testfahrten Ende des Monats unmöglich gemacht. „Dieser Knochen ist nicht einfach zu fixieren, da er von einer Menge Muskeln und anderem Weichgewebe umgeben ist, das man im Falle einer Operation durchtrennen muss. Mein Ziel ist, in Malaysia fahren zu können, denn ich habe schon einen Test in Valencia verpasst. Daher möchte ich nicht noch einen auslassen.“

2012 zurück in die Erfolgsspur

Nach einer sportlich enttäuschenden Saison, in der weder er noch Teamkollege Valentino Rossi in der MotoGP um vordere Platzierungen fahren konnten, hofft Hayden nun darauf, dass er mit dem neuen Motorrad in die Erfolgsspur zurückfinden wird. „Ich bin sehr optimistisch. Beim Test im November fehlte den Ducati noch über eine Sekunde auf die Zeiten von Honda und Yamaha. Nach Aussage des 30-Jährigen hat sein Team aber noch ein paar Pfeile im Köcher. „Wir haben einige Ideen, die wir dort ausprobieren werden.“

Hayden ist trotz der Rückschläge in der vergangenen Saison weiterhin von seinem Team überzeugt: „Ich glaube an Ducati und ich glaube an dieses Projekt, an Filippo und alle Beteiligten. Ich habe hohe Erwartungen.“ Rückblickend gibt er jedoch zu, 2011 nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. „Manchmal sind ich und mein Team vielleicht vom richtigen Weg abgekommen, weil wir so viele Dinge ausprobiert haben. Ich habe vielleicht zu viele Optionen, zu viele Motorräder ausprobiert, um die Lücke zu schließen.“

Allerdings sei die vergangenen Saison, entgegen dem Eindruck mancher Beobachter, kein komplettes Desaster gewesen. „Auf vielen Strecken war ich wesentlich schneller als im Vorjahr, auf einigen jedoch nicht.“ Es sei jedoch schwierig, Zeiten aus verschiedenen Jahren miteinander zu vergleichen. „Manche Strecken werden welliger oder verlieren von Jahr zu Jahr Grip. Es gab zwar Strecken, auf denen ich langsamer war, aber man darf nicht vergessen, dass es auch Strecken gab, auf denen ich schneller als 2010 war“, betont der US-Amerikaner.

1.000er nicht viel anders

Hoffnung macht Hayden auch, dass durch die Umstellung auf die 1.000ccm Motoren im Jahr 2012 alle Hersteller im Grunde von null anfangen müssen. „Es ist ein völlig neues Motorrad, neue Regeln, wir werden also sehen.“ Die Probleme des vergangenen Jahres seien analysiert worden, nun brennt Hayden darauf, mit der neuen Maschine Bekanntschaft zu machen. „Ich konnte das Motorrad in Valencia nicht fahren, daher bin ich sehr gespannt darauf, den neuen Rahmen auszuprobieren, den die Jungs dort verwendet haben. Das wird schon ein anderes Motorrad sein, daher freue mich darauf, es zu testen.“

Im Gegensatz zu manchen jüngeren Kollegen verfügt der 30-Jährige schon über Erfahrungen auf Motorrädern mit größerem Hubraum. Als er 2006 Weltmeister wurde, wurde in der MotoGP noch mit 990ccm-Motoren gefahren. Nutzen werden ihm diese Erfahrungen nach eigener Aussage aber nicht viel. „Die Motorräder werden sehr viel anders als die letzten 1.000er sein. Die Reifen wurden weiterentwickeln, die Elektronik ist wesentlich fortschrittlicher als 2006. Die Fans freuen sich vielleicht auf qualmende Reifen und quer fahrende Motorräder. Aber bis sie irgendwann die Elektronik einschränken, sind diese Zeiten vorbei.“

Im Vergleich zu den 800ern werde sich nicht allzu viel ändern, wie Hayden beim Test in Valencia in seiner Rolle als Zuschauer beobachtet hat: „Die Linien, der Fahrstil, sahen nicht großartig anderes aus als mit den 800ern.“ Er selbst sammelte bei ersten Probefahrten auf dem neuen Motorrad folgende Eindrücke: „Sie hat mehr Drehmoment von unten, was mir gefällt. Vor allem auf den engen Strecken wird ‚Wheeliing‘ ein Problem sein. Wir haben zwar die Leistung, aber man muss auch in der Lage sein, sie auf den Asphalt zu bringen.“

Kein Problem mit Teamkollege Rossi

Sorgen, das die Entwicklung des neuen Motorradas eher auf seinen Teamkollegen Rossi ausgerichtet ist, macht sich Hayden „nicht wirklich“. Spekulationen darüber waren nach einer Aussage von Testfahrer Franco Battaini aufgekommen der erklärt hatte, sein Fahrstil entspräche eher dem von Rossi als dem von Hayden. „Ich glaube, Ducati ist sich im Klaren darüber, dass sie das Motorrad fahrbarer machen müssen, damit nicht nur ein Fahrer, sondern eine ganze Menge Leute schnell damit fahren können. Darüber mache ich mir keine Sorgen“, gibt sich Hayden gelassen.

Ohnehin sei die Stimmung im Team hervorragend: „Obwohl die Resultate im vergangenen Jahr nicht so gut waren, war die Atmosphäre in der Box perfekt. Meine Seite der Garage und seine, die Mechaniker sind gut miteinander ausgekommen.“ Im Schatten seines berühmten Teamkollegen zu stehen, stört Hayden offensichtlich nicht. „Das kümmert mich gar nicht. Wir haben ein starkes Team, wir sind das einzige Team mit zwei Weltmeistern. Ich kann mich über die Rolle, die ich spiele, nicht beklagen.“

Text von Dieter Rencken & Mario Fritzsche

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