Andrea Dovizioso - © Ducati

© Ducati – Andrea Dovizioso ist der Meinung, dass sich Rossi selbst in diese Situation brachte

Der Malaysia-Grand-Prix in Sepang hat für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Valentino Rossi hat sich mit seinem Manöver gegen Titelverteidiger Marc Marquez viele Feinde gemacht.

Es gibt aber auch Fahrer und Experten, die Rossi gut verstehen können und die Schuld bei Marquez suchen. Ex-Racer Alex Hofmann outete sich am Mittwoch als Rossi-Befürworter und stellte in Frage, was Marquez motivierte, den WM-Führenden so aggressiv herauszufordern.

Rossis Landsmänner Andrea Dovizioso und Andrea Iannone betrachten den Zwischenfall von Sepang kritisch. „Valentino überschritt die Grenzen“, betont „Dovi“ gegenüber ‚GPOne.com‘. „Er tappte in eine Falle. Am Donnerstag kreierte er diese Situation. Ich würde behaupten, dass die Freundschaft zwischen den beiden vorbei ist. Marc hat zweifellos mit Valentino gespielt, doch er verletzte dabei nie die Regeln.“

Ducati-Teamkollege Andrea Iannone bedauert, dass der Sport durch Rossis Manöver in Mitleidenschaft gezogen wurde: „Es ist eine komplizierte und heikle Situation. Ich bin enttäuscht, dass es in unserem Sport zu solch einer Aktion kommen musste“, bemerkt der WM-Fünfte, der sich wundert, warum Marquez im Rennen plötzlich so langsam war.

Iannone zweifelt an Marquez‘ Taktik
„Ich habe mir nicht das komplette Rennen angesehen und kann es deshalb nicht beurteilen, aber ich hatte den Eindruck, Marc fuhr in den Kurven zu langsam. Er hatte das Potenzial, um mit Pedrosa und Lorenzo mitzuhalten. Er war im Warmup sehr schnell. Nach ein paar Stunden ist man nicht auf einmal eine Sekunde langsamer“, betont Iannone. „Jeder kann sich dazu eine eigene Meinung bilden, doch unterm Strich ist es ein Vorfall, den keiner gut findet.“

Für Ducati-Manager Paolo Ciabatti war Rossis Manöver überhaupt nicht hinnehmbar: „Rossis Verhalten war nicht akzeptabel. Ich denke, die Rennleitung hatte alles in der Hand, um während des Rennens eine Strafe auszusprechen“, schimpft der Italiener, der eine ähnliche Meinung vertritt wie HRC-Manager Livio Suppo.

„Die Rennleitung hätte direkt eine Entscheidung treffen können, nicht erst für das Saisonfinale. Gleichzeitig muss ich die Entscheidung respektieren“, erklärt Suppo verärgert. Der HRC-Manager sieht bei Marquez keine Schuld: „Marquez fuhr sein Rennen, genau wie auf Phillip Island, ohne etwas Verbotenes zu machen. Rossis Reaktion war übertrieben.“

Rossis Aktion polarisiert
Superbike-Legende Carl Fogarty kritisiert ebenfalls die Entscheidung der Rennleitung, Rossi erst nach dem Rennen zu bestrafen: „Wenn es ein anderer Fahrer gewesen wäre, dann hätten sie ihn direkt disqualifiziert“, ist Fogarty überzeugt. Eine andere Meinung vertritt IDM-Teamchef Michael Galinski, der Rossi aus der Schusslinie nimmt: „Wenn man dann noch die Zeitlupe sieht: Marc Marquez fährt mit seinem Helm gegen Rossis Knie! So ist die Sache nicht mehr grenzwertig, sondern geht auf die Kappe von Marquez. Rossi hat ihn mit dem Bein nur wieder zurückgedrückt!“

MotoGP-Rentner Colin Edwards kennt Rossi gut. „Meine Meinung: Marc Marquez kämpfte für seinen Stolz, nicht für eine Meisterschaft. Valentino Rossi hatte keine Lust mehr auf Marquez‘ aggressive Manöver“, twittert der „Texas Tornado“. Moto2-Laufsieger Sam Lowes hat ebenfalls Verständnis für Rossis Aktion: „Rossi wollte Marquez nicht zu Sturz bringen. Wenn Marquez nicht gestürzt wäre, dann gäbe es viel weniger Diskussionen. Er wollte, dass Marquez eine weite Linie wählt, um die Situation zu beruhigen.“

„Rossi machte alles richtig“, twittert IDM-Pilot Matej Smrz und ruft gleichzeitig zu einer Petition auf, um Rossis Strafe rückgängig zu machen. Die Petition hat nach wenigen Tagen bereits mehr als eine halbe Million Stimmen gesammelt. Rennleiter Mike Webb dürfte sich davon aber sicher nicht umstimmen lassen. Spätestens nach dem zurückgewiesenen Protest von Yamaha steht fest, dass Rossi in Valencia vom letzten Startplatz ins Rennen gehen muss.

Was passiert in Valencia?
Offen ist, ob die MotoGP durch den Vorfall dauerhaft geschädigt wird. Nach dem Rennen auf Phillip Island schwärmte die Motorrad-Welt vom grandiosen Grand Prix. Nach Sepang sah es komplett anders aus. Doch im Motorsport gab es immer wieder kontroverse Zwischenfälle und es wird sie auch in Zukunft geben. „Auch zu meiner Zeit gab es solche Manöver. Doch damals wurden weniger Kameras eingesetzt“, bemerkt Angel Nieto gegenüber ‚GPOne.com‘.

Fahrerlager-Urgestein Ian Wheeler ist überzeugt, dass die MotoGP-Fans in Valencia ein atemberaubendes Finish erleben: „Ich denke, wir werden einen sehr motivierten Valentino Rossi sehen. Ich rechne beim Saisonfinale mit einem tollen Rennen“, so der Brite. Und auch Landsmann und Ex-Racer Mat Oxley, der seit Jahren mit der MotoGP um die Welt reist, freut sich auf das WM-Finale, bei dem alles offen ist.

Via ‚Twitter‘ erinnert Oxley an den Grand Prix aus dem Vorjahr: „Ergebnis des Valencia-Grand-Prix 2014: Marquez, Rossi, Pedrosa. Lorenzo scheidet aus nachdem er bei schwierigen Verhältnissen zu Regenreifen wechselte, während andere auf Slicks weiterfuhren. Knifflig.“ Bei diesem Zieleinlauf wäre Rossi zum zehnten Mal Weltmeister.

Text von Sebastian Fränzschky

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