Valentino Rossi - © FGlaenzel

© FGlaenzel – Silvano Galbusera hat Valentino Rossi wieder in die Erfolgsspur gebracht

Ende 2013 trennte sich Valentino Rossi von seinem langjährigen Crew-Chief Jeremy Burgess und engagierte Silvano Galbusera. Seit seinem Debüt in der 500er-Klasse im Jahr 2000 arbeitete Burgess für den Superstar.

Gemeinsam wurden drei WM-Titel mit Honda und vier mit Yamaha gewonnen. Der Ausflug zu Ducati verlief weniger erfolgreich. Als sich Rossis Rückkehr zu Yamaha in der Saison 2013 als schwierig herausstellte, entschied sich der Italiener für diese Personaländerung.

2014 ging es bergauf und Rossi wurde hinter dem überragenden Marc Marquez Vizeweltmeister. In der laufenden Saison gelang die nächste Steigerung, Rossi stand bei allen bisherigen neun Rennen auf dem Podest und führt die WM-Wertung an. „Zu Beginn machte ich mir Sorgen, weil jeder weiß, dass Jeremy Spitze ist“, wird Galbusera von ‚MotoMatters.com‘ zitiert. Burgess gewann vor der Rossi-Ära mit Mick Doohan vier WM-Titel in Folge.

Galbusera war in der MotoGP relativ neu. In den 1980er-Jahren arbeitete er teilweise in der 250er-Klasse, kümmerte sich aber auch um Projekte bei der Rallye Paris-Dakar. 1994 kehrte Galbusera mit Cagiva und John Kocinski in die 500er-Klasse zurück. Von 1995 bis 2011 arbeitete er schließlich für Yamaha in der Superbike-WM und betreute Fahrer wie Troy Corser, Noriyuki Haga, Cal Crutchlow und Ben Spies. 2012 und 2013 war Galbusera bei BMW Crew-Chief von Marco Melandri.

Sein Wissen stammt daher vor allem aus der Superbike-WM, weshalb seine Berufung als Rossi-Crew-Chief von manchen Seiten kritisch gesehen wurde. „Die Medien, alle wollen alles über Vale wissen. Es war etwas kritisch, weil ich in der MotoGP nicht über viel Erfahrung verfügte. Der erste Test war nicht so gut“, blickt Galbusera auf die Anfänge zurück. „Dann beim anschließenden Wintertest in Malaysia wurde es jeden Tag besser. Das Team verfügt über Erfahrung auf sehr hohem Level, sie wissen was zu tun ist. Mit Vale spreche ich italienisch, das macht das Verständnis auch etwas einfacher.“

Galbusera bezeichnet die Arbeit des Crew-Chiefs in der Superbike-WM und in der MotoGP als sehr ähnlich. „Das Problem ist das hohe Level in der MotoGP. Jede Veränderung macht einen großen Unterschied. Für den Fahrer muss alles perfekt sein, damit er sein Bestes geben kann. Das ist das Problem. Wenn in der Superbike-WM das Motorrad nur zu 90 Prozent gut ist, kann der Fahrer einen großen Unterschied machen. Wenn man hier kein gutes Bike hat, wird es ein Desaster.“

Details entscheiden über Sieg oder Niederlage

Dass Details den Unterschied ausmachen, sieht man in der MotoGP bei jedem Rennen. Marquez konnte bisher nicht an seine Erfolgsserie aus dem Vorjahr anknüpfen. Jorge Lorenzo dominierte vier Rennen in Folge und hatte anschließend plötzlich keine Chance auf den Sieg. Die kleinsten Details entscheiden über Siegchance oder Niederlage. „Diesen minimalen Unterschied zwischen den Topfahrern muss man mit dem Setup des Motorrades abdecken“, meint Galbusera.

„Wenn eine Zehntelsekunde pro Runde fehlt, dann fehlen am Rennende zwei Sekunden. Das ist zu viel. Man denkt, dass ein Zehntel nicht viel ist, aber es ist unglaublich. Das ist der Unterschied zwischen dem Sieg und Platz drei“, verdeutlicht der Crew-Chief. War Galbusera das entscheidende Puzzlestück, warum Rossi 2015 wieder um den WM-Titel kämpft? Wichtig ist auch die Motivation in der Mannschaft, denn Rossi freut sich nach einem Sieg, als wäre es sein erster Erfolg überhaupt.

„Er möchte immer der Beste sein und die Situation verbessern“, sagt Galbusera über die Stärken des neunfachen Weltmeisters. „Er kann sich nach einem Rennen an alles erinnern, das Verhalten des Motorrades, die Position des Gegners und wo er aufgeholt oder verloren hat. Er ist besser als ein Computer. Das war eine gute Hilfe, damit wir verstehen, wie wir das Motorrad verbessern müssen. Das beeindruckt mich an ihm, denn er ist schnell, hat aber gleichzeitig in seinem Kopf Platz, um das Motorrad und das Rennen zu verstehen.“

Seit Rossi und Galbusera zusammenarbeiten, wurden 22 Pokale gesammelt, fünf davon sind Siegerpokale. Bemerkenswert ist die gesteigerte Konstanz, denn seit einem Jahr stand Rossi immer auf dem Podest, wenn er ins Ziel gekommen ist. Die einzige Ausnahme betrifft seinen Rennsturz in Aragon im vergangenen September. Eine Schwäche bleibt das Qualifying, denn in den gemeinsamen eineinhalb Jahren stand Rossi nur viermal in der ersten Startreihe, zweimal davon auf der Pole-Position.

Text von Gerald Dirnbeck

Motorsport-Total.com
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