Davide Brivio und Valentino Rossi  © Motorsport-Total.com

© Motorsport-Total.com - Davide Brivio (l.) arbeitet seit Jahren eng mit Valentino Rossi zusammen

Kein Sieg in 17 Rennen. Oder positiv formuliert: ein Podestplatz und 13 weitere Top-10-Ergebnisse in 17 Rennen. So lautet die Bilanz von Valentino Rossi in seiner ersten MotoGP-Saison für Ducati.

Doch in Verbindung mit einem neunmaligen Weltmeister wie Rossi bleibt nach so einem Jahr vor allem eins hängen: kein Sieg in 17 Rennen. Für Rossis langjährigen Vertrauten Davide Brivio, der bei Yamaha als sein Teammanager fungierte, liegt die sieglose Saison in der mangelnden Konkurrenzfähigkeit der Ducati Desmosedici begründet.

„Die Ducati ist ganz anders, als andere Motorräder“, erklärte Brivio im Gespräch mit ‚roxybar.tv‘. „Valentinos Fahrstil hat nicht perfekt zu diesem Motorrad gepasst. Das galt nicht nur für Valentino, sondern auch für alle anderen Fahrer außer Stoner. Er hat damit Rennen und sogar eine Meisterschaft gewonnen.“ Doch in den letzten beiden Ducati-Jahren Stoners habe sich das Chassis der Desmosedici negativ entwickelt.

„Damit hat Stoner war auch ein paar Rennen gewinnen können, doch er ist nie in der Lage gewesen, den Titel zu gewinnen“, erinnert sich Brivio. „Und für alle anderen Fahrer ist es im Laufe der Jahre immer schwierig gewesen, das Motorrad zu fahren.“ Ende 2010 stieß Rossi zum italienischen Werksteam – samt der Gruppe an Mitarbeitern, die den siebenmaligen MotoGP-Champion bereits bei Yamaha unterstützt hatten – und Rossi machte sich an die Arbeit. Brivio übernahm allerdings keinen offiziellen Posten bei Ducati, sondern fungiert seither eher in der Rolle eines persönlichen Betreuers für Rossi.

„Basierend auf Valentinos Anmerkungen haben sie dann damit angefangen, das Motorrad zu modifizieren“, beschreibt Brivio die Zusammenarbeit zwischen Rossi und Ducati. „Im Prinzip haben wir ein Jahr gearbeitet und viele Tests absolviert, auch während der Rennwochenenden, waren aber nicht in der Lage, die Probleme zu lösen. Am Ende der Saison hat sich Ducati dann dazu entschlossen, das Konzept zu ändern.“

Die bisherige Chassis-Philosophie wurde verworfen. „Das bisherige Konzept ist sehr gut für ein Serienmotorrad. Es gibt ein Production-Bike, das mit diesem Konzept sehr gut funktioniert“, meint Brivio. „Aber im Rennsport muss man manchmal das Chassis ändern, da es eine bestimmte Art Reifen gibt. Wenn man in der MotoGP gewinnen will, muss man das Konzept des Motorrads verändern. Letztendlich hat Ducati entschieden, das Konzept zu ändern.“

Brivio tritt damit auch Gerüchten entgegen, wonach Rossi Ducati dazu aufgefordert habe, ein neues Chassis-Konzept zu entwickeln. „Die Entscheidung, ein neues Chassis zu bauen, war eine Ducati-Entscheidung – basierend auf Valentinos Kommentaren“, stellt Brivio klar. „Valentino hat nicht gefordert, ein anderes Motorrad zu bauen. Er hat bloß gesagt: ‚Ich möchte ein Motorrad, mit dem ich dies, dies und dies machen kann.'“ Mit dem Ergebnis, dass Ducati sein lange Zeit verfolgtes Konzept in den Mülleimer warf und stattdessen die erfolgreichere Konkurrenz kopierte.

„Jetzt hat das Motorrad das gleiche Konzept wie alle anderen Motorräder“, bestätigt Brivio, der den Sinneswandel Ducatis als positive Eigenschaft des vergleichsweise kleinen Herstellers darstellt. „Die Ducati-Jungs sind wirklich fantastisch. In nur drei Monaten haben sie ein komplett neues Motorrad vorbereitet. Es ist ein neues Projekt, für das man normalerweise ein Jahr benötigt, oder noch länger. Eine japanische Firma kann so etwas nicht, das wäre undenkbar. Das ist die Leidenschaft, das Rennsport-Blut von Ducati. Sie haben wirklich hart gearbeitet.“

Text von Lennart Schmid

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