Marco Melandri © BMW AG

© BMW AG – Mit Saisonsieg Nummer vier hat Marco Melandri den WM-Rückstand verkürzt

Das erste Rennen der Superbike-WM in Brünn wurde auf feuchter Strecke gestartet. Da die Sonne durch die Wolken blinzelte, trocknete der Asphalt rasch auf. Es entwickelte sich von Start bis ins Ziel ein spannendes Rennen, denn eine große Spitzengruppe hatte die Chance auf den Sieg.

Lange führte Tom Sykes (Kawasaki), doch in der Schlussphase drehte Marco Melandri (BMW) auf und eroberte den Sieg. Es war sein vierter Triumph in diesem Jahr. Eine starke Leistung zeigte Rookie Loris Baz, der mit der zweiten Kawasaki immer in der Spitzengruppe war und hinter Sykes zum ersten Mal in seiner Karriere als Dritter auf das Podium kletterte.

Weltmeister Carlos Checa (Althea-Ducati) musste sich mit Rang vier begnügen, während sein junger Teamkollege Davide Giugliano in der Anfangsphase auf rutschiger Piste stürzte und ausschied. Auch Honda-Speerspitze Jonathan Rea schied kurz vor Schluss durch einen Sturz aus. Max Biaggi konnte im Rennen keine entscheidenden Akzente setzen und kam als Sechster über die Linie. In der WM ist der Vorsprung des Aprilia-Piloten auf Melandri auf 33 Punkte geschrumpft.

Nachdem es am Vormittag noch geregnet hatte, so klarte der Himmel bis Mittag auf. Die dunklen Regenwolken verzogen sich und die Strecke trocknete langsam. Lauf eins wurde von der Rennleitung als „nass“ erklärt. Der Asphalt war stellenweise noch feucht, aber es bildeten sich schon trockene Linien. Die Fahrer setzten auf Slicks. Beim Start katapultierte sich Sykes von der Pole-Position aus in Führung. Alle Fahrer kamen gut durch die ersten Kurven. Sykes zog gleich dem Feld auf und davon.

Der Brite fuhr nicht auf den Ideallinien durch die Kurven, sondern fuhr oft weite Bögen, um auf den trockenen Stellen zu bleiben. Dahinter tasteten sich die übrigen Fahrer vorsichtig um den Kurs. Nach der ersten Runde hatte Sykes einen Vorsprung von 1,5 Sekunden. Dahinter folgte das Althea-Duo Giugliano und Checa. Auf Platz drei tauchte Maxime Berger (Liberty-Ducati) auf, der sich in einer Runde von Startplatz 19 durch das Feld gepflügt hatte.

Nach dem zweiten Umlauf hatte das Althea-Duo Sykes eingeholt. Es war aber ein anderer Fahrer, der das Kommando übernahm. Berger zog eine große Show ab und setzte sich an die Spitze des Feldes. In seinem Windschatten folgte Rookie Giugliano. Sykes wurde auf Platz drei zurückgereicht. Auch Rookie Baz zeigte als Vierter sein Talent. Checa ließ es dagegen vorsichtiger angehen und war nach drei Umläufen auf Position fünf zurückgefallen. Biaggi kam nicht von Rang 13 nach vor.
Die Vorsicht zahlte sich aus, denn die Strecke trocknete zwar immer weiter auf, aber es blieb rutschig. Das musste Giugliano in der dritten Runde feststellen, denn er stürzte in Kurve sieben und die gute Vorstellung war vorüber. Dafür drehte Baz auf. Der 19-Jährige arbeitet sich weiter nach vor, überholte auch seinen Teamkollegen Sykes und schob sich auf Platz zwei.

Nach vier Runden betrug Bergers Vorsprung schon 3,5 Sekunden, aber dahinter erhöhte das Kawasaki-Duo das Tempo. Sykes hatte sich im teaminternen Duell durchgesetzt und kam Berger in großen Schritten näher. Zu Beginn des fünften Umlaufes lag der Brite nur noch 1,5 Sekunden zurück. Sykes war klar schneller, überholte den Franzosen und übernahm wieder die Führung.

Von den vermeintlichen Favoriten war in der ersten Rennhälfte wenig zu sehen. Rea, Melandri und Checa lagen nach sieben Runden auf den Positionen vier bis sechs. Sie waren aber nur zwei Sekunden hinter Sykes. Biaggi kam dagegen nicht nach vor und steckte auf Platz zehn fest. Aber auch der Rückstand des Römers hielt sich mit fünf Sekunden in Grenzen. Die ersten elf Piloten lagen nach acht Runden noch dicht beisammen, denn sie waren nur durch sechs Sekunden voneinander getrennt. Dahinter herrschte eine große Lücke zum Rest der Welt.

Sykes konnte sich in der Folge aber nicht an der Spitze absetzen. Honda-Pilot Rea arbeitete sich an den Gegnern vorbei und nahm die Verfolgung der Ninja auf. Genau bei Halbzeit lag der Brite lediglich acht Zehntelsekunden hinter seinem Landsmann zurück. Am Hinterrad der Fireblade hing die zweite Kawasaki von Baz. Der Rest war dahinter wie an einer Perlenkette aufgefädelt.

Rea konnte die Lücke schließen und überholte zu Beginn der 15. Runde Sykes in Kurve eins. Dieser konterte aber sofort und lag wieder vorne. Für den Schlussteil des Rennens hatte sich eine sechsköpfige Spitzengruppe gebildet, in der noch alle Chancen hatten. Hinter Sykes und Rea waren das Baz, Checa, Eugene Laverty (Aprilia) und Melandri. Leon Haslam (BMW) und Biaggi folgten fünf Sekunden dahinter in der Verfolgergruppe.

Fünf Runden vor Schluss machten Checa und Melandri ernst. Sie überholten Baz und erhöhten den Druck auf das britische Führungsduo. Speziell Melandri war stark unterwegs, schnappte sich Checa und Rea und war vier Umläufe vor Schluss Zweiter. Die Strecke war in der Schlussphase praktisch komplett trocken. Drei Runden vor Schluss setzte der BMW-Pilot in der dritten Kurve seinen ersten Angriff und nahm Sykes die Führung ab. Der Kawasaki-Pilot versuchte zu kontern, doch der Vizeweltmeister verteidigte cool seinen Platz.
Wenige Augenblicke später kam es in Kurve zehn zu einer gefährlichen Situation. Rea war innen und Baz außen. Es kam zu einer leichten Berührung, die reichte, um Rea per Highsider abzuwerfen. Checa konnte dahinter gerade noch ausweichen. Rea stand im Kiesbett und konnte unverletzt weggehen. Dieser Zwischenfall zog die Spitzengruppe etwas auseinander und die Entscheidung um die Podestplätze war gefallen.

Nachdem Melandri die Führung übernommen hatte, machte er alles klar und ließ mit all seiner Routine nichts mehr anbrennen. Souverän überquerte der Italiener 1,3 Sekunden vor Sykes die Ziellinie. Es war sein vierter Saisonsieg in diesem Jahr. Auch wenn sich Sykes knapp geschlagen geben musste, war es ein erfolgreiches Rennen für Kawasaki. Hinter dem Briten wurde Baz Dritter und kletterte zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere auf das Podium. Der Franzose ersetzte Joan Lascorz.

Weltmeister Checa verpasste als Vierter knapp den Sprung unter die Top 3. Am Ende der Spitzengruppe kam Laverty auf Platz fünf über die Linie. Bei den Verfolgern konnte sich schließlich Biaggi durchsetzen und sah die karierte Flagge als Sechster. Dennoch büßte er Punkte auf Melandri ein und hat vor dem zweiten Rennen noch 33 Zähler Vorsprung.

Haslam spielte im Vergleich zu seinem BMW-Teamkollegen keine Rolle. Er hielt BMW-Italia-Pilot Michele Fabrizio in Schach und wurde mit elf Sekunden Rückstand Siebter. Berger konnte nach der starken Anfangsphase nicht mehr mit der Spitze mithalten und fiel noch auf Rang neun zurück. Damit war er einen Platz besser als sein Teamkollege und Lokalmatador Jakub Smrz. Am Ende der größeren Verfolgergruppe kam Rookie Chaz Davies mit der ParkinGO-Aprilia als Elfter über die Linie.

Die weiteren Fahrer hatten im Ziel über eine Minute Rückstand. Alessandro Polita (Red-Devils-Roma Ducati) wurde knapp vor Norino Brignola (Grillini-BMW) Zwölfter. Für das Crescent-Suzuki-Team war es wieder ein Rennen zum Vergessen. Aufgrund einer falschen Reifenwahl kam Leon Camier als 14. und John Hopkins als 15. ins Ziel. Sie sammelten die letzten WM-Punkte. Lorenzo Zanetti (PATA-Ducati) war der letzte Fahrer innerhalb einer Runde. Viktor Kispataki (Prop-Tech-Honda) und David Salom (Pedercini-Kawasaki) wurden mit drei Runden Rückstand gewertet.

Eine Schrecksekunde gab es genau zu Rennhalbzeit. Leandro Mercado (Pedercini-Kawasaki) stürzte in der Bremszone von Kurve eins. Da er in einer dichten Gruppe war, rutschte er neben der Honda von Hiroshi Aoyama her und kam teilweise unter das Motorrad. Beide flogen ins Kiesbett, aber glücklicherweise ist ihnen nichts dabei passiert. Auch andere Piloten hatten Probleme. Giugliano stellte seine Ducati nach dem frühen Sturz an der Box ab. Ayrton Badovini konnte gar nicht am Start teilnehmen. Nach der Aufwärmrunde kam der Italiener an die Box und stellte die BMW ab.

Ergebnisse SBK-WM Race1 Brünn (Tschechien)

1. Marco Melandri (BMW Motorrad Motorsport) BMW S1000 RR 41’59.808
2. Tom Sykes (Kawasaki Racing Team) Kawasaki ZX-10R 42’01.168
3. Loris Baz (Kawasaki Racing Team) Kawasaki ZX-10R 42’01.756
4. Carlos Checa (Althea Racing) Ducati 1098R 42’02.302
5. Eugene Laverty (Aprilia Racing Team) Aprilia RSV4 Factory 42’03.640
6. Max Biaggi (Aprilia Racing Team) Aprilia RSV4 Factory 42’06.947
7. Leon Haslam (BMW Motorrad Motorsport) BMW S1000 RR 42’11.101
8. Michel Fabrizio (BMW Motorrad Italia GoldBet) BMW S1000 RR 42’11.753
9. Maxime Berger (Team Effenbert Liberty Racing) Ducati 1098R 42’18.796
10. Jakub Smrz (Liberty Racing Team Effenbert) Ducati 1098R 42’18.925
11. Chaz Davies (ParkinGO MTC Racing) Aprilia RSV4 Factory 42’22.746
12. Alessandro Polita (Red Devils Roma) Ducati 1098R 43’05.454
13. Norino Brignola (Grillini Progea Superbike Team) BMW S1000 RR 43’05.541
14. Leon Camier (FIXI Crescent Suzuki) Suzuki GSX-R1000 43’08.056
15. John Hopkins (FIXI Crescent Suzuki) Suzuki GSX-R1000 43’11.928
16. Lorenzo Zanetti (PATA Racing Team) Ducati 1098R 43’12.865
17. Viktor Kispataki (Prop-tech ltd) Honda CBR1000RR 42’58.319
18. David Salom (Team Pedercini) Kawasaki ZX-10R 43’25.422
RT. Jonathan Rea (Honda World Superbike Team) Honda CBR1000RR 37’58.877
RT. Leandro Mercado (Team Pedercini) Kawasaki ZX-10R 22’40.739
RT. Hiroshi Aoyama (Honda World Superbike Team) Honda CBR1000RR 22’40.853
RT. Davide Giugliano (Althea Racing) Ducati 1098R 10’28.947
RT. Ayrton Badovini (BMW Motorrad Italia GoldBet) BMW S1000 RR

Text von Gerald Dirnbeck

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