Cal Crutchlow - © GP-Fever.de

© GP-Fever.de – Gesten: Die Wahl des Fingers entscheidet über den Kontostand der MotoGP-Fahrer

Die MotoGP-Szene lebt von packendem Sport, greifbaren Helden und reichlich Emotionen. Diese Zutaten sorgen dafür, dass sich die Szene im Gegensatz zur oft klinisch reinen Formel 1 positiv entwickelt.

Umso größer ist die Verwunderung bei dem Kurs, den die Verantwortlichen der Motorrad-WM nun eingeschlagen haben. Nach einem Zwischenfall zwischen Valentino Rossi und Aleix Espargaro in Misano formulierten die Macher eine klare Ansage: Keine Mittelfinger mehr, sonst Geldstrafe.

„Die ganze Sache ist doch nur deswegen so groß geworden, weil es ausgerechnet Valentino war, der ganz öffentlich und mit Nachdruck den Mittelfinger in Richtung Espargaro gehoben hat. Dabei hatte er komplett recht. Espargaro hatte das in dem Moment einfach verdient“, sagt LCR-Haudegen Cal Crutchlow. „Valentino war ärgerlich. Warum sollte er das nicht ausdrücken dürfen? Sollen sie das im TV von mir aus eben rausschneiden. Aber sie wollen doch Emotionen transportieren.“

„Höchstens fünf Prozent der TV-Zuschauer würden sich jemals darüber aufregen. Natürlich ist so etwas nicht schön für Kids zu sehen. Aber schaltet jemand deswegen die MotoGP aus? Nein, niemals. Die Kids lernen das ohnehin irgendwann. So ist eben das Leben“, meint der Brite, der selbst diesbezüglich kein Kind von Traurigkeit ist. „Ich habe die E-Mail der Vereinigung gar nicht komplett gelesen“, schmunzelt Crutchlow und misst der Ansage somit nur geringen Wert bei.

Sogar im Fußball geht mehr: „Wichser, oder so“
„Es ist klar ausgedrückt worden, dass man so etwas in unserem Sport nicht sehen möchte. Es wird mit Geldstrafen gedroht. Mir ist klar geworden, dass ich vielleicht Pleite gehe, wenn ich so impulsiv weitermache wie bisher“, scherzt der Brünn-Sieger 2016. Aus Sicht von Crutchlow war Misano keinesfalls ein Einzelfall. Der Stinkefinger sei in der MotoGP fast genauso oft in Gebrauch wie der Bremshebel.

„So etwas sieht man doch in jeder Session. Wir werden gut bezahlt – und können es uns leisten, weiterhin ab und zu den Stinkefinger zu zeigen. Das gehört doch dazu“, meint er. „Für mich geht es darum, dass wir diesen Sport nicht langweilig machen. Das Charisma muss erhalten bleiben. Ganz ehrlich: Wenn ich einem den Finger zeige, dann mache ich das, weil ich es dann so meine – und zwar ganz genauso meine! An anderer Stelle kommt es vor als Spaß. So ticken wir halt.“

„Wenn man sich über jemanden ärgert, dann muss man das auch irgendwie zeigen dürfen“, hält Crutchlow unmissverständlich fest und spricht damit zahlreichen Kollegen aus den Seelen. „Schaut euch doch mal Fußball an. Da wird gespuckt, gezerrt, geboxt und gerauft. Manchmal nennt einer den anderen einen Wichser oder so. Die bekommen meistens keine Strafe. Nicht einmal dann, wenn es Millionen Menschen am TV mitbekommen konnten.“

Text von Roman Wittemeier & David Emmett

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