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© Avintia – Der Traditionskurs in Indianapolis sorgt für unterschiedliche Meinungen

Seit der Saison 2008 ist die MotoGP in Indianapolis zu Gast, doch auch im fünften Jahr schafft es der Traditionskurs in Indiana nicht, die Herzen der Piloten zu erobern. Ganz im Gegenteil: Casey Stoner wetterte bereits in den vergangenen Jahren.

Sein spektakulärer Sturz im Qualifying gibt der Hassliebe zum eigenwilligen Kurs einen bitteren Beigeschmack. Doch auch Lokalmatador Nicky Hayden tat sich am Samstag weh und wird fürs Rennen ausfallen.

Vor dem Qualifying bestätigte Stoner seine Meinung aus dem vergangenen Jahr: „Es war am Freitag genauso schlimm wie im Vorjahr. Wir konnten die Rundenzeiten nur verbessern, weil wir stärkere Motorräder mit mehr Drehmoment haben. Der Belag ist nicht gerade gut. Meine Meinung hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert.“

Stoner: Start noch ungewiss

Trotz der Abneigung konnte Stoner in der Vergangenheit aber zumindest auf gute Ergebnisse zurückblicken. „Auf einem Kurs, auf dem ich erfolgreich bin, muss ich nicht zwangsläufig Spaß haben“, stellt der Honda-Werkspilot klar, der lieber im Uhrzeigersinn fahren würde, wie es die Formel 1 tat, als sie noch in Indy gastierte: „Wenn wir andersrum fahren würden, hätten wir sicher mehr Spaß. Es gibt viele schnelle Kurven. Da der Belag so rutschig ist, kann man nicht richtig attackieren.“

Das Argument, Indianapolis muss schon allein wegen der Tradition erhalten bleiben, zählt für Stoner nicht: „Der Oval-Kurs blickt auf eine große Geschichte zurück. Aber der Kurs, auf dem wir fahren, hat nichts mit der Geschichte zu tun.“ Mit einer Kapazität von mehr als 300.000 Zuschauern ist der Indianapolis Motor Speedway die größte Sportstätte der Vereinigten Staaten.

Das Hauptproblem in Indy ist der Asphalt. Wellig und wenig Haftung – so lautet die Kurzbeschreibung. Doch es ist nicht der fehlende Grip, der Stoner die Laune verdirbt sondern viel mehr die Unberechenbarkeit: „Rutschige Kurse liegen mir besser, was an meiner Dirt-Track-Vergangenheit liegt. Ich fühle mich da wohl und bin etwas schneller als die anderen. Die europäischen Kurse haben tendenziell mehr Grip“, berichtet er. „Dadurch sind die Kurvengeschwindigkeiten höher. Wenn sich das Motorrad bewegt, fühle ich mich aber wohler. Wenn viel Grip da ist, dann stürzt man sobald man einen Fehler macht.“

Lorenzo fordert neuen Aspahlt

Stoners Sturz spielt WM-Leader Jorge Lorenzo sicher in die Karten, auch wenn der sicher einen Kampf auf der Strecke vorgezogen hätte. Der Yamaha-Star hat in Indy bis zum finalen Teil des Qualifyings seine Probleme gehabt. „Das ist der schlimmste Asphalt von allen Strecken im Kalender“, schimpft er. „Wir müssen daran arbeiten, dass er geändert wird.“

„Im ersten Sektor ist es okay, aber beim Rest ist er sehr rutschig und es gibt viele Bodenwellen. Ich will in Zukunft einen anderen Asphalt hier sehen. Vielleicht sprechen wir in der Sicherheitskommission darüber“, so Lorenzo, der als Zweiter ins Rennen gehen wird. Dani Pedrosa war am Samstag der Schnellste und darf mit seiner Honda RC213V deshalb von der Pole-Position ins Rennen gehen.

„Niemand ist gegen eine Mauer gecrasht. Natürlich haben wir viele Stürze gesehen, aber ich hatte das Gefühl, dass man die Rutscher kontrollieren kann“, relativiert er. Dennoch ist sich der Spanier bewusst, dass es in Indy ziemlich schnell gehen kann: „Es war nicht einfach das Limit zu finden. Vielleicht sind deshalb viele Fahrer gestürzt. Glücklicherweise ist niemand gegen eine Mauer geprallt oder ist mit einem anderen Fahrer kollidiert. Bei diesem Streckenlayout gibt es deshalb keine Sicherheitsprobleme.“

Es mangelt an Haftung

Landsmann Pol Espargaro fuhr in der Moto2 auf die Pole-Position. „Ich fühle mich hier gut. Mir macht es Spaß, denn ich mag es, wenn das Motorrad rutscht. Schwierige Streckenbedingungen sind für mich besser“, berichtet der Kalex-Pilot, der den Asphalt nicht so sehr kritisiert wie die MotoGP-Piloten. „Der Asphalt ist sicher nicht der Beste, aber mir gefällt es hier.“

„Für mich ist das Problem, dass diese Strecke keinen Grip bietet“, bemerkt hingegen Valentino Rossi, der im Qualifying weit zurücklag. „Der Asphalt ist sehr rutschig. Gleichzeitig werden die Reifen rasch verschlissen, weshalb Bridgestone härtere Mischungen gebracht hat. Aus diesem Grund haben wir schlimme Stürze gesehen.“

„Dieser Asphalt bietet keinen Grip, aber er sorgt für hohe Reifentemperaturen. Mit einem anderen Reifen kann man kaum ins Ziel kommen. Das ist der richtige Reifen für diese Strecke. Diese Kurve (13; Anm. d. Red.) ist sehr lang und generiert hohe Reifentemperaturen. Deshalb können leicht Fehler passieren. Das Problem liegt eher im Qualifying, wo jeder versucht, schnell zu fahren. Beim Renntempo gibt es hoffentlich nicht so viele Probleme“, so der Ducati-Werkspilot.

Hayden kann nicht starten

Andrea Dovizioso, der potenzielle Nachfolger des „Doktors“ bei Ducati macht die verschiedenen Asphaltsorten für die Probleme verantwortlich: „Das Problem ist, dass es hier drei unterschiedliche Asphaltsorten gibt. 70 Prozent der Strecke bestehen aus dem schlechtesten Asphalt. Es ist sicher nicht einer der besten Kurse in unserer WM. Man muss sich auf die Bodenwellen und den Asphalt einstellen.“

Sandro Cortese, der für KTM eine weitere Pole-Position holen konnte, wünscht sich einen komplett neuen Belag: „Für mich ist es genauso, aber ein neuer Asphalt wäre auf der kompletten Strecke besser, denn man weiß nicht immer, wo die Limits liegen. In manchen Passagen fühlt man sich gut, und in anderen ist es ganz anders. Ich würde nur einen komplett neuen Asphalt begrüßen, das wäre besser.“

Ob Nicky Hayden dann nicht gestürzt wäre, lässt sich im Nachhinein nicht beantworten. Bedauerlich ist, dass der sympathische US-Amerikaner ausgerechnet bei seinem Heimrennen nicht teilnehmen kann. Am Freitag war er noch recht optimistisch und begrüßte das niedrige Griplevel: „Der Kurs war am Freitagmorgen ziemlich rutschig durch den Regen. Das kam mir entgegen“, stellte er vor dem Qualifying fest, indem er sich zwei Mittelhandknochen brach.

Text von Sebastian Fränzschky

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