© Ducati - Mit der neuen Ducati GP12 hofft Valentino Rossi auf eine bessere Saison

Kaum jemand hätte damit gerechnet, dass es Valentino Rossi mit der Ducati in einer kompletten Saison nur ein einziges Mal auf das Podium schaffen würde. 2011 war das schwierigste Jahr für den erfolgsverwöhnten Italiener.

Seit 1996 hat der insgesamt neunfache Weltmeister in jedem Jahr mindestens einen Grand Prix gewonnen. In den meisten seiner 256 Rennen war Rossi ein Siegkandidat, doch in den vergangenen Monaten war das Podium meist außer Reichweite. Dennoch bereut Rossi den Wechsel zu Ducati nicht. Er musste sich dieser Herausforderung stellen.

Dass es kein einziger Sieg wurde, schmerzt den Superstar. „Das war in diesem Jahr vermutlich die schwierigste Sache. Es gibt Momente, in denen ich niedergeschlagen bin. Ich muss das aushalten, aber es ist sehr schwierig. Mit jedem Rennen wurde die Saison länger“, wird Rossi von ‚Motor Cycle News‘ zitiert. „Wenn man in einem Rennen um den Sieg kämpft, dann hat man viel Druck. Bei mir war der Druck geringer. Ich bin eher traurig, aber auch etwas ruhiger.“

„Ich mag das Gefühl nicht. Es ist deshalb nicht gut, wenn man in der MotoGP nicht an der Spitze ist.“ Rossi hat mit der 125er und der 250er auf Anhieb gewonnen. Auch in seinem ersten Jahr mit der schwierigen 500er gewann Rossi zwei Rennen und wurde Vizeweltmeister. Auch die MotoGP Honda und Yamaha-Motorräder stellten mit unterschiedlichen Hubraumgrößen und Reifen den Meister vor keine Probleme. Zwischen 1997 und 2010 war Rossi in der WM nie schlechter als Dritter. Warum ist der Ausnahmekönner ausgerechnet an der Ducati gescheitert?

„Das ist für mich eine sehr schlechte Sache und ich bin sehr traurig darüber, weil ich in meiner Karriere jede Art von Motorrad fahren konnte. Noch wichtiger ist, dass ich mit jedem Motorrad gewonnen habe, mit Ausnahme von der Ducati jetzt“, sagt Rossi. „Für mich gibt es verschiedene Gründe. Mit 32 Jahren und nach einer langen Karriere auf verschiedenen Motorrädern, ist es schwierig, den Fahrstil zu ändern. Yamaha und Honda sind anders, aber dieses Motorrad ist komplett anders.“
Warum konnte Stoner auf der Ducati gewinnen?

Abgesehen von Rossi sind schon viele gute Fahrer, wie beispielsweise Marco Melandri, an der Desmosedici gescheitert. Speziell Melandri klagte schon 2008 über die gleichen Probleme wie heute Rossi, doch damals fuhr Casey Stoner von Sieg zu Sieg und niemand bei Ducati nahm den Italiener ernst. „Casey ist in seinem zweiten MotoGP-Jahr auf die Ducati gestiegen“, versucht Rossi zu vergleichen. „In seinem ersten Jahr ist er eine Honda mit Michelin-Reifen und 990 Kubikzentimetern gefahren.“

„Er ist mit der Ducati aufgewachsen. Aus dieser Sicht war es für ihn einfacher. In seinem Alter entwickelst du deinen Fahrstil. Ich glaube, er hat einen sehr komischen Fahrstil entwickelt, um mit diesem Motorrad fahren zu können. Für mich ist es etwas zu spät, weshalb ich mehr Probleme habe.“ Rossis Stärke war schon immer auf der Bremse und am Kurveneingang zu finden. Deshalb konnte er auch zahllose Überholmanöver an vermeintlich unmöglichen Passagen durchziehen.

Rossi stürzte öfter als je zuvor

Genau in diesem Bereich hat die Ducati die größte Schwäche. Deshalb sehen Rossi und Desmosedici rein optisch nicht wie eine Einheit aus. Das mangelnde Vertrauen zum Vorderrad führte zu vielen Stürzen. Noch nie in seiner Karriere lag der „Doktor“ in einer Saison so oft auf dem Boden wie 2011. Insgesamt zwölf Stürze wurden verzeichnet. „Ein weiterer negativer Punkt waren die vielen Stürze“, setzt Rossi die Analyse fort.

„Ich bin es nicht gewohnt, so oft in einer Saison zu stürzen. Einer meiner Stärken ist es, dass ich in einem Jahr nicht mehr als vier oder fünfmal stürze. Wenn man mit diesem Motorrad aber mehr pusht, dann gehst du zu Boden. Mit jedem Sturz verliert man mehr Gefühl und Vertrauen. Das wiederzuerlangen ist schwierig.“

Ob Rossi mit seiner Yamaha gegen Stoner eine Chance gehabt hätte, ist dahingestellt. Es wären aber sicher mehr Erfolge möglich gewesen. Dennoch bereut der 105-fache Sieger den Wechsel nicht. „Manchmal bereue ich es, aber wenn ich mehr darüber nachdenke, dann ist war es etwas, das ich versuchen musste. Für mich war es kein Fehler. Die Faszination dieser Herausforderung ist großartig.“

„Die Geschichte ist noch nicht zu Ende“

„Es ist besser, wenn man es versucht und Probleme hat, als man probiert es nie und fragt sich den Rest des Lebens, was gewesen wäre. Ich treffe alle meine Entscheidungen so und habe deshalb viel Spaß. Trotz allem bereue ich die Entscheidung nicht. Es tut mir für alle Fans leid, dass ich sie enttäuscht habe, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Es wird schwierig, aber wir können es nur besser machen.“

Die Hoffnungen liegen auf den gesammelten Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate und der neuen GP12. Bei den Testfahrten nach dem Saisonfinale in Valencia war der Rückstand auf die neuen Prototypen von Honda und Yamaha immer noch beträchtlich, auch wenn es sich laut Ducati noch um ein Experimentalmotorrad gehandelt hat. Sollte auch bei den Sepang-Tests Ende Januar viel Zeit fehlen, kann sich Rossi auf ein weiteres hartes Jahr einstellen.

„Eine Saison wie diese hilft mir, um stärker zu werden. Wenn ich der Realität ins Auge blicke, dann ist es für mich natürlich sehr schwierig. Im Leben ist das aber normal. Ich möchte noch einige Jahre in der MotoGP bleiben und wieder an die Spitze kommen. Wir können die Geschichte nicht so enden lassen. Wir müssen das Motorrad auf ein gutes Level bringen, näher an Honda und Yamaha.“

Text von Gerald Dirnbeck

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2 Antworten auf Valentino Rossi bereut den Wechsel zu Ducati nicht

  1. Michael

    Rossi spricht über die 2011er Saison. Ja, genau so war das. Ich würde mich freuen wenn es nächstes Jahr besser für den Doctor läuft. Aber mit dem glänzend aufgelegten Stoner auf der zur Zeit überlegenen Honda wird das eine richtige Aufgabe.

  2. thommy

    Als Fan von spektakulären Grand Prix Rennen kann man durchaus Fan von Rossi sein, so auch ich, allerdings sehe ich Schatten über Rossis Aura wenn er nicht die menschliche Größe hat anzuerkennen , daß seine Kollegen ebenfalls Großes leisten.

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