Vier Jahre sind vergangen, seitdem die Einführung des Bio-Kraftstoffs E10 von der Politik beschlossen wurde. Die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer misstraut dem Biosprit nach wie vor, die ausgerufenen Ziele sind alle vorerst gescheitert. Ein Überblick über Ursachen und Konsequenzen des umstrittenen Kraftstoffs.

Erzwungener und umstrittener Biokraftstoff
Die Kraftstoffsorte E10 wurde vor vier Jahren hierzulande eingeführt. Bis heute ist die Benzinsorte, bei dem zehn Prozent Ethanol aus Agrarprodukten beigemischt wird, umstritten. Der sogenannte Biosprit soll umweltfreundlicher als herkömmliches Benzin sein, doch einige Umweltexperten wiedersprechen dieser Ansicht, sie halten den Biosprit für ökologisch fragwürdig.

Anfang 2011 wurde die Einführung von E10 durch die Politik beschlossen, in den ersten Wochen herrschte vielerorts Chaos und Verwirrung. An einigen Tankstellen war das altbekannte Super (Superbenzin E5), das fünf Prozent Ethanol aufweist, nicht mehr zu bekommen. Dabei tankt nahezu jeder PKW-Fahre diese Sorte. Automobilverbände und Fahrzeugsteller warnten vor der möglichen schädigenden Wirkung auf die Motoren durch die Zufuhr von E10. Einige verunsicherte Fahrer waren so verunsichert, dass sie die Tanks ihrer Fahrzeuge auspumpen ließen oder auf das teurere Super Plus umstiegen.

E1o Biokraftstoff

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Missverständnis reiht sich an Missverständnis
Die Geschichte des Bio-Kraftstoffs E10 ist laut welt.de geprägt von Missverständnissen und intransparenten Informationen: Auf der einen Seite befürchteten Autohändler Einbußen beim Gebrauchtwagenverkauf, einige Kraftstoffhersteller wollten den Aufwand für die Einführung einer weiteren Benzinsorte nicht tragen, die Fahrer befürchteten einen höheren Verbrauch und Motorschäden. Auf der anderen Seite drangen die Beteuerungen nach vermeintlichen Entlastungen für die Umwelt nicht durch, der Preisvorteil von drei, später vier Cent pro Liter, machte den Biosprit nicht wesentlich attraktiver in der Gunst der Fahrer. Daran hat sich bis heute nichts geändert, der Preisunterschied habe sich sogar verkleinert.

Geringerer Preisvorteil
Seit Anfang dieses Jahres steht fest, dass sich der Preisvorteil von E10 auf zwei Cent pro Liter reduziert hat. So ist auch der finanzielle Anreiz verloren gegangen, vor allem bei dem derzeit niedrigen Ölpreis. Verantwortlich hierfür seien höhere Preise für das beigemischte Ethanol, das im Gegensatz zum Mineralöl in den vergangenen Monaten kaum günstiger geworden ist.

Aus diesem Grund wird sich der Biosprit auch in Zukunft wahrscheinlich nicht durchsetzen. Ein Grund, warum dies in der Vergangenheit nicht geklappt hat, sind die Befürchtungen von Autofahrern, dass der Bio-Kraftstoff zu Schäden am Motor und Getriebe führen könnte. Dies hat sich bislang jedoch nicht bewahrheitet.

Kaum Motorschäden offiziell bekannt
Die grundsätzliche Idee hinter der Einführung von Bio-Kraftstoffen ist recht simpel und auch sinnvoll. Ethanol ist generell geeignet als Benzingemisch für die Nutzung in Motoren. Im Rennsport wird diese Art von Kraftstoff aufgrund der hohen Oktanzahl seit langem genutzt. Problematisch ist, dass Ethanol bereits bei einem Anteil von zehn Prozent Kunststoffe und Leichtmetalle angreifen kann. Kunststoffe werden im Kraftstoffsystem für die Herstellung von Schläuchen und Dichtungen gebraucht, Leichtmetalle finden sich unter anderem in Benzinpumpen, Einspritzsystemen und in Vergasern wieder.

E1o Biokraftstoff

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E10 für ältere Fahrzeuge weniger geeignet
Obwohl es kaum offizielle Meldungen von auftretenden Motorschäden beim Tanken des Bio-Kraftstoffs E10 gibt, steigt das Risiko von technischen Problemen beim Betanken von älteren Fahrzeugen. Für Oldtimer ist E10 in den meisten Fällen nicht geeignet und auch bei Motoren mit Benzin-Direkteinspritzung, wie sie bei früheren FSI-Modellen von Volkswagen oder im Falle des Opel Omega sowie Ford Mondeo verwendet werden, kann es bei der Zufuhr von E10 ebenfalls zu Problem kommen.

Listen über E-10 Verträglichkeit
Aufgrund der zunehmenden Skepsis und Besorgnis unter den Fahrern haben Fahrzeughersteller Informationen über die E-10-Verträglichkeit von ihren jeweiligen Modellen zusammengetragen. Im Bereich Motorräder informiert diese Webseite über die Verträglichkeit von einigen Kawasaki-Modellen bezüglich der Zufuhr des Biokraftstoffs E10.

Biosprit E10 – Keine Durchsetzung am Markt
Die dargelegten Entwicklungen haben dazu geführt, dass sich der Bio-Kraftstoff vier Jahre nach seiner Einführung am Markt nicht flächendeckend durchgesetzt hat. Im Jahr 2014 betrug der Marktanteil nach Informationen des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft 15,1 Prozent, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr (14,9 Prozent). Mit diesen Werten liegt E10 weit entfernt von dem auferlegten Ziel, die wichtigste Benzinsorte mit einem Marktanteil von bis zu 80 Prozent zu werden.

Demnach seien etwa 2,8 Millionen Tonnen von dem Bio-Kraftstoff E10 verkauft worden, der größte Anteil entfiel auf die Benzinsorte Super mit 14,9 Millionen Tonnen, dies entspricht einem Plus in Höhe von 2,2 Prozent. Super Plus musste einen Rückgang um ein Prozent hinnehmen, der Absatz lag bei rund einer Million Tonnen. Normalbenzin wird an den Zapfsäulen so gut wie überhaupt nicht mehr nachgefragt.

Begrenzung des Biospritanteils
Die europäische Union (EU) hat auf die Kritik von Umwelt- und Verbraucherschützern reagiert, wonach durch den Anbau von Nahrungspflanzen wie Raps, Mais oder Soja für die Produktion von Sprit Flächen für den Anbau von Nahrungsmittel wegfallen. Das EU-Parlament hat Ende April 2015 für eine Herabsenkung des Anteils von traditionellen Bio-Kraftstoffen von zehn auf sieben Prozent gestimmt. Zwar solle weiterhin das Ziel gelten, in Zukunft zehn Prozent der Energiegewinnung im Transportbereich über Biokraftstoffe zu decken, jedoch solle der Anteil von Biokraftstoffen aus der ersten Generation, beispielsweise Mais oder Raps, auf sieben Prozent begrenzt werden.

Ein Kernaspekt der neuen Regelung sei die Erhöhung des Anteils von Bio-Kraftstoffen der zweiten Generation. Hierbei handele es sich um Kraftstoffe, die beispielsweise aus Pflanzenabfällen hergestellt werden und nicht in Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln stehen. Hierbei wird die gesamte Pflanze verwertet, zudem wird es in Zukunft möglich sein, Biosprit aus Kunststoffen, Stroh, Müll oder Klärschlamm zu gewinnen.

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2 Antworten auf Bio-Kraftstoff E10 – Eine Geschichte voller Missverständnisse

  1. Wunderlich

    Vielleicht liegt es an dieser Art von Angstmacher-Berichten, dass sich Super E10 noch nicht als Standardsorte durchgesetzt hat? Wo steht geschrieben, dass ältere Autos keine Beimischung von 10% Bioethanol im Benzin vertragen? Die Zeitschrift OLDTIMERMARKT hat auf Initiative von Chefredakteur Peter Steinfurth einen Langzeittest mit E10 durchgeführt und die Ergebnisse 2014 unter dem Titel „Dann Prost!“ veröffentlicht. Das ist kein Geheimnis und im Web gut auffindbar (http://www.oldtimer-markt.de/e10).
    Die „taz“ kommentiert heute ankässlich der Brasilienreise der Kanzlerin: „Brasilien ist Pionier einer Energiewende im Transportsektor. In der deutschen Energiewende-Debatte wird dieser Bereich weitgehend ausgeklammert. Brasilien begann schon in den 1970er Jahren, Erdöl durch Ethanol aus Zuckerrohr zu substituieren. Heute ist das Land nach den USA der größte Biokraftstoffproduzent der Welt. ….Die Sorge der Deutschen, dass schon eine Beimischung von zehn Prozent Motoren von älteren Autos schaden könnte, finden viele Brasilianer befremdlich.“

  2. Reuter

    Gut, E10 kann Dichtungen, Schläuche und Aluminium angreifen. Diese Produkte wurden verbessert und sind in den meisten Fällen nicht mehr gefährdet. Und wer verwendet denn Dichtungen und Schäuche aus den 70er Jahren?
    Ein Problem aber bleibt und das sind die hygroskopischen Eigenschaften von Ethanol. D.h. der Alkoholanteil im Benzin zieht bei längerer Lagerung Wasser aus der Luft. Das kann bei Oldtimern, die z.B. ein halbes Jahr ungenutzt in der Garage stehen zu Wasseranreicherung im Benzin führen. Dieses Wasser kann sich dann (nach der Anreicherung im Kraftstoff über einen längeren Zeitraum) bei kalten Temperaturen unten im Tank, Vergaser oder den Einspritzdüsen absetzen und dann zu Korrosion führen. Wenn Fahrzeuge ständig in Gebrauch sind, kein Problem.

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