Warum Motorradtuning?

Diesmal geht es um die Auswirkung von Tuning und Übersetzungsänderungen auf die Durchzugs und Beschleunigungswerte.

Das Bemerkenswerte dabei ist, daß sich eine erhöhte Motorleistung und eine kürzere Übersetzung erheblich stärker auswirken, als es die nackten Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen:

Wenn wir die Bedarfskurve (wieviel Leistung braucht der Motor um eine bestimmte Geschwindigkeit zu halten) und die Leistungskurve aufeinanderlegen, können wir am Abstand der Kurven zueinander erkennen, wie stark der Motor das Motorrad beschleunigen kann. Erst wenn beide Kurven sich schneiden, ist die Endgeschwindigkeit erreicht.

Ein Beispiel: Wenn du mit dem Motorrad mit 120 Kmh fahren möchtest, benötigst du 20 PS, um diese Geschwindigkeit zu halten. Wenn der Motor hier aber 30 PS zur Verfügung stellt, bleiben 10 PS, die das Motorrad weiter beschleunigen.  Jetzt tunen wir den Motor und er hat statt der 30 nun 35 PS. Das entspricht einer Mehrleistung von 5 PS, also knapp 17 %. Das ist erstmal kein spektakulärer Wert, (aber durchaus respektabel für ein Tuningergebnis). Wesentlich stärker wirken sich die gewonnenen 5 PS aber auf die gefühlte und auch messbare Beschleunigung aus. Denn dafür stehen bei 120 Km/h statt der 10 PS nun 15 PS zur Verfügung. Das sind 50% mehr, und diese 50% sind kein Zahlenspiel, sondern erfahrbare Realität. Hier geht es um genau das, was wir unter „Druck“ verstehen.

Viertakt-Tuning-Fibel

Natürlich ist dieses Beispiel willkürlich gewählt, aber ganz allgemein läßt sich sagen, daß der Gewinn an Durchzugskraft und Beschleunigung immer höher ausfällt als der relative Gewinn an Leistung.

Eine andere Möglichkeit mit einem ähnlichen Effekt ist die Änderung der Übersetzung. Wenn wir den Motor 5% kürzer übersetzen, wird auch die Kraft, die am Hinterrad ankommt, um 5% höher sein (wenn die Drehmomentkurve hier nicht gerade stark abfällt). Auch diesmal wird sich die Auswirkung auf den Durchzug stärker bemerkbar machen. Für alle, die jetzt nicht selber nachrechnen möchten: Aus den 5% werden – wenn wir  im obigen Beispiel bleiben – 15%.

Die kürzere Übersetzung hat allerdings den Nachteil, daß das Drehzahlniveau steigt und die mögliche Endgeschwindigkeit evtl. nicht mehr erreicht wird. Und genauso gut könnten wir natürlich auch einen Gang runterschalten. Was aber nichts daran ändert, daß wir Motorräder lieben, die auch im letzten Gang noch ordentlich vorwärtsgehen.

Zum Schluß treiben wir das Ganze auf die Spitze und übersetzen den getunten Motor 5% kürzer. Das erfreuliche Resultat ist ein um 67,5% gestiegener Leistungsüberschuß. Wer den nicht merkt, sollte Wohnmobil fahren.*

*(Liebe Wohnmobilfahrer. Das war nichts Persönliches. Mir ist nur gerade nichts Besseres eingefallen und das nächste Mal hacke ich wieder auf einer anderen Minderheit rum. Versprochen)

Text von Ulf. Penner

Motorrad Tuning-Fibel
Motorradtuning ist keine Hexerei – DAS Tuning-Nachschlagewerk: » www.Tuning-Fibel.de

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