Rein preislich ist es oftmals verlockend, auch im Sommer mit den Winterreifen zu fahren. Schließlich lässt sich so ein Satz neuer Reifen einiges kosten. Rechtlich gesehen dürfen Winterreifen auch dann als Sommerreifen genutzt werden, wenn sie weniger als vier Millimeter Profiltiefe aufweisen. Zudem spart sich der Fahrzeughalter den Aufwand, die Zeit und ggf. die Kosten des Reifenwechsels zweimal jährlich. Doch wer sich für einen Satz kombinierter Winter- und Sommerreifen entscheidet, spart deutlich weniger als auf den ersten Blick vermutet. Zudem kann diese Entscheidung ein hohes Risiko mit sich bringen, vor allem dann, wenn der Winter sehr kalt wird, mit viel Schnee und Eis.

Wieso Sommer- und Winterreifen?

Hierzu eine kurze Erläuterung: Winterreifen mit weniger als vier Millimetern Tiefe im Profil eignen sich nur noch mangelhaft bis schlecht für den Einsatz auf schneebedecken oder vereisten Straßen. Das Profil reicht für die schwierigen Bedingungen nicht mehr aus und das Risiko eines Unfalls erhöht sich deutlich. Hinzu kommt, dass „normale“ Winterreifen aus einer besonders weichen Gummimischung gefertigt sind, die sich besser für die Winterzeit eignet, sich aber auf trockener Straße schneller abnutzt als das härtere Material geläufiger Sommerreifen. Die kombinierten Reifenmodelle müssen deshalb deutlich häufiger durch neue ersetzt werden und führen dadurch zu höheren Kosten. Besonders bei aufgewärmten Straßen und langen Fahrten, beispielsweise in den Sommerurlaub, nutzt sich das Reifenprofil der weichen Winterreifen überproportional schnell ab. Spätestens auf langen Fahrten und bei Vielfahrern werden deshalb extra Winter- und Sommerreifen empfohlen.

pixabay.com © nuzree (CC0 1.0)

Höherer Spritverbrauch bei Winterreifen

Hinzu kommt ein weiterer Kostenfaktor, der sich ebenfalls durch das weichere Material und das tiefere Profil der Winterreifen begründet: Der Spritverbrauch liegt bei Winterreifen deutlich über dem der Sommerreifen. Denn die Reibung, die im Winter auf eisigen Straßen den nötigen Grip bietet, sorgt im Sommer für ein schnelleres Aufblitzen der Tankreserve-Leuchte. Eine Faustformel lautet wie folgt: „Um den Rollwiderstand der Reifen zu überwinden, müssen rund 20 Prozent der Antriebsenergie aufgewendet werden.“ (laut Spiegel) Sprich: Je leichter die Reifen rollen, je weniger Profiltiefe sie also aufweisen und je härter das Material ist, desto mehr Kraftstoff lässt sich einsparen.

Woran kann der Rollwiderstand erkannt werden?

Auf den ersten Blick lässt sich dieser vielleicht durch die Profiltiefe abschätzen, bislang mangelte es aber an eindeutigen Herstellerangaben. Vor etwa zwei Jahren wurde dies endlich geändert: Alle neuen Reifen im Verkauf müssen mit einer entsprechenden Markierung gekennzeichnet werden, die die Buchstaben A bis G verzeichnet. Praktisch selbsterklärend steht A für den geringsten und G für den größten Rollwiderstand des jeweiligen Modells. Während Sommerreifen auf eine Kennung von B kommen können, ist eine bessere Kennzeichnung als C für die Winterreifen praktisch unmöglich. Der Durchschnitt liegt sogar im Bereich E. Die Sommerreifen schneiden daher beim Verbrauch deutlich besser ab als ihre winterlichen Konkurrenten.

pixabay.com © goiwara (CC0 1.0)

Was zeichnet einen guten Sommerreifen aus?

Kommt also die Frage auf, welche Kriterien ein guter Sommerreifen erfüllen sollte? Hierzu eine kleine Checkliste:

  • Bei alten oder gebraucht gekauften Sommerreifen geht der erste Blick immer auf das Profil. Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter Restprofil. Für eine wirklich sichere Fahrt empfehlen Experten aber mindestens drei Millimeter. Denn sonst könnten bei Nässe Probleme mit dem Grip auftreten.
  • Reifen dürfen nicht älter als sechs Jahre sein, da dann der Gummi an Elastizität verliert.
  • Den Reifen auf äußere Beschädigungen testen. Dies können Risse oder Beulen sein. Zu diesem Zweck die Flanke und das Profil kontrollieren.
  • Alle vier Reifen vergleichen. Bei zu starker unterschiedlicher Abnutzung einzelne oder alle Reifen austauschen.
  • Wenn die Reifen professionell gewechselt werden lassen kostet dies schätzungsweise 20 Euro. Vorsicht ist daher bei teureren Angeboten zu wahren. In diesem Fall lieber von einer anderen Werkstatt erneut beraten lassen.
  • Die Reifen mit dem besten Restprofil an der Hinterachse anbringen.
  • Darauf achten, ob die Reifen laufrichtungsgebunden sind. Dies wird durch einen Pfeil an der Flanke markiert. Eine verkehrte Montage kann durchaus gefährlich werden.

Spritverbrauch weiter senken

Der Spritverbrauch soll noch weiter gesenkt werden oder es sind bereits heiße Sommerreifen fürs Auto vorhanden? Dann gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten auf der Straße ein bisschen Geld zu sparen:

  1. In erster Linie hängt der Spritverbrauch mit den Fahrstil zusammen. Am besten: Gar nicht fahren. Es gibt immer mehr Angebote, wie beispielsweise Carsharing, um vor allem in großen Städten mit ausreichend öffentlichen Verkehrsmitteln gänzlich auf ein eigenes Auto verzichten zu können.
  2. Für wen das keine Alternative ist, der kann zumindest langsamer fahren. Denn der Spritverbrauch ist dann am niedrigsten, wenn sich das Auto konstant und in einem angemessenen Drehzahlbereich bewegt.
  3. So wenig bremsen wie möglich: Aber natürlich immer dann, wenn es sein muss. Denn jede Bremsung frisst Energie, also am besten einfach weit genug von der roten Ampel entfernt einfach mal ausrollen lassen, statt mit Vollgas anzufahren und dann stark abzubremsen.
  4. Früh hochschalten (bei etwa 2000 Umdrehungen) und immer im höchstmöglichen Gang fahren.
  5. Ausmisten: Je weniger das Auto wiegt, desto geringer der Spritverbrauch. Also einfach mal das unnötige Kleinzeug aus dem Auto schaffen und schon fährt es sich, im wahrsten Sinne des Wortes, deutlich leichter.
  6. Der letzte Punkt führt uns wieder zu den Reifen zurück: Der Luftdruck spielt eine wichtige Rolle für den Reifenverbrauch. Daher lohnt es sich durchaus, diesen regelmäßig zu kontrollieren. Denn ein Reifen mit zu geringem Luftdruck erhöht nicht nur durch die unnötige Reibung höhere Benzinkosten, auch der Bremsweg verlängert sich, die Seitenführung des Reifens wird schlechter und der Verschleiß beschleunigt.


Bildnachweis:
Bild 1: goiwara (CC0 1.0)
Bild 2: goiwara (CC0 1.0)

Dieser Beitrag wurde unter Technik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *