Daniela Weingartner

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Nachdem die Saison im FIM Alpe Adria Road Racing Championship abgeschlossen war, juckte es mir noch in der Gashand, also lies ich mich dazu überreden in der IDM in Hockenheim zu starten.

Die Vorbereitungen waren noch sehr stressig, da ich erst am Mittwoch meine neue Verkleidung erhalten habe und diese noch quick-and-dirty lackieren und anpassen musste. Zu dieser Gelegenheit hatte die R6 auch noch ein kleines Abspeckprogramm erhalten.Vielen Dank Sebastian Ulrich für die Hilfe.

Donnerstag ging es schließlich zum gar nicht so weit entfernten Hockenheimring. Für mich das zweite Mal überhaupt auf dieser Strecke. Gegen Abend traf ich ein und fuhr mit meinem Aschenputtel-Auftritt dem Eingang der Strecke entgegen. Die Einlaßkontrolleure hielten mich ein wenig verdutzt an: „Wohin wollen sie?“ – Ich: „Zur IDM.“ – „Was wollen sie hier?“ – „Fahren“ – „Sie?“ – „Ja, Supersport.“ -„Oh, dann kommen sie mal mit.“ Sogleich wurde ich zum Racebüro geleitet, wo sich ähnlich erstaunte Blicke wiederholten. Ich kann es verstehen, ich konnte es selbst nicht glauben, dass ich wirklich in der IDM mitfahre. Schmerzlich legte ich 750- Eur für die Anmeldegebühr auf den Tisch. Schon wurde ich gefragt: „Woher kommt das Geld?“- Ich war erst verdutzt und antwortete: „Von der Bank!“ – „Lach, musstest du dafür selbst arbeiten?“ – „Jaaaaa…dafür muss ich lange in die Arbeit gehen.“ Drei mitleidig dreinblickende Augenpaare starrten mich über den Tisch hinweg an als mein Geld bereits mit einem „Ohhhhh….“ und einem schnell geübten Handwisch hinter dem Tisch verschwand.

Nachdem ich die erste Hürde überwunden hatte, wurde ich zu meinem Standplatz am Fahrerlager geleitet. Imaginäre Wege und Aufstelllinien wurden von drei unterschiedlichen Platzanweisern aufgezeigt bis ich schließlich beginnen konnte, mein Basislager zu errichten. Als ich mich im Rahmen der IDM mit ihren LKW-Auftritten umblickte, kam ich mir als Hobby- und Privatfahrer exakt wie Aschenputtel vor.  Aber egal, dann zelebriere ich das eben.

Am Freitag startete ich wahnsinnig aufgeregt zu meinem ersten freien Training in der IDM Supersport. Da ich erst das zweite Mal auf diesem Ring war, flogen meine viel erfahreneren Mitkonkurrenten geradezu vorbei. Mir war nicht bewusst, wo man mich überall überholen kann. Den ersten Turn brach ich aufgrund niedriger Asphalttemperaturen schnell ab und wahrscheinlich auch, weil ich ein wenig Angst vor meiner Konkurrenz bekam, deren Motto anscheinend „Fährste quer, siehste mehr“ ist.

Der zweite Turn begann zuerst mit einem kleinen Zwischenfall. Voller Tatendran fahre ich auf Start-Ziel, gebe Vollgas und dann …brrrrp…..Motor aus. Da ich zuvor den Seitenstützenschalter abgebaut und überbrückt hatte, vermutete ich stark einen fehlenden Kontakt in der Brücke. Schnell bin ich auf die Seite gerollert und habe noch äußerst liebenswerte Streckenposten kennengelernt. Vielen Dank! Ihr seid spitze!

Daniela Weingartner

© JK Sportsfoto – Daniela Weingartner, IDM Supersport 2015

Zurück in meinem Zelt hab ich kurzen Prozess gemacht, den Stecker abgeschnitten und einfach die Kabel zusammen gelötet. So, nun wird nicht mehr gezickt mein liebes Moped, nun wird Leistung gebracht.

Der dritte Turn war der letzte vorm ersten Qualifying, also die letzte Chance noch Geschwindigkeit aufzubauen. Raus gefahren und voller Elan auf die Start-Ziel gefeuert und huch, plötzlich hing ich aufgrund eines Highsiders neben dem Motorrad. Kurz ist mir mal das Herz in die Hose gefallen als sogar das Vorderrad quer stand und ich die R6 von schräg seitlich oben betrachte durfte….aber gerade noch abgefangen und ich blieb sitzen. Ralf Waldmann, welcher hinter mir fuhr, bevorzugte sogleich lieber ein wenig mehr Abstand zu lassen. *lach* Meinen erschreckten Blick eingefangen von meiner Rollei Onboardkamera (Video am Schluß des Berichtes).

Im Qualy lief es einigermaßen gut und ich konnte meine Bestzeit vom letzten Mal unterbieten. Über den letzten Startplatz kam ich natürlich nicht hinaus, aber das habe ich mit meinem unterlegenem Material sowieso nicht erwartet. Zufrieden und happy den Tag überlebt zu haben, war ich trotzdem.

Am Samstag stand das zweite Qualy und das erste Rennen auf dem Plan. Da ich im meine Zeit im zweiten Qualy unbedingt steigern musste, setzte ich auf SOFT-Reifen und vereinbarte mit JakobFurtner, Alpe Adria Cup Kollege, hinter ihm rauszufahren, damit er mich zieht. Pünktlich zum Beginn des Qualys standen wir vor der roten Ampel der Boxenausfahrt…und…..standen da….und….standen da. Aufgrund Zeitplanverzögerung verschob sich der Qualybeginn und unsere Reifen kühlten stetig weiter ab. Wir beiden IDM-Rookies waren natürlich die einzigen „Deppen“, die da vorne standen und die Verspätung nicht mitbekommen hatten. *lach* Endlich ging es raus, wir fuhren zwei Runden die Reifen warm und versuchten immer schneller zu werden…tja, bis ich die ersten Rutscher am Hinterrad bekam. Ich dachte mir noch, das kann doch nicht sein….das ist ein SOFT-Reifen! *schimpf* Ich kehrte schnell wieder in die Boxengasse zurück, wo wir den Luftdruck erhöhten. Mit mehr Luft fuhr ich nochmals raus, bis sie nach zwei Runden wieder zu schmieren anfingen. Also die Reifen waren wirklich keine gute Wahl, was sich auch in meiner Rundenzeit niederschlug. Leider nur eine signifikant kleine Verbesserung zum Vortag.

Fürs Rennen wollte ich mal etwas riskieren und meine Fahrwerksgeometrie verändern, dahingehend dass ich weniger Stoppieneigung besitze und mehr Grip am Hinterrad generieren kann. Wir wechselten auf Anraten von Herbert Strassmaier das Federbein und wählten eine härtere Feder. Kompensierten dies jedoch mit mehr Negativfederweg. Gleichzeitig fiel mir noch auf, dass meine Gabel über den Simmerring Öl zu verlieren began. Schnell brachte ich die Gabel noch zu einem Fahrwerkstechniker vor Ort, damit dieser mein Leck beheben konnte. Schon ging es gegen 18:15 Uhr zu meinem ersten IDM Rennen in die Startaufstellung. Die Aufregung und Anspannung stieg ins Unermessliche. Aschenputtel sah mit ihrer zerschlissenen Lederkombi anscheinend so elendig aus, dass just ein japanisches Teammitglied eines anderen Fahrers zu mir kam, mir seine Visitenkarte in die Hand drückte und mir seine alten Lederkombis schenken wollte. *räusper* *schäm* *lach*

Das 3-Minuten Schild wurde gezeigt, alle Helfer mussten die Startaufstellung verlassen. Wir Fahrer starteten zur WarmUp-Lap in welcher es schon einige Beinahekollisionen gab. Wir stellten uns zum Start auf. Die Ampel ging auf rot und….ging aus….ich kam gut weg und wäre einem vor mir stehendem Fahrer beinahe hinten drauf gebrettert, weil dieser anscheinend technische Probleme hatte. Puh, gerade noch gut gegangen. Wir zogen das Gas voll auf bis zur ersten Kurve bis schon die nächste Kollision geschah, in welche leider Jakob verwickelt war. Schon kamen wir zur Parabolica, in welcher sich meine Leistungsschwäche stark bemerkbar machte. Ich versuchte dran zu bleiben, aber schon bald führte ich ein einsames Rennen. Auch kamen mir meine zuvor durchgeführten Fahrwerksänderungen nicht gänzlich optimal vor. Zwar hatte ich mehr Grip auf dem Hinterrad und auch weniger Stoppieneigung, jedoch war meine Gabel gänzlich intransparent. Sie fühlte sich ganz anders und vor allem merkwürdig an. Trotz allem lief das Rennen gut für mich. Zwischenzeitlich wurde es ein wenig einsam, jedoch schaffte ich es in der letzten Runde meine persönliche Bestzeit auf dem Ring nochmals deutlich zu unterbieten. Zwar verpasste ich um einen Wimpernschlag mein Ziel, eine 1:35 zu fahren, aber ich war trotz allem glücklich mit dem Ausgang des Rennens.

Daniela Weingartner

© JK Sportsfoto – Daniela Weingartner, mit Ralf Waldmann bei IDM Supersport 2015, Hockenheim

Im Nachhinein wurde mir gesagt, dass bei meiner Gabel nicht nur der Simmerring getauscht wurde, sondern der Ölstand verändert wurden, sowie die Shims geändert und die Gabel anders eingestellt wurde. Es ergaben sich in der Folge stundenlange ermüdende Fahrwerksdiskussionen, welche an einen Religionskrieg erinnerten. Das bekommt man also, wenn man einfach nur eine dichte Gabel möchte. Es war gut gemeint, jedoch für mich komplett kontraproduktiv, da ich Fahrwerksänderungen gerne nachvollziehen und vor allem selbst bestimmen möchte. Nichtsdestotrotz war Fahrwerk das Thema Nummer 1 an diesem Abend.

Am nächsten Tag folgte das zweite Rennen. Ich beschloss lediglich das Heck einige Millimeter anzuheben um das Vorderrad wieder besser spüren zu können. Wieder steigerte sich die Anspannung ins Unermessliche. Mein Start gelang grandios und ich konnte in der ersten Kurve aufgrund Kollision meiner Mitstreiter einige Positionen gut machen. Die ersten Kurven konnte ich wirklich gut dran bleiben und auch die R6 hat sich besser angefühlt, tja, bis ich in die erste schnelle Kurve fuhr und dort fast übers Vorderrad abflog. Es fühlte sich an, wie ein ungewuchtetes Vorderrad, mit vielen kleinen Schlägen in der Front war es mir unmöglich Highspeedkurven zu durchfahren. In den nachfolgenden Kurven versuchte ich verzweifelt zu analysieren, was denn nun los sei und musste feststellen, dass es sich anscheinend so anfühlt, wenn man auf Block fährt. Meine Rundenzeiten waren katastrophal und ich konnte keinen Speed zulegen, da es sich ständig anfühlte als würde ich übers Vorderrad stürzen. Eigentlich wollte ich nach der ersten Runde schon rausfahren, habe mir jedoch gedacht, ich hab hier 750 Eur bezahlt, ich fahr hier jetzt! *trotzig schnauf* Nachdem ich überrundet wurde, bin ich dann jedoch doch sehr enttäuscht in die Box gefahren. Nach dem Absteigen musste ich schließlich auch erblicken, dass meine Gabel oben und unten Öl verloren hat und das Öl überall auf der Verkleidung war. Tja, schade, ich hatte wirklich Motivation noch ein paar Sekunden bei meiner Bestzeit zu finden.

Nichtsdestotrotz war es ein grandioses eindrucksvolles Wochenende, welches mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich konnte fahrerisch wieder einmal viel von den allerbesten lernen.

Für mich war es ein fantastischer Abschluss einer fantastischen Rennsaison!

Vielen Dank an René Dünki, ohne dessen Hilfe ich niemals geschafft hätte mein Motorrad jedes Mal zu den Turns wieder fit zu bekommen. Vielen Dank an Jakob, Alois und Erika Furtner für die Hilfe und Unterstützung vor Ort. Vielen Dank an Fahrwerks-Tuning Herbert Strassmaier für die permanente telefonische Beratung trotz Wochenende. Vielen Dank an alle Fans, welche mich unterstützt haben und mir Motivation gegeben haben, dieses Abenteuer zu wagen.

Vielen Dank natürlich auch an Gilles Tooling, Gaskrank, Rollei Actioncams, Motorrad-Racing Grün und Wintex Megastore für euren tollen Support!

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Onboard Video von Hockenheim mit abgefangenem Highsider auf Gaskrank.TV

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