Valentino Rossi, Marc Marquez - © GP-Fever.de

© GP-Fever.de – Valentino Rossi ist momentan nicht mehr gut auf Marc Marquez zu sprechen

Es sind merkwürdige Szenen, die sich am Donnerstagabend im Media Center in Sepang abspielen. Bereits bei der Pressekonferenz um 17:00 Uhr Ortszeit ist die Stimmung aufgeheizt.

Valentino Rossi wirft Marc Marquez öffentlich vor, sich im WM-Kampf auf die Seite von Jorge Lorenzo zu stellen. Zuletzt auf Phillip Island habe der Spanier ihn bewusst eingebremst, um seinen Landsmann zu helfen. Marquez weist diese Vorwürfe von sich, doch Rossi legt anschließend noch einmal nach – im kleinen Kreis.

Denn als die Pressekonferenz vorüber ist, spricht Rossi abseits der großen TV-Kameras noch mit einigen italienischen Medienvertretern – und teilt noch einmal kräftig gegen Marquez aus. „Marquez hat nicht mit uns beiden gespielt, er hat nur mit mir gespielt“, erklärt Rossi und verrät: „Für mich war das eine große Enttäuschung. Ich war sauer. Ich habe es schon seit ein paar Rennen geahnt, aber ich hätte nicht erwartet, dass er es so offensichtlich machen würde.“

Seinen verbalen Großangriff auf den Noch-Weltmeister scheint Rossi genau geplant zu haben. Er taucht nicht unvorbereitet zu der Medienrunde auf sondern hat mehrere Zettel dabei, auf denen die Rundenzeiten des Australien-GP genau aufgeschlüsselt sind. Damit ist klar: Rossis Angriff auf Marquez ist keine spontane Reaktion sondern ein vorher geplanter Schachzug des Rekordchampions.

Persönliche Probleme?
„Im Rennen habe ich es gemerkt, aber ich habe es nicht verstanden. Marquez war einen Schritt vor allen anderen. Aber anstatt zu versuchen mit Lorenzo zu kämpfen, blieb er bei mir und kämpfte mit Iannone und anderen. Er wusste, dass ich auf der Geraden gegen die Ducati verliere. Jedes mal wenn ich ihn überholen wollte, überholte er mich wieder zurück“, ärgert sich Rossi und vermutet: „Hier und in Valencia wird er es ganz sicher auch versuchen.“

Rossis Vermutung: Marquez wusste, dass er das Rennen selbst dann gewinnen würde, wenn Lorenzo sich vorne etwas absetzen kann. Daher sei er bewusst langsamer gefahren. „Er wusste, dass er ihn in drei Runden einholen kann. Also bremste er mich und Iannone ein, um andere Piloten zwischen mich und Lorenzo zu bringen. Das hat er letztendlich auch geschafft“, so Rossi.

Doch warum sollte Marquez Rossi überhaupt einbremsen wollen? Die Vermutung des Italieners: „Er möchte, dass Lorenzo (die WM; Anm. d. Red.) gewinnt. Er ist aus persönlichen Gründen sauer auf mich. Ich habe das nie gesagt, aber er denkt, dass ich ihn in Argentinien zu Fall gebracht habe. Außerdem denkt er noch immer an die letzte Schikane in Assen. Er denkt, dass er dieses Rennen hätte gewinnen sollen.“

„Er ist wie ein Kind“
In Argentinien waren die beiden beim Kampf um die Führung kollidiert. Während Marquez stürzte, konnte Rossi das Rennen gewinnen. In Assen kam es erneut zu einer Berührung und wieder gewann der Italiener am Ende, während Marquez nur Zweiter wurde. Dieser machte anschließend kein großes Geheimnis daraus, dass er sich von Rossi und der Rennleitung ungerecht behandelt fühlte.

„Seitdem ist er sauer und denkt wie ein Kind: ‚Ich gewinne nicht, aber du gewinnst auch nicht.‘ An diesem Punkt wäre es für ihn weniger schlimm, wenn Lorenzo gewinnt“, vermutet Rossi. Mittlerweile glaubt er auch nicht mehr, dass er wirklich das Kindheitsidol von Marquez war. „War ich wirklich sein Vorbild? Hatte er wirklich ein Poster von mir zuhause? Ich bin mir da nicht so sicher“, so Rossi.

Tatsächlich vermutet er, dass Marquez in gewisser Weise eifersüchtig auf ihn sei. „Es gab viele Momente. In Laguna Seca wollte er tun, was ich fünf Jahre zuvor mit Stoner gemacht hatte. Er hätte mich auch locker drei Kurven später überholen können. Das war das erste Anzeichen“, so Rossi. 2013 überholte der damalige Rookie den Rekordchampion in der legendären Corkscrew.

Lieber Biaggi als Marquez
Außerdem glaubt Rossi, dass der Spanier ihn eines Tages als Rekordweltmeister ablösen möchte. „Wenn ich noch einen (Titel) gewinne, dann weiß er, dass er auch einen mehr gewinnen muss, um mich zu überholen“, so Rossi, der bereits neun WM-Titel auf dem Konto hat und in diesem Jahr seinen zehnten gewinnen könnte. Jorge Lorenzo steht hingegen erst bei vier Weltmeisterschaften.

Kurios wird es auch gegen Ende des Mediengesprächs noch einmal, als Rossis einstiger Erzfeind Max Biaggi von den Journalisten ins Spiel gebracht wird. Auf die Frage, ob Biaggi in gewisser Weise ehrlicher gewesen sei als Marquez, antwortet Rossi: „Ja, das stimmt. Langfristig würde ich sein Verhalten bevorzugen. Wir konnten uns nicht leiden, aber wenigstens waren die Verhältnisse klar und ehrlich.“

Und so werden an diesem Donnerstag zwar viele Fragen beantwortet, doch gleichzeitig kommen auch viele neue auf: Stimmen Rossis Vermutungen? Wie reagiert Marquez? Wird der Spanier auch in Sepang wieder eine Rolle im WM-Duell spielen? Klar ist, dass die ganze Diskussion nicht spurlos am jungen Marquez vorbeigehen dürfte. Möglicherweise ist ja genau das die Absicht von Rossi, der nicht umsonst als Meister der Psychospielchen gilt…

Text von Ruben Zimmermann

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Eine Antwort auf Valentino Rossi legt nach: „Biaggi war ehrlicher als Marquez“

  1. Bittermann

    genau , drum hat Biaggi dem Rossi auch ein paar gescheuert …
    Rossi ist nur so gut wie das Motorrad , Marquez hingegen quetscht noch ein paar Zehntelchen durch seine Risikobereitschaft heraus …

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