(Motorsport-Total.com) – Wie Motorsport-Total.com Anfang August erstmals berichtet hat, wird Günther Steiner das MotoGP-Team Tech3 kaufen. Nun wurde der Deal offiziell bestätigt. Die Übernahme, die mit knapp unter 20 Millionen Euro bewertet wird, wurde von Apex – einem Fonds, der das Kapital mehrerer prominenter Sportler verwaltet – begleitet und durch den nordamerikanischen Investmentfonds IKON Capital finanziert.
Die neuen Eigentümer übernehmen den Rennstall ab der Saison 2026. Steiner wird als CEO fungieren, während sich Richard Coleman als Teamchef um das Tagesgeschäft kümmern wird. Herve Poncharal bleibt während der Übergangszeit als Berater im Hintergrund tätig.
Tech3, 1990 gegründet, gehört zu den Teams mit der längsten Historie im MotoGP-Paddock. Nach dem Gewinn des 250-ccm-Titels im Jahr 2000 stieg das Team 2001 in die MotoGP-Klasse ein und hat seither 38 Podestplätze sowie zwei MotoGP-Grand-Prix-Siege erzielt.
Warum hat sich Poncharal zum Verkauf entschlossen?
„Wie ich schon oft gesagt habe, nichts währt ewig“, erläutert Poncharal seine Beweggründe. „Und ich habe schon seit einiger Zeit darüber nachgedacht, wann der Tag kommen wird, an dem ich meinem Leben eine neue Richtung geben muss.“
„Ich habe schon lange darüber nachgedacht, wie ich das mache, mit wem ich es mache. Es gab natürlich mehr Interesse, mehr Gespräche, mehr Leute, die gefragt haben, was ich plane. Einer von ihnen – und am Ende derjenige, der den Zuschlag bekommen hat – ist Günther Steiner.“
„Ich habe jemanden gefunden, der sehr aufmerksam zuhört, der sich dafür interessiert, was du willst und was du geleistet hast. Ich denke, wir sind nicht in allem gleich, aber wir haben dennoch viele Dinge gemeinsam. Deshalb habe ich beschlossen, an ihn zu übergeben.“
Was bedeutet das für die kurzfristige Zukunft von Tech3?
Poncharal wird den Rennstall bis Jahresende wie gehabt leiten. Ab 1. Januar 2026 übernimmt Steiner mit seiner Gruppe das Team. Im kommenden Jahr bleibt auch alles gleich. Maverick Vinales und Enea Bastianini bleiben die Fahrer. Tech3 bleibt das Satellitenteam von KTM.
Auch alle Mitarbeiter bleiben an Bord. Die Teambasis in Bormes-les-Mimosas bleibt ebenfalls unverändert bestehen. „Momentan wollen wir nichts verändern“, bestätigt Steiner. „Ich will ein Jahr lang einfach nur lernen, das ist mein Ziel.“
„Danach sehen wir, ob wir Dinge anders machen müssen, je nachdem, wie wir uns entwickeln. Wir möchten die Erfolgsgeschichte von Tech3 fortsetzen. Es stand nie zur Diskussion, den Namen oder irgendetwas anderes zu ändern.“
„Herve hat selbst gesagt, dass er den Namen behalten möchte – und warum sollte ich ihn ändern? Es ist ein guter Name mit einer großartigen Geschichte. Wir wollen einfach dort weitermachen, wo wir jetzt stehen.“
Wer ist der künftige Teamchef Richard Coleman?
Richard Coleman ist ein erfahrener Motorsport-Manager sowie Gründer und CEO von Mayfield Sports Management mit Sitz in Silverstone. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung verfügt Coleman über einen starken technischen und organisatorischen Hintergrund im Motorsport.
Er war in verschiedenen Bereichen tätig, darunter Rallye-Weltmeisterschaft, Tourenwagen-Weltmeisterschaft und Langstrecken-Weltmeisterschaft, und verbindet technisches Fachwissen mit strategischer Führungsstärke.
Coleman hat erfolgreiche Rennteams besessen und geleitet, darunter Bamboo Engineering, das in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft (BTCC), der Tourenwagenweltmeisterschaft (WTCC) und der GP3-Serie antrat, bevor es in Craft-Bamboo-Racing aufging.
Darüber hinaus war er gewählter FIA-Vertreter sowie Vorstandsmitglied der European Rugby League. Unter seiner Leitung hat Mayfield Sponsoringverträge im Wert von über 150 Millionen US-Dollar in den Bereichen Motorsport, Fußball und Radsport vermittelt.
Warum steigt Steiner in die MotoGP ein?
„Ich denke, die Formel 1 ist für mich an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann: Ich habe das gemacht, ich war lange genug dabei“, sagt Steiner. „Deshalb wollte ich etwas Neues machen. Ich mag neue Herausforderungen.“
„Die Formel 1 ist fantastisch – aber sie ist nicht das Einzige, was man im Motorsport machen kann, nicht das Einzige, was man machen will. Ich wollte einfach eine neue Herausforderung, etwas Neues in meinem Leben.“
„Ich bin schon sehr lange im Motorsport tätig, aber für mich ist es das erste Mal mit zwei Rädern und nicht mit vier. Man lebt und lernt – und ich weiß, dass ich viel lernen muss. Ich bin mir dessen sehr bewusst und spreche da immer ehrlich darüber.“
„Für mich war es so: Als ich Ende 2023 die Formel 1 verlassen habe, habe ich mich umgesehen, was ich als Nächstes tun könnte. Ich habe einige Dinge laufen, aber ich habe MotoGP immer geliebt. Ich hatte nur nie Zeit, es zu genießen, weil ich selbst gearbeitet habe.“
„Als ich dann voriges Jahr in Austin war, kam mir die Idee, dass dies ein interessantes Projekt sein könnte. Ich begann, mich umzusehen und mit Leuten zu sprechen, was möglich wäre. Irgendwann habe ich dann Herve getroffen, und schon bei unserem ersten Treffen hat es sofort gepasst.“
„Ich möchte mich bei Carmelo und Carlos Ezpeleta bedanken. Sie haben mir sinngemäß gesagt: ‚Wenn wir dich reinlassen – vermassel es nicht!‘ Und genau darauf muss ich jetzt zusammen mit Richard achten, damit wir es nicht falsch machen.“
„Ich habe Carmelo und Carlos versprochen, dass wir fortführen, was bereits aufgebaut wurde. MotoGP ist ein großartiger Sport – nicht nur aus meiner Sicht, denn meine Meinung zählt hier nicht so sehr. Aber aus Sicht der Menschen, denn hundert Millionen sehen im Fernsehen zu.“
„Wir müssen sicherstellen, dass diese Erfolgsgeschichte weitergeht und dass wir die MotoGP dahin bringen, wo sie hingehört: groß und immer größer werdend. Das ist meine Meinung, und wir werden versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten“, so der Südtiroler.
Welche Rolle spielte die Dorna-Übernahme durch Liberty Media?
Durch die Netflix-Serie „Drive to Survive“ wurde Steiner in der Formel 1 zu einer Kultfigur. Anfang Juli wurde die Übernahme von MotoGP-Promoter Dorna Sports durch Liberty Media abgeschlossen, nachdem die EU-Kommission zugestimmt hatte.
Aber sowohl Steiner als auch Coleman betonen, dass Liberty Media keine Rolle für sie gespielt hat: „Günther und ich waren voll auf die MotoGP ausgerichtet, ganz unabhängig davon, ob der Liberty-Deal zustande gekommen wäre oder nicht. Wir glauben uneingeschränkt an die MotoGP.“
Mit Blick auf die Zukunft sagt Coleman aber auch: „Schon vor dem Liberty-Deal ist der Sport gewachsen – ich meine, mit Rekordbesucherzahlen, steigenden TV-Einschaltquoten und so weiter. Wir sehen Liberty daher eher als Beschleuniger dieser Entwicklung.“
Steiner hat die MotoGP in den vergangenen eineinhalb Jahren mehrmals besucht und ihm ist im Vergleich zur Formel 1 ein wesentlicher Unterschied aufgefallen: „In der Formel 1 gibt es sehr viel Politik, und ihr wisst alle, was dort passiert.“
„Deshalb war ich wirklich überrascht, wie wir hier empfangen wurden. Ich meine, wir sind Außenseiter – ich bin ehrlich gesagt ein Außenseiter hier – und trotzdem wurden wir willkommen geheißen.“
„Ich denke nicht, dass – wie vielleicht viele glauben – Liberty die Formel 1 kopieren wird, nur weil sie übernommen haben. Ich glaube nicht, dass das passieren wird, weil Dorna und die Familie Ezpeleta dieses Geschäft weiterhin führen. Sie wissen genau, was für die MotoGP wichtig ist.“
„Sie müssen niemanden kopieren, weil sie ihre eigene Geschichte schreiben können. Die MotoGP kann seinen eigenen Weg gehen und sehr erfolgreich sein – sie sind bereits sehr erfolgreich. Sie haben nicht auf mich gewartet, um erfolgreich zu sein.“
Ab 2027 können Steiner und Coleman den Rennstall neu aufstellen. Zunächst muss ein neuer Vertrag über zwei Startplätze mit Dorna Sports unterschrieben werden. Das gilt nur als Formalität. Außerdem müssen neue Sponsoren gefunden werden, denn Red Bull wird für Tech3 nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit welchen Motorrädern Tech3 2027 fährt, ist zu diesem Zeitpunkt offen.
Text von Gerald Dirnbeck
Quelle, Infos, Hintergrundberichte: www.motorsport-total.com/
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