(Motorsport-Total.com) – Der Rauch, den die Werks-Ducati von Francesco „Pecco“ Bagnaia während des MotoGP-Rennens beim diesjährigen Grand Prix von Japan ausstieß, hat andere Hersteller dazu veranlasst, Erklärungen und ein klares Protokoll für das Vorgehen in solchen Situationen einzufordern.

Francesco Bagnaia mit rauchender Ducati auf dem Weg zum Sieg in Motegi 2025

Bagnaia außergewöhnliche Siegesfahrt in Motegi am 4. Oktober schien eine dramatische Wendung zu nehmen, als die Werks-Ducati des Italieners fünf Runden vor Schluss plötzlich weißen Rauch ausstieß.

Dieser Rauch wurde von Runde zu Runde stärker. Letzten Endes aber kam der zweimalige MotoGP-Weltmeister nicht nur ins Ziel, sondern holte den Sieg und damit eines der seiner wenigen Erfolgserlebnisse in der Saison 2025.

Mehrere in der MotoGP-WM engagierte Hersteller fordern ein klar formuliertes Protokoll, das unter allen Umständen befolgt werden muss.

Ducati setzte sich in Motegi über die Regeln hinweg
Laut MotoGP-Reglement muss bei jedem mechanischen oder technischen Problem, das den Fahrer oder andere auf der Strecke gefährden könnte, dem betreffenden Fahrer die schwarze Flagge mit dem orangefarbenen Kreis gezeigt werden.

Daraufhin muss der betreffende Fahrer sein Motorrad sofort abstellen. Will er auf die Strecke zurückkehren, muss das Motorrad zunächst von einem Sportwart überprüft werden. An jenem Rennsonntag in Motegi lief es jedoch anders ab.

Danny Aldridge, der Technische Direktor der Teamvereinigung IRTA, begab sich während des Rennens direkt in die Ducati-Box, um Gigi Dall’Igna zu fragen, was mit Bagnaias Motorrad los sei. Nach Dall’Ignas Erklärung akzeptierten Aldridge und auch Simon Crafar als Leiter der Rennkommissare die Begründung und erlaubten Bagnaia, auf der Strecke zu bleiben.

Nach Informationen unserer Kollegen von Motorsport.com Spanien, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, verlangten mehrere in der MotoGP-WM engagierte Hersteller sofort eine Erklärung, warum das übliche Protokoll in diesem Fall nicht angewendet wurde.

Tatsächlich hatte sich nur sechs Wochen zuvor eine fast identische Situation ereignet, und in jenem Fall wurde das Protokoll angewendet. Während des Freitagstrainings in Spielberg (Österreich) begann Jack Millers Pramac-Yamaha zu rauchen. Der Australier fuhr noch einige Kurven auf der Ideallinie weiter, da der Motor nicht ausgegangen war und keine Warnmeldung auf seinem Dashboard angezeigt wurde.

Die Tatsache, dass Miller in Spielberg noch eine Zeit lang auf der Ideallinie weiterfuhr, führte zu einer Strafe. Zu Beginn des zweiten Freien Trainings am Samstagvormittag musste der Pramac-Pilot zehn Minuten lang in der Box sitzen bleiben, bevor er ins Geschehen eingreifen durfte.

Gerade aufgrund der Diskrepanz zwischen diesen beiden Situationen fordern die Hersteller ein klar formuliertes Protokoll, das unter allen Umständen befolgt werden muss.

Was war in Motegi mit Bagnaias Ducati los?
„Alle MotoGP-Motorräder erzeugen während des Betriebs einen Überschuss an Öl“, sagt ein MotoGP-Teammanager gegenüber Motorsport.com Spanien und erklärt: „Jeder Hersteller hat sein eigenes System, um diesen Überschuss zu managen. Vermutlich stammte der Rauch aus dem Motorrad von ‚Pecco‘ von überschüssigem Öl, das durch die Hitze des Auspuffrohrs in einem theoretisch kontrollierten Prozess verbrannt wurde.“

Aus diesem Grund musste Bagnaia in Motegi nicht anhalten, als der Rauch auftrat. Die Offiziellen akzeptierten die technische Erklärung von Ducati ohne Weiteres. Auf Seiten eines anderen Herstellers, wo man Bedenken zu diesem Thema geäußert hatte, ist man jedoch nicht ganz überzeugt, dass die Situation kein Risiko darstellte.

„Der Rauch, der von einem Motorrad aufsteigt, setzt sich auf dem Asphalt ab. Wenn das nur über wenige Meter geschieht, ist das kein Problem. Aber wenn es drei, vier, fünf Runden lang so weitergeht, dann kühlt sich der Rauch ab und verwandelt sich in Öl. Und das ist in der Tat eine Gefahr für die anderen“, betont die Quelle, die nicht genannt werden möchte.

Was fordern die anderen Hersteller?
„Unsere Fragen lauten daher: Was passiert beim nächsten Mal? Hat das Wort eines Teamchefs Vorrang oder sollte das Regelwerk angewendet werden? Wir brauchen ein klares Protokoll, das immer auf die gleiche Weise durchgesetzt wird“, fordert derselbe Teammanager.

Motorsportcom Spanien geht davon aus, dass die anderen Teams nicht erfreut waren, als IRTA-Technikdirektor Danny Aldridge direkt mit Dall’Igna sprach – und das Gespräch sogar in der Live-Übertragung von Dorna Sports zu sehen war.

„Das hat keinen guten Eindruck hinterlassen. Deshalb haben wir auch die Einrichtung eines Funkkanals gefordert, der alle Teams mit dem Rennleiter und dem sportlichen und technischen Direktor der Meisterschaft verbindet, sodass alle Probleme, die auf der Strecke auftreten, sofort und intern besprochen werden können“, so die Quelle.

Text von German Garcia Casanova, Übersetzung: Mario Fritzsche

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