(Motorsport-Total.com) – MotoGP-Rookie Fermin Aldeguer (Gresini-Ducati) zeigte beim Grand Prix von Österreich eine starke Aufholjagd und setzte in der Schlussphase auch Saison-Dominator Marc Marquez (Ducati) unter Druck. Seinen größten Rückstand verzeichnete Aldeguer in der 15. von 28 Runden.

Marc Marquez feierte gemeinsam mit Fermin Aldeguer auf dem Podium

Zu diesem Zeitpunkt fuhr der 20-Jährige an der fünften Stelle – vier Sekunden hinter der Spitze. In der 24. Runde war Aldeguer nur noch eine knappe Sekunde hinter Marquez. Für einen Angriff reichte es nicht mehr, aber mit Platz zwei war der Spanier der Mann des Rennens.

„Es war eines der besten Rennen meines Lebens“, strahlt Aldeguer. „Es ging alles leicht, muss ich sagen. Ich weiß nicht warum. Im ersten Teil des Rennens habe ich versucht, die anderen Fahrer zu überholen, und es gelang mir problemlos.“

„Nach dem Überholmanöver gegen Pedro war der Abstand zu Marco groß. Aber mein Gefühl wurde Runde für Runde immer besser. Sicher, als ich ihn überholt hatte, war vielleicht das Podium heute nicht das bestmögliche Ergebnis. Ich hätte das Rennen gewinnen können!“

In einer Wertung hatte Aldeguer die Nase vor Marquez, denn die internationalen Fans wählten ihn zum Fahrer des Tages. Auf ihn entfielen 42 Prozent der abgegebenen Stimmen, während Marquez 32 Prozent erhielt und Marco Bezzecchi 17.

„Ja, das ist super, super besonders, denn gegen den achtfachen Weltmeister um den Titel ‚Fahrer des Tages‘ zu kämpfen, ist extrem schwierig“, lacht Aldeguer. „Aber ich bin die neue Generation, ich bin jung, und wir haben diesen Vorteil, manchmal so ein Rennen zu fahren.“

Abseits der Rennstrecke verstehen sich Marquez und Aldeguer sehr gut. Manchmal trainieren sie in Spanien gemeinsam Motocross. Marquez hat seinem jüngeren Landsmann bei seinem MotoGP-Einstieg viele Tipps und Ratschläge gegeben.

Gibt Marc Marquez künftig keine Ratschläge mehr?
Ist es damit nach diesem Rennen vorbei? „Ich meine, wir haben ein sehr gutes Verhältnis, aber man kann nicht wirklich helfen“, so Marquez. „Man kann einige Ratschläge geben, und wir haben eine sehr gute Beziehung zwischen uns dreien – also mir, Alex und Fermin.“

„Aber am Ende hat er ein sehr gutes Team, er ist bei Gresini, und sie geben ihm die Ratschläge während des Wochenendes. Er hat Spaß, er wächst, und wie wir schon in vielen Rennen gesehen haben – ich erinnere mich, in Austin war er in der zweiten Rennhälfte der Schnellste.“

Aldeguer hat bei Gresini die Crew rund um Frankie Carchedi übernommen, die im Vorjahr Marquez betreut hat. Marquez kennt diese Mannschaft deshalb natürlich bestens. Bei Ducati liegen auch alle Daten offen. Jeder kann sich ansehen, was der andere Fahrer macht.

„Marc schaut sich meine Daten nicht an“, lacht Aldeguer. Aber Marquez antwortet darauf: „Nein, aber es stimmt, dass ich zum Beispiel an diesem Wochenende oder generell während aller Wochenenden nur meine eigenen Daten überprüfe.“

„Ich schaue mir nicht viel an, aber ich habe mir seinen dritten Sektor angesehen – das ist die Doppel-Links und nur eine Rechtskurve – und da war er schneller als ich. Also habe ich gesagt: In den Linkskurven macht er etwas Besonderes.“

„Ich habe gesehen, dass er viel Kurvenspeed mitnimmt. Mit der Karkasse, die wir an diesem Wochenende hatten, war das etwas, das man tun musste. Denn wenn man nur Stop-and-Go fährt, also hart anbremst, das Motorrad herumreißt und dann beschleunigt, hat man nicht diesen Grip.“

„Und dieser Kurvenspeed hilft ihm mit dieser Hinterrad-Karkasse, den Reifen zu schonen und die Geschwindigkeit zu halten, ohne den Reifen zu stark zu belasten. Ich habe versucht, ihn in diesen zwei Kurven ein wenig zu kopieren. Im Rest fahre ich meinen eigenen Stil.“

Worauf sich Aldeguer nun konzentrieren will
Dass Aldeguer in der zweiten Rennhälfte stärker wird, während andere Fahrer ihr Tempo etwas drosseln müssen, hat man in dieser Saison schon öfter gesehen. Ist das eine natürliche Qualität, die er als Rennfahrer hat, wie es Marquez beschrieben hat?

„Ich weiß es nicht“, zuckt Aldeguer mit den Schultern. „Das ist mein Stil. Ich mache nichts anderes als zu Hause oder im Freien Training. Ich denke, es liegt an der Geschwindigkeit, die ich in der Mitte der Kurve habe, an der Art, wie ich das Gas benutze, weil ich sehr sauber fahre.“

„Aber ich muss noch mehr daran arbeiten, meinen Stil an dieses Motorrad anzupassen, um auch auf anderen Strecken wettbewerbsfähiger zu sein. Aber wir verbessern uns sehr schnell. Ich denke, mein gesamtes Team und ganz Ducati sind super glücklich mit meiner bisherigen Anpassung.“

Dieser zweite Platz in Spielberg war nach Le Mans, wo wechselhaftes Wetter herrschte, das beste Resultat in Aldeguers bisher kurzen MotoGP-Karriere. In der WM ist er nach 13 Rennwochenenden auf dem achten Platz zu finden.

Wie lauten seine nächsten Ziele? „Eines der Dinge, an denen ich arbeiten will, ist dieser erste Teil des Rennens. Ich möchte mehr Starts üben. Ich will in der ersten Runde an der Spitze sein, um das Rennen leichter zu gestalten. Aber ja, diese Saison ist zum Lernen.“

Text von Gerald Dirnbeck

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