© motorradrennen.com - Stefan Bradl: Mit Platz zwei zufrieden und die MotoGP-Klasse weiterhin im Visier

Moto2-WM-Leader Stefan Bradl fuhr bei seinem Heim-Grand-Prix auf dem Sachsenring auf Platz zwei hinter seinem schärfsten Verfolger in der WM-Tabelle, dem Spanier Marc Marquez.

Im Interview spricht Bradl über die Gründe, warum er in den Schlussrunden nicht mehr attackieren konnte, über den Druck beim Heimrennen, über seine Pläne für die dreiwöchige Pause und darüber, wie sehr ihn das Thema MotoGP-Aufstieg belastet.

Frage: „Stefan, als du vor Marc Marquez lagst, hast du da probiert wegzuziehen oder wusstest du von vornherein, dass das nicht viel Sinn machen würde?“
Stefan Bradl: „Mir war schon klar, dass es nicht viel Sinn haben würde. Marc wollte natürlich nicht das gesamte Rennen anführen. Heute war glaube ich keiner in Lage, wirklich weg zu fahren. Einzig in der Schlussphase war der Abstand dann etwas größer, als ich die entscheidende halbe Sekunde verloren habe.“

„Wir hatten gestern im Qualifying ein paar Probleme mit dem Vorderreifen. Nach meinem Sturz am Samstagvormittag mussten wir uns wieder heranarbeiten und das Gefühl wieder aufbauen. Das ist uns im Qualifying gut gelungen. Eine Kleinigkeit in Bezug auf das Feedback vom Vorderreifen habe ich dennoch vermisst. Somit mussten wir auf eine Einstellung setzen, bei der uns klar war, dass wir unter Umständen etwas Grip am Hinterreifen verlieren würden. In den letzen fünf Runden kam es dann tatsächlich so. Ich habe trotzdem noch versucht, dran zu bleiben. Letztlich musste ich aber erkennen, dass Marc heute stärker war.“

Frage: „Glaubst du, dass ihr mit etwas mehr Zeit die Abstimmung noch besser hättet hinbekommen können?“
Bradl: „Hätte, Wenn und Aber gibt es nicht. Wir haben das Bestmögliche daraus gemacht. Der Sachsenring ist ein sehr spezieller Kurs. Ich bin froh, hier mit einem Podiumsplatz nach Hause zu fahren.“

Frage: „War der ganze Trubel beim Heim-Grand-Prix eine Zusatzbelastung für dich oder hast du das einfach wegstecken können?“
Bradl: „Das ganze Wochenende war schon sehr, sehr anstrengend für mich. Ich habe mir natürlich auch gesagt, ich muss mir Zeit nehmen für die Fans. Wer weiß, wie lange das alles hier noch so geht. Deshalb muss man das schon ein bisschen genießen können. Die Unterstützung von den Tribünen war natürlich ein großartiges Gefühl. Die Auslaufrunde war für mich Gänsehaut-Feeling. Ich bin sehr froh, dass im momentan in der Situation bin, Deutschland im Motorradsport anzuführen. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir es schon geschafft haben. Wir müssen konzentriert weiter arbeiten. Wir haben gerade einmal Halbzeit der Saison und wie man sieht, wird es mir nicht einfach gemacht.“

Frage: „Du wirktest in den Gesprächen immer sehr cool. War das tatsächlich so oder hast du dir den Druck zum Teil auch selbst auferlegt?“
Bradl: „Ich bin ein Mensch, der immer seine Meinung sagt. Natürlich hätte ich gern gewonnen, das ist klar. Ich glaube, es ist bekannt, dass ich ein Sportler bin, der gern ganz oben auf dem Podium steht aber auch nicht hirnlos durch die Gegend fährt. Platz zwei war heute das Maximum für mich und ich bin alles andere als unzufrieden damit.“

Frage: „Du hast die halbe Sekunde angesprochen, die dir verloren gegangen ist. War das nur die vorletzte Runde? Was genau war da los?“
Bradl: „Es gab zwei, drei Stellen, wo gut an Marc dranbleiben konnte. Über eine ganze Runde gesehen war er einfach einen Tick schneller. Das hat am Schluss den Unterschied gemacht. Ich habe alles gegeben und natürlich versucht, in der letzten Runde eine Attacke zu reiten. Der Hinterreifen hat mir das aber einfach nicht erlaubt. Dennoch sehe ich das Ganze positiv, denn es ist ein sehr wichtiges Ergebnis für die Meisterschaft.“

Frage: „Marc kann im Grunde aus eigener Kraft nicht mehr Weltmeister werden. Wenn alle verbleibenden Rennen so ausgehen wie heute, bleibst du vorn. Ist das eine gute Nachricht für dich oder siehst du das heutige Rennen trotzdem als ein verlorenes an?“
Bradl: „Es war überhaupt kein verlorenes Rennen. Es war ein gewonnener zweiter Platz. Ich glaube schon, dass ich die Fans zufriedengestellt habe. Sicher würde ich gern jedes Rennen gewinnen, aber schließlich reden wir hier von einer Weltmeisterschaft und nicht von einem Kindergeburtstag. Hier werden Messer ausgepackt und ich bin bereit, auch weiterhin meine kämpferische Leistung zu zeigen. Was die Meisterschaft betrifft, ist es sicher wichtig, immer ins Ziel zu kommen und Punkte zu sammeln, aber letztlich muss man auch mal damit zufrieden sein, was jetzt ist.“

Frage: „Wie fühlst du dich körperlich nach diesem Rennen?“
Bradl: „Ich bin froh, dass es vorbei ist. Durch die vielen Linkskurven war es sehr anstrengend für die linke Hälfte des Körpers – speziell Oberschenkel und Brustbereich. Wir haben vor diesem Wochenende ein spezielles Training für mich eingelegt, das sehr linkslastig war, aber letztlich kann man das nie so simulieren, wie wenn man auf dem Motorrad sitzt.“

Frage: „Wie groß ist die Erleichterung, dass dieses Wochenende jetzt vorbei ist?“
Bradl: „Die Erleichterung ist sehr groß. Vor dem Rennen war ich ehrlich gesagt sehr nervös. Das war nicht einfach. Ich muss mich bei den Fans bedanken, die mich sehr gut unterstützt haben. Das war ein tolles Gefühl, vor einem solchen Publikum zu fahren. Ich bin erleichtert, dass es vorbei ist und gehe jetzt in eine wohlverdiente Pause.“

Frage: „Was wirst du in den drei Wochen Pause machen?“
Bradl: „Ich werde zu Hause trainieren. In der zweiten Saisonhälfte kommen dann einige Strecken, die mir sehr gut liegen sollten.“

Frage: „Ist die Pause auch gut, um den Lauf von Marc zu unterbrechen?“
Bradl: „Ich glaube, ich selbst habe auch keinen schlechten Lauf. Unsere Performance ist gut, aber Marc und sein Team haben auch etwas gefunden. Sie wissen nun, wie man Rennen gewinnt. Marc hat ein großartiges Team im Hintergrund. Auf diesem Gebiet haben wir vielleicht einen kleinen Nachteil, weil wir noch ein bisschen zu unerfahren sind. Wir sind aber absolut bereit, diese neue Herausforderung anzunehmen und das Bestmögliche herauszuholen.“

Frage: „Inwieweit wirst du versuchen, im Team von technischer Seite her zu pushen, sodass du mit Marc auf Augenhöhe kämpfen kannst?“
Bradl: „Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht. Wir müssen konzentriert weiter arbeiten und dürfen uns nicht auf die faule Haut legen. Das ist nicht unser Stil und auch nicht meine Herangehensweise. Kalex wird in der Pause natürlich auch schuften und eventuell neue Teile für Brünn bringen.“

Frage: „Das Thema MotoGP möchtest du bis Brünn abgeschlossen haben, richtig?“
Bradl: „Es gab hier ein paar Gespräche, soweit ich das am Rande mitbekommen habe. Es hat sich etwas getan, aber verkünden können wir das noch nicht, weil es noch nicht feststeht. Für mich ist das Thema ehrlich gesagt keine allzu große Belastung. Ich bin froh, wenn die Teams interessiert sind und wenn für mich ein Platz in der MotoGP gesucht wird. Das ist für mich eine große Ehre. Ich möchte nicht aufsteigen, wenn die letzten Rennen in diesem Jahr nur noch als Achter oder Zehnter ins Ziel komme. Ich möchte auf diesem Level, wie wir ihn jetzt haben, bis zum Schluss weitermachen. Dann wäre es ein verdienter Aufstieg.“

Frage: „Was sagst du dazu, dass der Vertrag mit dem Sachsenring um eine weiteres Jahr verlängert wurde?“
Bradl: „Das ist natürlich toll für die Fans, für den Sachsenring und für Deutschland.“

Text von Lennart Schmid

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