© Ducati - Jeremy Burgess und Valentino Rossi sind ein Erfolgsgespann in der MotoGP

Jeremy Burgess zählt zu den Technik-Gurus in der MotoGP und hat in seiner langen Karriere alle seine Motorräder zu den besten der Klasse gemacht. Mit Wayne Gardner feierte der Australier seinen ersten WM-Titel in der 500er-Klasse (1987). Zusammen mit Mick Doohan dominierte er die Königsklasse zwischen 1994 und 1998. Mit Valentino Rossi hat der 58-Jährige bei Honda und Yamaha unzählige Titel gewonnen. Auch zu Ducati ist Burgess dem neunfachen Champion gefolgt.

Bislang fährt Rossi dem Feld noch hinterher. Zuletzt in Le Mans feierte der Italiener sein erstes Podium in dieser Saison, doch im Ziel fehlten immer noch 15 Sekunden auf Sieger Casey Stoner (Honda). „Es war ein harter Saisonstart. Valentino hatte noch seine Schulterprobleme. Das Motorrad wurde am Ende der letzten Saison gebaut.“

„Ich glaube, mit einem fitten Fahrer hätten wir beim ersten Rennen ein etwas stärkeres Motorrad gehabt“, sagt Burgess gegenüber dem Fernsehsender ‚Channel ONE‘. „Es ist wie es ist. Wir machen nun Fortschritte. In der langen Pause vor Portugal hat sich Valentinos Fitness stark verbessert. Wir hatten einen sehr guten Test am Montag nach dem Estoril-Rennen.“

Zum ersten Mal wurde in Portugal ein weicheres Chassis eingesetzt, um das chronische Untersteuern der GP11 auszumerzen. „Wir haben das erreicht, was wir wollten. Das Chassis und der Motor wurden verbessert. Wir brauchen in beiden Bereichen noch mehr, aber wenn das schon beim zweiten Wintertest in Sepang passiert wäre, dann wäre ich sehr glücklich. Leider war es der erste Test während der laufenden Saison. Wir liegen etwas zurück.“

Elektronik deutlich verbessert

„Bis wir nicht vor der Konkurrenz sind, müssen wir ständig aufholen. Wir sind bis zu dem Test nicht stillgestanden, sondern haben die Elektronik in Ordnung gebracht. Das haben wir dann an die Kundenteams weitergegeben. Sie haben ebenfalls gefunden, dass sie jetzt besser ist.“ Im Gegensatz zu den übrigen Herstellern arbeiten die Satellitenteams eng mit dem Ducati-Werksteams zusammen.

Diese erhoffen sich durch das Gespann Rossi/Burgess ebenfalls Vorteile. „Wir konnten keine größeren Komponenten bei den Rennen testen. Das Chassis und der Motor waren beim Testtag gut. Wenn wir das weiterführen können, dann werden wir der Spitze näher rücken. Dann haben wir das nächste Puzzlestück gefunden, dass wir brauchen. Wir bewegen uns nach vorne.“

In den vergangenen Jahren konnte nur Stoner mit der Desmosedici Rennen gewinnen. Selbst Rossi tut sich mit seinem außergewöhnlichen Talent schwer. „Casey ist ohne Zweifel ein fantastischer Fahrer. Er hat mit der Ducati einen fantastischen Job gemacht“, zollt Burgess seinem Landsmann Tribut. „Es gab aber zu viele Ausfälle.“

„Ich glaube, Ducati hat in diesem Fall immer nur den Erfolg analysiert und nicht die Gründe für Caseys Stürze gesucht. Sie haben das eher als Pech abgetan und nicht daran gedacht, dass mit dem Motorrad etwas nicht stimmen könnte. Casey musste wahrscheinlich zu sehr ans Limit gehen, um seine Rennen zu gewinnen. Casey hatte mit dem Motorrad wahrscheinlich einen kleineren Grenzbereich als wir ihn haben wollen.“

Burgess fehlt die Stabilität des Reglements

Im nächsten Jahr wird der Hubraum der Motorräder auf 1.000 Kubikzentimeter erhöht. Burgess glaubt nicht, dass sich dadurch groß etwas ändern wird. „Ich glaube, man wird bei den Siegern keine großen Unterschiede sehen. Ich finde es etwas enttäuschend, dass wir wieder zu den 1.000ern zurückkehren. Hersteller wie Suzuki würden gerne mehr Stabilität sehen, damit wir ein ausgeglichenes Feld haben.“

„Ich weiß zum Beispiel, dass Yamaha einen V4-Motor bauen will, aber weil sich die Regeln so schnell ändern, haben sie nicht genug Personal, um das zu tun. Sie werden im nächsten Jahr wieder mit einem Reihenmotor fahren. Die Entwicklungsarbeit wird gestoppt, wenn man die Regeln in kurzer Zeit ändert.“

Eine weitere Neuerung sind die Claiming-Rule-Teams, bei der Privatmannschaften einen getunten Superbike-Motor in ein Prototypenchassis einbauen dürfen. Kann man damit etwas gewinnen? „Nein, keine Chance“, sagt Burgess aus Technikersicht. „Das ist nur ein Versuch, um mehr Motorräder in der Startaufstellung zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand viel Geld ausgeben will, nur um hinter Platz 16 ins Ziel zu kommen.“

Derzeit fährt Ducati hinterher. Honda ist sehr konkurrenzfähig und auf die Techniker in Bologna wartet weiterhin viel Arbeit. Erlebt Burgess derzeit den härtesten Abschnitt seiner Karriere? „Die ersten Jahre mit Mick waren sehr schwierig. Honda hatte die WM einige Jahre lang nicht gewonnen.“

Moto2 bringt die falschen Fahrer hervor

„Es gab in den frühen 90er Jahren die Erwartungshaltung, dass wir das sollten. Ich war ein Teil davon. Damals lastete viel Druck aus Japan auf unseren Schultern. Ich glaube, ich kann heute besser mit diesem Druck umgehen als damals. Ich kann mich noch gut erinnern, dass diese Jahre die härtesten waren. Aber frag mich im Dezember…“

In der kommenden Saison gibt es mit der Moto3 eine neue Nachwuchsklasse. Es hält sich hartnäckig die Meinung im Fahrerlager, dass die 250er-Zweitakter die bessere Vorbereitung auf die MotoGP waren. Moto2-Champion Toni Elias fährt bei seinem Comeback in der Königsklasse meist hinterher.

Burgess ist kein Fan der technischen Rahmenbedingungen in der Moto2. „Elias hat vor einigen Jahren mit weichen Reifen einen Sieg gefeiert. Er ist dann in die damals neue Moto2 gegangen und hat sie relativ locker gewonnen. Er hat sich seine zweite Chance in der MotoGP erarbeitet, aber man könnte in Zukunft die Regeln in der Moto2 leicht verändern. Ich war noch nie ein großer Fan dieser Klasse. Das Racing ist großartig, aber es entwickeln sicher nicht die Fahrer, die wir wollen.“

Text von Gerald Dirnbeck

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