Marc Marquez, Valentino Rossi - © Repsol

© Repsol – Valentino Rossi und Marc Marquez: Der Altmeister hat den Youngster geschlagen

Der Crash zwischen Valentino Rossi und Marc Marquez war das Gesprächsthema nach dem Grand Prix von Argentinien. Mit 36 Jahren hat Superstar Rossi dem 22-jährigen Spanier die Grenzen aufgezeigt.

Von der Rennleitung wurde der Zwischenfall als Rennunfall gewertet, wie er vorkommen kann, wenn in den letzten Runden um den Sieg gekämpft wird. Der Crash hat einige Details aufgezeigt: Marquez wollte nach dem Überholmanöver sofort einen Konter setzen, wie es der Honda-Pilot schon oft gemacht hat.

Diesmal ging es schief. Trotzdem stellt sich die Frage, warum Marquez nicht die sicheren 20 WM-Punkte für den zweiten Platz mitgenommen hat? Wenn man auf die vergangenen beiden Jahre zurückblickt, dann hat Marquez seine beiden WM-Titel auch durch Rennintelligenz gewonnen. Vor allem in seiner Debüt-Saison fuhr er oft hinter Jorge Lorenzo (Yamaha) und Dani Pedrosa (Honda) und schaute sich Tricks ab, bevor er in der zweiten Saisonhälfte das Zepter an sich riss.

Da in dieser Saison nicht nur Rossi sondern auch Ducati stärker ist, wird vermutlich die Konstanz den WM-Titel entscheiden. Marquez hat akzeptiert, dass er in Argentinien einen Fehler gemacht hat. „Nachdem ich mir den Zwischenfall mehrmals angesehen habe, sehe ich es immer noch so, wie ich in Argentinien gesagt habe: Diese Dinge können im Rennsport passieren und man muss daraus lernen. Ich bin noch jung und muss noch viele Lektionen lernen“, sagt Marquez bei einem Pressetermin in Barcelona. „Manchmal profitiert man von Rennzwischenfällen, manchmal verliert man.“

„Das gehört zum Lernprozess dazu. Ich bin überzeugt, dass es weder von mir noch von Rossi Absicht war. Ich habe immer gesagt, dass Rossi mein Idol ist, er ist für uns alle die Messlatte. Ich habe in den vergangenen Jahren viel von ihm gelernt und tue das immer noch. Alles macht dich besser, selbst ein Sturz.“ Mit dem Sieg in Argentinien hat Rossi das Momentum in der WM auf seine Seite gezogen. Marquez hat dagegen schon 30 Punkte Rückstand, also mehr als einen Rennsieg.

Wie schätzt der Titelverteidiger seine WM-Chancen ein? „Es gibt viele Gründe, die mich optimistisch stimmen. Auf der einen Seite hätte ich alle drei Rennen gewinnen können, wenn ich in Katar nicht den Fehler in der ersten Runde gemacht hätte“, blickt Marquez auf seinen fünften Platz beim Saisonauftakt zurück. „Ich schätze, dass ich mindestens auf dem Podium gestanden hätte. Dann habe ich in Austin gewonnen. Wenn ich in Argentinien nicht gestürzt wäre, wäre ich Zweiter geworden.“

„Wir sind für die restliche Saison in guter Form und wir haben bisher gut gearbeitet. Außerdem hat im Jahr 2013 Dani (Pedrosa; Anm. d. Red.) die WM nach sechs Rennen angeführt. Jorge war Zweiter und ich mit 30 Punkten Rückstand Dritter. Und am Ende habe ich den Titel gewonnen.“ Vor zwei Jahren spielten Marquez auch die Verletzungen von Pedrosa und Lorenzo in die Karten. Im Vorjahr hatte der Honda-Pilot fast keine Gegner. Rossi feierte erst im September in Misano seinen ersten Saisonsieg.

Hinterfragt wurde nach dem Rennen in Argentinien auch die Reifentaktik von Honda. Dass Rossi mit extra-hart fahren würde, war nach den Freien Trainings klar. In den Trainings wurde auch ersichtlich, dass der Italiener die beste Rennpace anschlagen könnte. Marquez wäre wahrscheinlich mit beiden Hinterreifen Zweiter geworden, man entschied sich aber für Risiko. Rückblickend betrachtet räumt Marquez einen Fehler ein.

„Ich habe von Rossis Herangehensweise gelernt, denn er konnte mit dem extra-harten Reifen am Rennende attackieren. Ich hatte mit diesem Reifen im Training kein gutes Gefühl, also entschieden wir uns für die weichere Mischung. Dieser Poker hätte sich beinahe ausgezahlt, es haben nur eineinhalb Runden gefehlt. Ich habe auch andere Dinge gelernt, aber ich behalte sie lieber für mich“, meint Marquez drei Tage nach der Niederlage.

Das gute Verhältnis zwischen Rossi und Marquez hat durch diesen Zwischenfall nicht gelitten. „Wir sind beide okay. Wir beide können zwischen auf und neben der Rennstrecke unterscheiden. Auf der Rennstrecke kümmert sich jeder um seine eigenen Interessen. Ich hoffe, dass sich unser Verhältnis dadurch nicht verändert“, sagt Marquez abschließend.

Text von Gerald Dirnbeck

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